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Pilatus

Der Hausberg der Stadt Luzern. Fotochrom, um 1904 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
Der Hausberg der Stadt Luzern. Fotochrom, um 1904 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv). […]

Gebirgsgruppe am Vierwaldstättersee in den Kantonen Luzern, Nid- und Obwalden. 9. Jahrhundert fractus mons bzw. Fräkmünt (Kopie 12. Jh.), 1460 Pilatus-Berg. Der langgezogene Gebirgszug endet in der dominanten, zerklüfteten Pyramide des Pilatus mit Tomlishorn (2128 m) und Esel (2119 m).

Der vom Lopper bis über das Eigental hinweg reichende Hochwald, genannt Hergiswald, war die von Hergiswil, Horw, Kriens, Luzern und Malters bis Ende des 14. Jahrhunderts überkommunal genutzte Allmend, die zahlreiche Alpen miteinschloss. Um 1389 trennte die Ürte Hergiswil, die sich Nidwalden angeschlossen hatte, auf der Nordseite des Pilatus die Alp Lauelen ab; die Gipfel des Pilatus bilden seither die Grenze zwischen Nid- und Obwalden. Die Alp Mülimäss war früh Sonderbesitz des Klosters St. Leodegar im Hof, dann der Stadt Luzern. 1483 und 1588 führte die Teilung der Hochwaldallmenden am Nordabhang des Pilatus zu weiteren Grenzen zwischen der Stadt Luzern, der Genossame Schwarzenberg, den Ämtern Kriens und Horw. Der Nutzungsdruck durch Siedlung, Weide und vor allem industriellen Holzbedarf verstärkte sich im 19. Jahrhundert und führte vom Ende des Jahrhunderts an zu Aufforstungen. Die Gipfel des Pilatus, besonders des Gnepfsteins, der inzwischen verlandete Pilatussee, die Höhlen (Mondmilchloch), die reiche Kalkalpenflora und die Fauna weckten in der frühen Neuzeit das Interesse von Gelehrten wie Konrad Gessner ("Descriptio montis Fracti" 1555), Moritz Anton Kappeler ("Pilati montis historia" 1767) oder Franz Ludwig Pfyffer von Wyher (Gebirgsrelief, 1750). Die touristische Erschliessung begann 1856-1861 mit der Errichtung des später abgebrannten und 1967 abgebrochenen Hotels Klimsenhorn samt Kapelle durch Kaspar Blättler, später des Hotels Bellevue auf Kulm oder 1890 des Hotels Pilatus-Kulm. 1886-1889 wurde die steile Zahnradbahn – im Anschluss an die 1888 eröffnete Brünigbahn nach Brienz – von Alpnachstad nach Pilatus-Kulm erstellt. Um 1890 bestanden erste Pläne für eine Luftseilbahn, die schliesslich 1954-1956 von Kriens über die Station Fräkmüntegg bis Pilatus-Kulm gebaut wurde. Am exponierten Berg führen Gewitter häufig zu Wildwasserfluten (v.a. Rengg-, Krienbach, Kleine Schliere). Der Pilatus, der für die Trinkwasserversorgung der Stadt Luzern von Bedeutung ist, wurde 1977 ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen.

Quellen und Literatur

  • P.X. Weber, Der Pilatus und seine Gesch., 1913
  • A. Helfenstein, Das Namengut des Pilatus-Gebietes, 1982
  • P.A. Meyer, Der Pilatus zwischen Mystik und Tourismus, 1989
  • A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Waltraud Hörsch: "Pilatus", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.05.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008782/2010-05-20/, konsultiert am 21.04.2024.