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HansKüng

Porträt von Hans Küng, fotografiert für eine Reportage in der Zeitschrift L'Illustré im Oktober 2005 (Fotografie Eddy Mottaz).
Porträt von Hans Küng, fotografiert für eine Reportage in der Zeitschrift L'Illustré im Oktober 2005 (Fotografie Eddy Mottaz).

19.3.1928 Sursee, 6.4.2021 Tübingen, katholisch, ab 1998 von Sursee. Sohn des Johann Küng, Kaufmanns, und der Emma geborene Gut. Nach dem Gymnasium in Luzern studierte Hans Küng 1948-1955 Philosophie und Theologie in Rom (Gregoriana). 1954 erhielt er die Priesterweihe in Rom. 1957 promovierte er in Paris zum Dr. theol. mit einer überkonfessionell beachteten Dissertation über die Rechtfertigungslehre Karl Barths. 1957-1959 war er Vikar an der Hofkirche in Luzern, 1959-1960 wissenschaftlicher Assistent an der Universität Münster, dann ab 1960 Professor für Fundamentaltheologie sowie 1963-1980 für Dogmatik und ökumenische Theologie an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Küng artikulierte 1960 in seinem Buch Konzil und Wiedervereinigung die reformerischen und ökumenischen Erwartungen an das Zweite Vatikanische Konzil (Vatikanische Konzile), an dem er 1962-1965 als offizieller Konzilstheologe teilnahm. Seine kritische Haltung gegenüber der Lehre der päpstlichen Unfehlbarkeit äusserte er in seinem Buch Unfehlbar? Eine Anfrage (1970). Deswegen wurde ihm 1979 die kirchliche Lehrbefugnis entzogen. 1980-1996 lehrte er als Professor für ökumenische Theologie in Tübingen auf einem ausserhalb der katholisch-theologischen Fakultät für ihn geschaffenen Lehrstuhl.

Hans Küng engagierte sich ab den 1980er Jahren in zahlreichen Büchern für den auf dem Zweiten Vatikanum initiierten Dialog der katholischen Kirche mit den anderen Weltreligionen (Religionen). 1990 publizierte er sein Projekt Weltethos (1995 erster Präsident der gleichnamigen Stiftung), dessen Kernthese ist: kein Weltfrieden ohne Religionsfrieden. Gemäss Küng können die Religionen nur dann einen Beitrag zum Weltfrieden leisten, wenn es ihnen gelingt, einen Grundkonsens an Werten, Normen und Grundhaltungen zu finden. Der umstrittene Theologe kämpfte während Jahrzehnten für Reformen innerhalb der katholischen Kirche. Sein umfangreiches, in viele Sprachen übersetztes Œuvre fand weltweit Beachtung. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrendoktorate.

Quellen und Literatur

  • Küng, Hans: Erkämpfte Freiheit. Erinnerungen, 2002 (Autobiografie).
  • Küng, Hans: Umstrittene Wahrheit. Erinnerungen, 2007 (Autobiografie).
  • Baumann, Urs: «Hans Küng – Theologie auf dem Weg zu einem neuen Paradigma», in: Leimgruber, Stephan; Schoch, Max (Hg.): Gegen die Gottvergessenheit. Schweizer Theologen im 19. und 20. Jahrhundert, 1990, S. 469-498.
  • Nowell, Robert: Hans Küng. Leidenschaft für die Wahrheit. Leben und Werk, 1993 (englisch 1983).
  • Häring, Hermann: Hans Küng. Grenzen durchbrechen, 1998.
  • Derwahl, Freddy: Der mit dem Fahrrad und der mit dem Alfa kam. Benedikt XVI. und Hans Küng – ein Doppelporträt, 2006.
Weblinks
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Kurzinformationen
Lebensdaten ∗︎ 19.3.1928 ✝︎ 6.4.2021

Zitiervorschlag

Franz Xaver Bischof: "Küng, Hans", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 07.04.2021. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/009903/2021-04-07/, konsultiert am 03.07.2022.