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Johann Caspar vonOrelli

13.2.1787 Wädenswil, 6.1.1849 Zürich, ref., von Wädenswil. Sohn des David, Verlagsbuchhändlers, und der Regula Escher vom Glas. 1823 Anna Elisabetha Ganz, Tochter des Heinrich, Arztes. O. wurde von seiner Mutter unterrichtet, besuchte die Dorf- und die Lateinschule und ab 1801 das Carolinum in Zürich. Geistig geprägt wurde er durch seine Lehrer Johann Jakob Hottinger, Johann Heinrich Bremi sowie Johann Heinrich Pestalozzi, die für die Grundsätze seiner nachmaligen bildungspolit. Position stehen, nämlich Humanismus (Geisteswissenschaften), Realismus (Naturwissenschaften) und Populismus (Zugang zur Bildung für alle Bevölkerungsschichten). 1806 verbrachte O. ein halbes Jahr in Pestalozzis Anstalt in Yverdon. 1807 wurde er Prediger in Bergamo, wo er 1808 die Ehe zwischen dem ital. Dichter Alessandro Manzoni und der Genfer Bankierstochter Henriette Blondel einsegnete. 1814-18 unterrichtete er Geschichte und Sprachen an der Kantonsschule in Chur, ab 1819 war er Prof. für Eloquenz am Carolinum in Zürich, 1820-39 Mitglied des Erziehungsrats. 1831-49 leitete er als Oberbibliothekar die Stadtbibliothek Zürich.

Epigraph von Johann Caspar von Orelli aus dem Jahr 1816 mit einem Zusatz von 1819 auf den vordersten Seiten einer von Ulrich von Hutten zwischen 1519 und 1521 herausgegebenen Schriftensammlung (Kantonsbibliothek Graubünden, Chur).
Epigraph von Johann Caspar von Orelli aus dem Jahr 1816 mit einem Zusatz von 1819 auf den vordersten Seiten einer von Ulrich von Hutten zwischen 1519 und 1521 herausgegebenen Schriftensammlung (Kantonsbibliothek Graubünden, Chur). […]

O. gehörte zu den Mitbegründern der liberalen, auf Bibelkritik fussenden Theologie. Er veröffentlichte 1819 eine Studie zum klass. Altertum und zur aristotel. Pädagogik. Sein Wirken für eine harmon. Bildung aller Fähigkeiten des Menschen, für die Volksschule, die Nationalbildung und die Volksschullehrerbildung machten ihn zu einem führenden Schulreformer. O. beharrte auf einer pluralen Sicht von Erziehung und Schule, indem er sich sowohl gegen einen vereinheitlichenden, etwa religiös begründeten Erziehungsbegriff, als auch gegen absolut gedachte, auf dem Gedanken der sog. Naturgemässheit fussende Erziehungskonzepte wandte. Seine Idee einer "hohen Schule" realisierte sich mit der Eröffnung der Univ. Zürich 1833.

Als produktiver Altphilologe edierte O. zahlreiche lat. Texte, u.a. von Horaz, Persius, Platon, Plinius, Tacitus und Tommaso Campanella. 1826-38 gab er eine vollständige Ausgabe der Werke Ciceros in sieben Bänden heraus. Sein zweibändiger Horaz-Kommentar (1837-38) avancierte zum Standardwerk und wurde mehrfach neu aufgelegt. 1827 Dr. h.c. für Philosophie der Univ. Basel.

Quellen und Literatur

  • ZBZ, Nachlass
  • Gegen Unwissenheit und Finsternis, hg. von M.C. Ferrari, 2000
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