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MichelSimon

Der Schauspieler in der Rolle des Gaston Lebeau, Hauslehrers des jungen André Carel, im Film La vocation d'André Carel von Jean Choux (Sammlung Cinémathèque suisse, alle Rechte vorbehalten).
Der Schauspieler in der Rolle des Gaston Lebeau, Hauslehrers des jungen André Carel, im Film La vocation d'André Carel von Jean Choux (Sammlung Cinémathèque suisse, alle Rechte vorbehalten). […]

9.4.1895 Genf, 30.5.1975 Bry-sur-Marne (Ile-de-France), kath., von Villingen (Baden, D) und ab 1907 von Genf. Sohn des Joseph und der Véronique geb. Burnat, Metzgersleute. 1916 Yvonne Nadège Ryter, Musikerin (1919 Scheidung). S. erlebte eine ungezwungene Kindheit. Nach Beendigung der Schulzeit arbeitete er in der elterl. Metzgerei und später im Schlachthaus der Stadt Genf. Er träumte davon, Pilot zu werden. Mit 16 Jahren versuchte er sein Glück in Paris, wo er sich als Strassenhändler, Akrobat und Boxlehrer durchschlug. Bei Kriegsausbruch 1914 kehrte er in die Schweiz zurück. Als undisziplinierter Soldat verbrachte er zahlreiche Tage im Arrest, erkrankte und musste in Leysin gepflegt werden. 1915 entdeckte er das Theater, als er in der Comédie de Genève, wo Georges Pitoëff spielte, eine Aufführung von "Hedda Gabler" sah. Pitoëff verpflichtete ihn zunächst als Fotografen, später als Theaterschauspieler. 1920 hatte er im Gemeindesaal von Plainpalais seinen ersten Bühnenauftritt als Amtsschreiber in William Shakespeares "Mass für Mass". 1922 folgte er den Pitoëffs nach Paris, wo er sein Leben ganz dem Theater und dem Kino widmete. Er spielte in rund 60 Bühnenstücken, u.a. in "Jean de la Lune" von Marcel Achard (1929) und "Fric-Frac" von Edouard Bourdet (1936). Sein Filmdebüt gab er in "Die Macht der Arbeit" von Jean Choux (1925). Er wirkte in über 100 Spielfilmen von unterschiedl. Qualität mit, dies unter bedeutenden Regisseuren wie Sacha Guitry, Jean Renoir, Jean Vigo, Marcel Carné ("Ein sonderbarer Fall" 1937, "Hafen im Nebel" 1938) oder René Clair, und Seite an Seite mit herausragenden Filmschauspielern wie Arletty, Erich von Stroheim, Michèle Morgan, Jean Gabin, Louis Jouvet und Fernandel. Nachhaltig in das Gedächtnis der Zuschauer eingegraben haben sich seine Darstellungen von Boudu in "Boudu - Aus den Wassern gerettet" von Renoir (1932), Père Jules in "L'Atalante" von Vigo (1934) oder Mephisto in "Der Pakt mit dem Teufel" von Clair (1949). 1957 erlitt S. durch ein Bartfärbemittel eine Vergiftung, die seine Fähigkeit, Texte auswendig zu lernen, schwer beeinträchtigte und Filmproduzenten davon abhielt, ihm Rollen anzubieten. Mit 72 Jahren tat er sich mit "Wind in den Zweigen des Sassafras" von René de Obaldia (1965) nochmals als Bühnendarsteller hervor. 1966 machte er erneut Karriere als Filmschauspieler mit "Der alte Mann und das Kind" von Claude Berri (1966), ein Streifen, der ihm am internat. Filmfestival von Berlin den Silbernen Bären als bester Schauspieler eintrug. 1975 drehte er seinen letzten Film "Der rote Ibis" von Jean-Pierre Mocky. S. sammelte erot. Gegenstände und Bilder und versuchte sich auch als Chansonnier ("L'herbe tendre", "Mémère"). Als Anarchist mit sonorer Stimme und seinen unbezahlbaren Grimassen verstand er es, sein hässl. Äusseres in den Dienst ausdrucksstarker Charakterdarstellung zu stellen.

Quellen und Literatur

  • TLS, 1689 f.
  • G. Le Gras, Michel S., 2010 (mit Bibl. und Filmografie)
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