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MarieGoegg-Pouchoulin

Marie Goegg-Pouchoulin mit ihrem Sohn Egmont. Reproduktion einer Fotografie von ca. 1857 (Archiv Gosteli-Foundation, Worblaufen).
Marie Goegg-Pouchoulin mit ihrem Sohn Egmont. Reproduktion einer Fotografie von ca. 1857 (Archiv Gosteli-Foundation, Worblaufen).

24.5.1826 Genf, 24.3.1899 Genf, reformiert, von Genf. Tochter des Jean Pouchoulin, Uhrmachers, und der Andrienne geborene Pautex. 1) 1845 Marc Mercier, Kaufmann, 2) 1856/1857 Amand Goegg, Politiker. Marie Pouchoulin wuchs in Genf auf. Ende der 1840er Jahre kam sie mit deutschen Revolutionsflüchtlingen in Kontakt und begeisterte sich für das radikal-demokratische Gedankengut. Sie lernte ihren späteren Ehemann, den badischen Revolutionsführer Amand Goegg kennen, mit dem sie einige Jahre im Exil in London verbrachte und ab 1862 im deutschen Baden lebte. Zurück in Genf war Goegg-Pouchoulin ab 1867 für die von ihrem Gatten mitbegründete Internationale Liga für Frieden und Freiheit tätig. Sie wurde 1868 ins Zentralkomitee gewählt und redigierte die neue Zeitung Les Etats-Unis d'Europe, worin sie 1868 einen Aufruf zur Bildung von Frauenkomitees veröffentlichte. Obwohl ihr Vorstoss nur wenige, vor allem intellektuelle Frauen ansprach, konstituierte sich noch im gleichen Jahr unter dem Vorsitz von Goegg-Pouchoulin in Genf die Association internationale des femmes. Die Organisation strebte die Gleichstellung der Geschlechter im Bildungswesen, im Erwerbsleben und in rechtlichen Belangen an. Bis 1871 versah Goegg-Pouchoulin das Präsidium, trat dann aber zurück, weil die Mehrheit der Mitglieder ihrem radikalen Kurs nicht mehr folgte. Mit Julie von May gründete sie 1872 in Bern die Association pour la défense des droits de la femme, die nach ihrem Publikationsorgan Solidarité benannt wurde. Diese setzte das emanzipatorische Programm ihrer Vorläuferorganisation fort und konzentrierte sich in erster Linie auf Vorstösse für die zivilrechtliche Gleichstellung der Schweizerinnen. Ferner erreichte eine von Goegg-Pouchoulin initiierte Frauenpetition 1872 die Zulassung von Frauen an die Universität Genf. Nachdem sie vorerst das Genfer Lokalkomitee geleitet hatte, wurde sie 1875 zur Präsidentin der Solidarité gewählt. 1880 sah sie sich gezwungen, die Organisation wegen mangelnder Gefolgschaft aufzulösen und das Erscheinen der Zeitschrift einzustellen. Trotzdem blieb Goegg-Pouchoulin bis zu ihrem Tod der Frauenbewegung verbunden, ohne jedoch nochmals eine führende Rolle zu spielen. 1886 wurde sie in den Administrativrat der Fédération abolitionniste internationale (Abolitionismus) gewählt, nachdem sie bereits ab 1877 enge Kontakte zu dieser Organisation gepflegt hatte. Als Vizepräsidentin der 1891 gegründeten Union des femmes de Genève garantierte sie Kontinuität innerhalb der fortschrittlichen Frauenbewegung. Marie Goegg-Pouchoulin, eine Pionierin des egalitären Feminismus, wurde zur Symbolfigur für den progressiven Flügel der Frauenbewegung in der Westschweiz. Mit der Gründung einer Internationale der Frauen hatte sie auch über die Landesgrenzen hinaus zukunftsweisende Impulse gegeben.

Quellen und Literatur

  • Chaponnière-Chaix, Pauline: «Une pionnière du mouvement féministe dans la Suisse romande», in: Jahrbuch der Schweizerfrauen, 1916, S. 139-146.
  • Woodtli, Susanna: Gleichberechtigung. Der Kampf um die politischen Rechte der Frau in der Schweiz, 19832, S. 24-49.
  • Mesmer, Beatrix: Ausgeklammert – eingeklammert. Frauen und Frauenorganisationen in der Schweiz des 19. Jahrhunderts, 1988, S. 88-110.
  • Rahm, Berta (Hg.): Marie Goegg (geb. Pouchoulin). Mitbegründerin der Internationalen Liga für Frieden und Freiheit, Gründerin des Internationalen Frauenbundes, des Journal des femmes und der Solidarité, 1993.
  • Anteghini, Alessandra: Parità, pace, libertà. Marie Goegg e André Leo nell'associazionismo femminile del secondo Ottocento, 1998.
  • Canton de Genève; Service pour la promotion de l'égalité entre homme et femme (Hg.): Pionnières et créatrices en Suisse romande. XIXe et XXe siècles, 2004, S. 158-161.
Weblinks
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Kurzinformationen
Variante(n)
Marie Goegg (Ehename)
Marie Pouchoulin (Taufname)
Lebensdaten ∗︎ 24.5.1826 ✝︎ 24.3.1899

Zitiervorschlag

Regula Ludi: "Goegg-Pouchoulin, Marie", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 28.12.2006. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/009305/2006-12-28/, konsultiert am 25.06.2022.