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Johann BaptistJung

5.11.1861 Niederhelfenschwil, 25.5.1922 St. Gallen, kath., von Niederhelfenschwil. Sohn des Johann Baptist, Webers und Kleinbauern, und der Anna Maria geb. Hungerbühler. Er verbrachte seine Jugend in ärml. Verhältnissen in Bichwil als Fädlerbub, mit 15 Jahren wurde er Sticker. Er erhielt Lateinunterricht beim Dorfpfarrer, besuchte das Gymnasium in Schwyz und studierte dann Theologie in Innsbruck. 1887 wurde er in St. Gallen zum Priester geweiht. 1887-92 wirkte J. als Domvikar in St. Gallen, 1904-22 als Religionslehrer an der Kantonsschule, an der Verkehrsschule und an der Kath. Kantonsrealschule St. Gallen. 1915-19 war er Residentialkanonikus und Domkatechet, 1919 Ehrenkanonikus. Mit Alois Scheiwiler gründete und organisierte J. die christlichsoziale Bewegung der Schweiz. Nach ersten Erfahrungen als Leiter und Propagator der Jünglingsvereine in der Dompfarrei und im Bistum St. Gallen rief J. 1899 mit Zustimmung Bf. Augustin Eggers und in Anlehnung an die soziale Enzyklika "Rerum novarum" (1891) von Papst Leo XIII. in St. Gallen die ersten christlichsozialen Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine ins Leben. Die Bewegung, die sich als sozialreformer., kath. Alternative zur Sozialdemokratie verstand, verbreitete sich in der ganzen Schweiz. 1904 wurde in Zürich ein Arbeitersekretariat eröffnet. Auf J.s und Scheiwilers Initiative hin entstanden christlichsoziale Gewerkschaften und versch. Selbsthilfeorganisationen wie Versicherungskassen für Arbeitslose, Wöchnerinnen, Alte und Hinterbliebene, die Christlichsoziale Krankenkasse, die Schweiz. Genossenschaftsbank in St. Gallen, der Verband der Konsumgenossenschaften Konkordia, die Buchdruckerei Konkordia in Winterthur, christlichsoziale Presseorgane, die Leobuchhandlung in St. Gallen, eine Lichtbilderzentrale sowie ein Zentralarbeitsnachweis. J. gründete ausserdem versch. Raiffeisenkassen. 1903-04 war er Präs. des Zentralverbands christlichsozialer Organisationen, 1904-22 dessen Vizepräsident. Er verfasste einen "Grundriss der christl. Sittenlehre" (1900) und eine "Kurze Liturgik" (1914). J. befürwortete das Frauenstimmrecht.

Quellen und Literatur

  • J. Scherrer, Kanonikus Johann Baptist J. und sein Werk, 1953
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Lebensdaten ∗︎ 5.11.1861 ✝︎ 25.5.1922