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ErnstSchneider

17.10.1878 Bubendorf, 16.2.1957 Muttenz, ref., von Solothurn und Langenbruck. Sohn des Mathias, Müllers, und der Anna geb. Degen. Ida Christen. 1894-97 Ausbildung zum Primarlehrer am Lehrerseminar Muristalden in Bern. Bis 1899 war S. Lehrer in Innerberg (Gem. Wohlen bei Bern), dann studierte er an der Univ. Bern Pädagogik, Philosophie, Geografie sowie Geschichte und promovierte 1904. Er wirkte als Lehrer, dann als Oberlehrer an der Übungsschule des Pädagog. Universitätsseminars. Trotz Widerstand der Lehrerschaft und Protesten des Freisinns wurde S. 1905 zum Direktor des staatl. Lehrerseminars des Kt. Bern gewählt. Hier führte er Doppelstunden, Schulreisen, Unterrichtspraktika, freie Aufsätze und neue Prüfungsformen ein. Nach dem sog. Seminarhandel und einer Hetzkampagne - S. wurde u.a. vorgeworfen, während des Unterrichts Psychoanalyse betrieben zu haben - erfolgte 1915 seine Abwahl. 1916-20 war er als Dozent am Institut Jean-Jacques Rousseau in Genf tätig, dann wurde er auf einen Lehrstuhl für Pädagogik der Univ. Riga berufen. Zwischen 1928 und 1946 war er Psychotherapeut mit eigener Praxis in Stuttgart. S. gründete 1907 die "Berner Seminarblätter" (ab 1916 "Die Schulreform") und 1928 die "Schweizer Erziehungsrundschau". Mit Heinrich Meng edierte er 1926-37 die "Zeitschrift für psychoanalyt. Pädagogik". S.s Schulreform fusste auf einer neuen Idee vom Kind, die er sowohl erziehungsgeschichtlich als auch psychoanalytisch zu untermauern suchte und die ihn zur Sozialreform führte. Als Reformpädagoge und psychoanalytisch ausgerichteter Schulreformer war er international bekannt, jedoch nicht unumstritten. Er engagierte sich für ein neues Boden- und Steuerrecht, war Schriftleiter des Schweizer Freiwirtschaftsbunds, 1914 Mitgründer der Neuen Helvet. Gesellschaft sowie 1917 der Zeitschrift "Die Freistatt".

Quellen und Literatur

  • Aus meinen Lern- und Lehrjahren, 1956 (mit Werkverz.)
  • H.-U. Grunder, Seminarreform und Reformpädagogik, 1993
  • K. Weber, "Es geht ein mächtiges Sehnen durch unsere Zeit", 1999
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