de fr it

Alois MariaBenziger

31.1.1864 Einsiedeln, 17.8.1942 Trivandrum (Indien), katholisch, von Einsiedeln, Bischof von Quilon, Förderer der katholischen Kirche in Südindien.

Alois Maria Benziger wurde nach seinem Vater Adelrich Benziger, Mitinhaber des katholischen Benziger Verlags, auf den Namen Adelrich getauft. Seine Mutter Anna Maria geborene Koch stammte aus Boswil und war die Tochter eines Landwirts. Das Elternhaus war streng katholisch. Seine ältere Schwester Anna Benziger trat wie er selber später in Belgien in den Karmeliterorden ein (Ordensname Margherita Maria). Sein jüngerer Bruder August Benziger etablierte sich als international bekannter Porträtmaler.

Alois Maria Benziger als junger Karmelitermönch in Brügge. Fotografie aus dem Atelier von Alf. Watteyne, Brügge, nach 1884 (Archiv Stiftung Kulturerbe Einsiedeln).
Alois Maria Benziger als junger Karmelitermönch in Brügge. Fotografie aus dem Atelier von Alf. Watteyne, Brügge, nach 1884 (Archiv Stiftung Kulturerbe Einsiedeln). […]

Benziger besuchte in Einsiedeln die Primarschule und anschliessend für zwei Jahre die Stiftsschule im Benediktinerkloster. Nach dem Tod seines älteren Bruders Louis Benziger, dem die Nachfolge im Familiengeschäft zugedacht gewesen wäre, schickte ihn sein Vater 1878 an die Kaufmännische Musterschule in Frankfurt am Main. Es folgten Aufenthalte im Institut Saint-Louis in Brüssel, in der von Benediktinern geführten Downside School in Bath und 1883-1884 theologische Studien in Eichstätt. 1884 trat er gegen den Willen seines Vaters in das Karmeliterkloster in Brügge ein, wo er am 28. Mai 1885 unter dem Namen Alois a sancta Maria die Profess ablegte. Am 22. Dezember 1888 erhielt Benziger in der St.-Bavo-Kathedrale in Gent die Priesterweihe.

Sein Leben nahm eine Wende, als er im Herbst 1890 als Missionar nach Südindien ging. Von 1890 bis 1892 war er Professor am Priesterseminar der Karmeliter in Puthenpally, wo er sich mit altorientalischer Liturgie zu beschäftigen begann. Anschliessend wurde er Sekretär des päpstlichen Gesandten Ladislaus Zaleski in Kandy. Unter schwierigen Bedingungen unternahm er in dieser Funktion ausgedehnte Inspektionsreisen in ganz Indien. Am 22. September 1900 wurde Benziger zum Titularbischof von Tabae und Weihbischof von Quilon ernannt. Die Bischofsweihe erhielt er am 18. November in Kandy, 1905 wurde er Diözesanbischof von Quilon. 1925 ernannte ihn Pius XI. zum päpstlichen Thronassistenten.

Benziger arbeitete rastlos am Aufbau der katholischen Kirche und an der Verbesserung der Lebensbedingungen im südlichen Indien. Er veranlasste die Gründung von Klöstern, Schulen und Krankenhäusern, liess Kirchen bauen und förderte den Priesternachwuchs. Auf seine Initiative gründeten die Kreuzschwestern von Menzingen 1906 in Quilon eine Niederlassung. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit galt den ökumenischen Beziehungen zum syrisch-jakobitischen Christentum. Er war 1930 massgeblich an der Gründung der syro-malankarischen Kirche als Teil der katholischen Ostkirche unter dem Primat des Papstes beteiligt. 1931 demissionierte Benziger als Diözesanbischof und wurde Titularerzbischof von Antinoe. Sein letztes Lebensjahrzehnt verbrachte er als einfacher Mönch im Kloster Carmel Hill in Trivandrum, wo er am 17. August 1942 starb.

Bilder der Einweihungsfeierlichkeiten und der Eingangshalle des Benziger Memorial Spirituality Centre, Trivandrum, 28. August 2013 (Benziger Memorial Spirituality Centre, Trivandrum).
Bilder der Einweihungsfeierlichkeiten und der Eingangshalle des Benziger Memorial Spirituality Centre, Trivandrum, 28. August 2013 (Benziger Memorial Spirituality Centre, Trivandrum). […]

Benziger führte ein streng asketisches Leben. Schon zu Lebzeiten wie ein Heiliger verehrt, erschien 1944 die erste von mehreren, hagiografisch gefärbten Biografien über ihn. In Trivandrum und Quilon sind verschiedene Institutionen nach ihm benannt, darunter ein Krankenhaus, eine Schule und ein Zentrum für Spiritualität. Anlässlich seines 75. Todestages wurde 2017 in Trivandrum der Prozess zur Seligsprechung eingeleitet.

Quellen und Literatur

  • Einsiedler Anzeiger, 1942/68 (Nachruf).
  • Donauer, Friedrich: Auf Apostelwegen in Indien. Der Schweizer Bischof Aloisius Benziger, 1944.
  • Kaipanplakal, Philip: A Man of God. Life History of Archbishop Aloysius Maria Benziger O.C.D., 1956.
  • Benziger, Marieli: Archbishop Benziger. Carmelite in India, 1977.
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF
Kurzinformationen
Variante(n)
Adelrich Benziger (Taufname)
Aloysius Maria Benziger
Alois Benziger
Lebensdaten ∗︎ 31.1.1864 ✝︎ 17.8.1942