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TheoCandinas

Theo Candinas in seinem Wohnzimmer in Surrein, 2007 (Fotografie Jano Felice Pajarola / Somedia).
Theo Candinas in seinem Wohnzimmer in Surrein, 2007 (Fotografie Jano Felice Pajarola / Somedia).

19.12.1929 Sumvitg, 1.4.2020 Valens, katholisch, von Sumvitg. Sohn des Giusep Mudest Candinas, Lehrers und Bauern, und der Matilda geborene Gienal. 1960 Marguerite Georgette Zeh, Tochter des Robert Zeh aus Wihr-au-Val (Elsass), Direktors bei der Société nationale des chemins de fer français (SNCF), und der Marie-Louise geborene Petitedemange aus Fréland (Elsass). Theo Candinas besuchte das Lehrerseminar in Chur (Primarlehrerpatent 1950) und genoss anschliessend Weiterbildungen zum Sekundarlehrer in Freiburg, Paris und Perugia. 1956-1991 unterrichtete er an der Sekundar- und Töchterhandelsschule in Chur. Daneben arbeitete er als Redaktor, Übersetzer, Journalist und Kolumnist. Bereits mit 19 Jahren publizierte Candinas in seinem romanischen Idiom Sursilvan erste Gedichte; es folgten weitere Werke, darunter auch solche dramatischer und erzählender Natur. Seine Stärke lag in der satirischen (Kurz-)Prosa, in der er insbesondere die doppelbödige Moral seiner Umgebung anprangerte und mit Tabus brach, so beispielsweise in den Historias da Gion Barlac (1975), in den Historias dil parler pign (deutsch: Geschichten des kleinen Zigeuners, 1986) und in Tè-Tuà (1993, phonetisierende Schreibweise des französischen «tais-toi»). Er war Verfasser einer surselvischen Sprachlehre und in der rätoromanischen Bewegung tätig; als Förderer der Vielfalt romanischer Idiome war er gegenüber der schriftsprachlichen Vereinheitlichung, dem sogenannten Rumantsch Grischun (Rätoromanisch), kritisch eingestellt. 1964-1967 präsidierte Candinas die Uniun da scripturas e scripturs rumantschs (Rätoromanische Literatur) und 1977-1979 den Schweizerischen Schriftstellerinnen- und Schriftstellerverband. Für sein Wirken wurden ihm diverse Auszeichnungen verliehen, darunter die Anerkennungspreise der Schweizerischen Schillerstiftung (1972 und 1987) und des Kantons Graubünden (1990).

Porträt von Theo Candinas aus dem Jahr 1999, als Würdigung anlässlich seines Todes ausgestrahlt in der Sendung Telesguard des Fernsehens der rätoromanischen Schweiz vom 3. April 2020 (Radiotelevisiun Svizra Rumantscha, Chur, Play RTR).
Porträt von Theo Candinas aus dem Jahr 1999, als Würdigung anlässlich seines Todes ausgestrahlt in der Sendung Telesguard des Fernsehens der rätoromanischen Schweiz vom 3. April 2020 (Radiotelevisiun Svizra Rumantscha, Chur, Play RTR).

Quellen und Literatur

  • Candinas, Theo: Historias da Gion Barlac, 1975.
  • Candinas, Theo: Historias dil parler pign. Ed autras bialas, 1986.
  • Candinas, Theo: Tè-Tuà. Ina cronica da superfetg, 1993.
  • Bezzola, Reto R.: Litteratura dals rumauntschs e Ladins, 1979.
Von der Redaktion ergänzt
  • Decurtins, Giusep: «Theo Candinas», in: Theaterlexikon der Schweiz, Bd. 1, 2005, S. 335.
  • Bündner Tagblatt, 4.4.2020 (Nachruf).
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Zitiervorschlag

Lucia Walther: "Candinas, Theo", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 01.11.2021. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/009100/2021-11-01/, konsultiert am 23.05.2022.