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LeopoldLindtberg

Plakat für die Pariser Erstaufführung des von der Zürcher Praesens Film AG produzierten Films Die letzte Chance (Sammlung Cinémathèque suisse, alle Rechte vorbehalten).
Plakat für die Pariser Erstaufführung des von der Zürcher Praesens Film AG produzierten Films Die letzte Chance (Sammlung Cinémathèque suisse, alle Rechte vorbehalten). […]

1.6.1902 Wien, 18.4.1984 Sils im Engadin/Segl, israelitisch, aus Wien, ab 1951 von Zürich. Sohn des Heinrich Lemberger, Kaufmanns, und der Adele geborene Pollak. 1941 Valeska Martha Hirsch, Pianistin, von Zürich. Leopold Lindtberg studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft an der Universität Wien und bildete sich gleichzeitig bei Hans Kirchner und Josef Danegger zum Schauspieler aus. Nach ersten Rollen auf österreichischen und deutschen Bühnen hatte Lindtberg 1926 sein Regiedebüt in Bielefeld und arbeitete anschliessend in Berlin bei Erwin Piscator. Der engagierte Antifaschist Lindtberg emigrierte 1933 über Paris nach Zürich, wo er bis 1948 als Regisseur am Schauspielhaus wirkte. Mit weit über 100 Inszenierungen, darunter Uraufführungen von Stücken von Bertolt Brecht, Carl Zuckmayer, Thornton Wilder, William Faulkner, Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt, prägte er die Geschichte dieses Theaters massgeblich.

Mit zwölf Spielfilmen aus den Jahren 1935-1953 gehört Lindtberg auch zu den aktivsten und erfolgreichsten Filmregisseuren der Schweiz. Seine Werke «Füsilier Wipf» (1938), «Wachtmeister Studer» (1939) und «Landammann Stauffacher» (1941) standen im Zeichen der Geistigen Landesverteidigung, während «Marie-Louise» (1944) und «Die letzte Chance» (1945), die beide wie Lindtbergs spätere Filme international ausgezeichnet wurden, für Humanismus plädierten. Trotz dieser Leistungen wurde Lindtbergs Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung in der Schweiz Anfang 1946 nur provisorisch verlängert. 1951 gewährte ihm die Stadt Zürich jedoch das Bürgerrecht.

Auch im Ausland war Lindtberg eine gefragte Persönlichkeit. Er inszenierte in deutschen Städten sowie unter anderem in Tel Aviv (ab 1934), Warschau und Tokio Theaterstücke und Opern. Auch war er ab 1947 ständiger Gastregisseur und Ehrenmitglied des Wiener Burgtheaters und ab 1966 wiederholt Regisseur bei den Bregenzer und Salzburger Festspielen. 1963-1964 lehrte er als Professor am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und leitete 1963-1965 die dortige Filmschule an der Akademie für Musik und darstellende Kunst. Danach kehrte er als Direktor ans Schauspielhaus Zürich (1965-1968) zurück und war 1965-1974 Lehrbeauftragter an der Universität, der Volkshochschule und der ETH Zürich. Lindtberg wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1958 mit dem Filmpreis der Stadt Zürich und der Josef-Kainz-Medaille der Stadt Wien, 1959 mit dem Titel Prof. h.c. der Universität Wien. 1964 erhielt er den Franz-Grillparzer-Preis der Universität Wien, 1969 den Hans-Reinhart- und 1982 den Raimund-Ring.

Quellen und Literatur

  • Teilnachlässe in Akad. der Künste, Berlin; Schweizer Filmarchiv, Lausanne
  • H. Dumont, Leopold Lindtberg und der Schweizer Film, 1981 (franz. 1975)
  • TLS 2, 1115 f.
Weblinks
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Kurzinformationen
Variante(n)
Leopold Lemberger (Geburtsname)
Lebensdaten ∗︎ 1.6.1902 ✝︎ 18.4.1984

Zitiervorschlag

Felix Aeppli: "Lindtberg, Leopold", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 02.12.2014. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/009204/2014-12-02/, konsultiert am 18.08.2022.