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Hans Urs vonBalthasar

12.8.1905 Luzern, 26.6.1988 Basel, katholisch, von Luzern. Sohn des Oskar Ludwig Carl, Kantonsbaumeisters, und der Gabriele geborene Pietzker-Apor, aus der ungarischen Familie der Barone Apor de Altorja. Bruder von Renée (->). Nach Gymnasialstudien in Engelberg und im österreichischen Feldkirch (1916-1923) studierte Hans Urs von Balthasar Germanistik und Philosophie in Wien, Berlin und Zürich (1929 Promotion bei Robert Faesi) und trat 1929 in den Jesuitenorden ein. 1931-1933 studierte er Philosophie in Pullach bei München, 1934-1937 Theologie in Lyon-Fourvière. 1936 Priesterweihe. Prägend wurden die Begegnungen mit Philosophen und Theologen aus dem Jesuitenorden wie Erich Przywara, Jean Daniélou und Henri de Lubac. Nach kurzer redaktioneller Mitarbeit an der Ordenszeitschrift "Stimmen der Zeit" (München, 1938-1939) wurde er 1940 Studenten- und Akademikerseelsorger in Basel. 1945 gründete er mit Adrienne von Speyr das Säkularinstitut der Johannesgemeinschaft. Durch seine weitgespannte Vortragstätigkeit und eine ausserordentlich grosse Zahl philosophischer und theologischer Publikationen wurde er zum Vermittler abendländischen Geisteserbes. Als Schriftsteller und Verlagsleiter lebte er zuerst in Zürich, dann in Basel. Balthasar trat 1950 aus dem Jesuitenorden aus, weil dieser ihn für die Aufgaben des von ihm gegründeten Instituts nicht freistellte.

Seine theologische Inspiration und Orientierung fand Balthasar bei den Kirchenvätern und den grossen Mystikern und Glaubenszeugen der Kirche. Zugleich horchte er die Literatur seiner Zeit, insbesondere diejenige des Renouveau catholique – Charles Péguy, Paul Claudel, Georges Bernanos und Reinhold Schneider – auf die Gottesfrage hin ab. Als erster katholischer Theologe von Rang setzte er sich mit Karl Barth (1951) auseinander, mit dem er den Absolutheitsanspruch Gottes in der modernen Theologie vertrat. Diese theologische Einstellung und seine weitblickende Schau einer "unverschanzten" Kirche machten Balthasar zu einem der aktivsten Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils im deutschen Sprachraum. Durch seine scharfsinnige Kritik an nachkonziliaren Entwicklungen gewann Balthasar eine internationale Ausstrahlung, die in Kontrast zu seiner bescheidenen Rezeption in der Schweiz stand. Sein bereits durch den Umfang aussergewöhnliches Werk – über 100 eigene Buchpublikationen, zahlreiche Aufsätze und Übertragungen theologischer und literarischer Werke aus verschiedenen europäischen Kulturkreisen – lässt sich nur schwer auf einen Nenner bringen. Balthasars Auseinandersetzung mit der deutschen Philosophie fand frühen Ausdruck im dreibändigen Werk "Die Apokalypse der deutschen Seele" (1937-1939). Theologisches Hauptwerk ist sein fünfzehnbändiges Tryptichon, in dem er die Offenbarung Gottes nach den ihm zukommenden Eigenschaften des Schönen, Guten und Wahren entfaltet: Herrlichkeit (1961-1969), Theodramatik (1973-1983) und Theologik (1985-1987). Wegweiser zu seinem vielschichtigen, in die meisten europäischen Hauptsprachen übersetzten Werk ist sein Essay "Mein Werk" (1990). Eng verbunden mit seinem Schaffen ist dasjenige der Basler Ärztin und Mystikerin Adrienne von Speyr, deren Werke er herausgab. Ausserdem betreute Balthasar als Herausgeber 13 verschiedene Schriftenreihen, war Begründer des Johannes-Verlags in Einsiedeln sowie Mitbegründer der internationalen katholischen Zeitschrift "Communio". Zahlreiche Ehrungen zeugen von seiner nationalen und internationalen Reputation: Innerschweizer Kulturpreis (1956), Goldenes Kreuz des heiligen Berges Athos (1965), Ehrendoktorwürden der Universitäten Edinburgh (1965), Münster (1965), Freiburg (1967) und der Catholic University of Washington (1980), Romano-Guardini-Preis der Katholischen Akademie Bayern (1971), Salzburger Mozart-Preis (1987), Gottfried-Keller-Preis der Martin-Bodmer-Stiftung Zürich. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn am 28. Mai 1988 zum Kardinal; Hans Urs von Balthasar starb jedoch drei Tage vor der Übergabe des Kardinalsbiretts.

Quellen und Literatur

  • In der Fülle des Glaubens: Hans Urs von Balthasar, hg. von M. Kehl, W. Löser, 1980
  • M. Jöhri, Descensus Dei, 1981
  • Hans Urs von Balthasar, Gestalt und Werk, hg. von K. Lehmann, W. Kasper, 1989
  • Hans Urs von Balthasar: Bibl. 1915-1990, 1990
  • LThK 1, 31993, 1375-1378
  • E. Guerriero, Hans Urs von Balthasar, 1993, (ital. 1991)
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Zitiervorschlag

Victor Conzemius: "Balthasar, Hans Urs von", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 31.03.2011. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/009716/2011-03-31/, konsultiert am 28.11.2022.