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Habsburgisches Urbar

Als Habsburgisches Urbar bezeichnet wird ein nach geografischen Gesichtspunkten geordnetes Verzeichnis der habsburgischen Einkünfte aus Eigengütern, gerichtsherrlichen Rechten, Kirchenpatronaten und Steuerrechten sowie eine Zusammenstellung der Ansprüche auf entfremdete und verpfändete Rechte in den habsburgischen Vorlanden (Vorderösterreich). Nach österreichischem Vorbild (Rationarium Austriae, ca. 1287) und nach verschiedenen kyburgischen und habsburgischen Rödeln aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde 1303-1307 auf Betreiben König Albrechts I. die habsburgische Finanzverwaltung in 66 ländlichen und städtischen Ämtern in Schwaben, im Elsass und im Gebiet der nachmaligen Schweiz im Zuge der Intensivierung der Territorialherrschaft umfassend inventarisiert. Die sehr detaillierte Aufnahme der Konzeptrödel erfolgte aufgrund eidlicher Aussagen der Abgabepflichtigen vor Ort und der Auskünfte der Vögte. Die Angaben wurden in den sogenannten Ausfertigungsrödeln vereinheitlicht, zum Teil eventuell durch den Vorsteher der Finanzverwaltung, Burkhard von Frick. Eine Reinschrift wurde 1330 erstellt. Nach der Eroberung des Aargaus 1415 wurde das Habsburgische Urbar – wie das in Baden verwahrte habsburgische Archiv der Vorlande überhaupt – in Luzern gelagert und weiter verteilt, so dass einzelne Teile verloren gegangen sein dürften, besonders solche zu Innerschweizer Gebieten. Die nicht eidgenössischen Gebiete betreffenden Abschnitte wurden erst nach Abschluss der Ewigen Richtung 1474 an die Herzöge von Österreich ausgeliefert. Das Habsburgische Urbar, eines der frühesten landesherrlichen Herrschaftsinstrumente dieser Art im Reich, ist eine wichtige Quelle für verfassungs-, sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Fragestellungen.

Quellen und Literatur

  • Das habsburgische Urbar, hg. von R. Maag, 2 Bde., 1894-1904 (Beschreibung, Gesch. und Bedeutung von P. Schweizer und W. Glättli in Bd. 2, Tl. 2)
  • G. Partsch, Die Steuern des Habsburger Urbars, 1946
  • F. Quarthal, «Residenz, Verwaltung und Territorialbildung in den westl. Herrschaftsgebieten der Habsburger während des SpätMA», in Die Eidgenossen und ihre Nachbarn im Dt. Reich des MA, hg. von P. Rück, 1991, 61-85
Von der Redaktion ergänzt
  • Bärtschi, Marianne: Das Habsburger Urbar. Vom Urbar-Rodel zum Traditionscodex, Dissertation, Universität Zürich, 2008.
Weblinks

Zitiervorschlag

Franziska Hälg-Steffen: "Habsburgisches Urbar", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 10.10.2007. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008954/2007-10-10/, konsultiert am 05.07.2022.