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MariusBesson

Marius Besson vor dem Hotel Alexandra in Lausanne anlässlich einer Einladung zum Mittagessen durch den Waadtländer Staatsrat. Fotografie von Henri Girod, 1920 (Musée historique de Lausanne).
Marius Besson vor dem Hotel Alexandra in Lausanne anlässlich einer Einladung zum Mittagessen durch den Waadtländer Staatsrat. Fotografie von Henri Girod, 1920 (Musée historique de Lausanne).

28.6.1876 Turin, 24.2.1945 Freiburg, katholisch, von Chapelle-sur-Moudon. Sohn des Edouard, reformierten Hauslehrers, und der Teresa Fossati, Lehrerin. Die Familie Besson emigrierte 1883 nach Lyon, wo Marius Besson das Jesuitenkolleg und das Kolleg Saint-Jean besuchte. Als die Familie 1894 nach Genf übersiedelte, nahm er am Priesterseminar in Freiburg das Studium der Philosophie und Theologie auf (lic. theol. 1900). 1899 Priesterweihe, 1900 Vikar in La Chaux-de-Fonds, 1900-1901 Studienaufenthalt in Rom, 1901-1903 aus gesundheitlichen Gründen Aufenthalt in Turin und Geschichtsstudium, 1905 Dr. phil. Freiburg, 1907-1916 Professor der Kirchengeschichte und Patristik am Priesterseminar, 1908-1920 Extraordinarius für Geschichte des Mittelalters an der Universität Freiburg. 1906-1920 Mitherausgeber der "Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte"; 1911/1912 Mitbegründer der Zeitschrift "Charlemagne", Initiant der katholischen Wochenzeitung "L'Echo vaudois", die er von 1910-1919 redigierte.

Der Bischof Marius Besson kurz vor seinem Tod (Schweizerische Nationalbibliothek Bern, Sammlung Photopress).
Der Bischof Marius Besson kurz vor seinem Tod (Schweizerische Nationalbibliothek Bern, Sammlung Photopress).

Als Mitglied der Bundeskommission für Archäologie amtete er als Experte bei den Grabungen in der Kathedrale von Lausanne. Neben der Seelsorge für italienische Arbeiter betrieb er von 1912 an die Gründung der Pfarrei Saint-Rédempteur in Lausanne und den Bau einer Kirche, deren Pfarrer er 1916 wurde. 1919 war er kurze Zeit Direktor des Priesterseminars, bevor er 1920 die Nachfolge von Placide Colliard als Bischof von Lausanne und Genf (seit 1924 von Lausanne, Genf und Freiburg) antrat. 1923 erliess er auf der Basis des neuen Corpus Juris Canonici Synodalstatuten und setzte im folgenden Jahr die definitive Umschreibung der seit der Reformation pendenten Diözesangrenzen fest. Die Kollegiatskirche St. Niklaus wurde Kathedrale, das Stift in das Domkapitel umgewandelt. Als Bischof unterstützte Besson die Katholische Aktion und die Christlichsoziale Bewegung. Zugleich entfaltete er ein aktives Protektorat zu Gunsten der in Freiburg niedergelassenen katholischen Organisationen wie zum Beispiel des Mädchenschutzvereins, des Akademikerverbands Pax Romana, der internationalen katholischen Studienorganisationen und der zahlreichen Missionswerke. Als Präsident der Catholica Unio, des Hilfsvereins für die Christen des östlichen Ritus wurde er 1933 Konsultor der römischen Kongregation für die orientalischen Kirchen. Besson trug aus konservativer Grundhaltung dank seiner persönlichen Ausstrahlung zur Integration der Katholiken in den Bundesstaat und durch seinen Verzicht auf sterile konfessionelle Polemik zum Frieden unter den Konfessionen bei. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs reaktivierte Marius Besson die katholische Mission für die Kriegsgefangenen und setzte sich für einzelne Flüchtlinge und rassisch Verfolgte ein.

Quellen und Literatur

  • Gatz, Bischöfe 1803, 47-49
  • HS I/4, 187-191, (mit Werkverz.)
  • F. Python, «Un évêque défenseur de la patrie», in Passé pluriel, 1991, 77-96
  • F. Yerli, «Entre Rome et Genève», in Equinoxe 17, 1997, 55-70
  • G. Boissard, Quelle neutralité face à l'horreur?, 2000
  • Schweizer Katholizismus 1933-1945, hg. von V. Conzemius, 2001
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Victor Conzemius: "Besson, Marius", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 09.12.2013. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/009728/2013-12-09/, konsultiert am 04.10.2022.