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Schellenwerk

Im alemann. Sprachraum des 16. bis 18. Jh., u.a. in Bern, Basel, Zürich und Luzern übliche Bezeichnung für die öffentl. Zwangsarbeitsstrafe, teilweise auch Schallenwerk genannt. In den französischsprachigen Untertanengebieten Berns und in Freiburg hiessen diese Strafen selnaux, sonnaux oder sonnettes. Der Begriff S. nimmt Bezug auf die meist gefesselten und mit Schellen versehenen Verurteilten, die ihrer Arbeitspflicht nachzukommen hatten (Strafvollzug, Gefängnisse). Auch die Schandgeräte, an denen sie ausgestellt wurden, waren mit Schellen besetzt. Rechtsverstösse, welche keine peinl. Strafen nach sich zogen, insbesondere Bettelei, ab dem 17. Jh. auch schwerere Delikte, die zufolge besonderer Milderungsgründe die Verhängung einer poena extraordinaria erlaubten, wurden mit S. bestraft. Meist waren für die Obrigkeit öffentlich nützl. Arbeiten zu verrichten (Strassen- und Festungsbau, Reinigung von Strassen und Plätzen, usw.). Durch die Erziehung zu harter Arbeit sollte auf für den Staat wertschöpfende Weise eine moral. Besserung der Delinquenten erzielt werden. Obschon das S. den Charakter einer öffentl. Ehrenstrafe trug, machte es nicht ehrlos, zumal es nicht den stigmatisierenden Kontakt mit dem Scharfrichter nach sich zog. Dennoch entsprach das S. in seinen Auswirkungen auf die phys. Integrität und Gesundheit des Betroffenen oftmals einer peinl. Sanktion.

Quellen und Literatur

  • G. Fumasoli, Ursprünge und Anfänge der S.e, 1981
  • H. Anselmier, Les prisons vaudoises (1872-1942), 1993
  • T. Krause, Gesch. des Strafvollzugs, 1999