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Schweizerkreuz

Das Schweizer Wappen zeigt auf rotem Grund ein weisses Kreuz. Zur Herkunft dieses Kreuzes, eines ursprünglich christlichen Symbols, liegen drei Deutungen vor: Der ersten zufolge stammt es von der Thebäischen Legion, deren Kult namentlich im burgundischen Königreich stark verbreitet war, gemäss der zweiten von der ab dem 12. Jahrhundert nachgewiesenen Reichssturmfahne, nach der dritten von den arma Christi, den Leidenswerkzeugen Jesu, die insbesondere in der Innerschweiz verehrt wurden und von den Urschweizer Orten angeblich ab 1289 auf das rote Blutbanner geheftet werden durften.

Das durchgehende weisse Kreuz wurde in Form von zwei übers Kreuz aufgenähten Bändern erstmals von den Bernern in der Schlacht bei Laupen (1339) als Erkennungszeichen auf den Kleidern getragen. Es unterschied sich vom roten St. Georgskreuz der Österreicher und dem burgundischen Andreaskreuz, welches Maximilian I. und die Landsknechte übernahmen. Das weisse Kreuz wurde ab dem 14. Jahrhundert im Berner und im 15. Jahrhundert auch auf den übrigen eidgenössischen Feldzeichen geführt, den sogenannten Fähnlein, während die grossen Fahnen – allenfalls mit aufgeheftetem weissem Kreuz – weiterhin die Wappen der Orte zeigten. Diese sind auch auf den Bannern zu sehen, die Papst Julius II. 1512 den Eidgenossen schenkte. Die Banner sind teilweise mit einem Kruzifix im Eckquartier versehen. Die gemeineidgenössische Fahne wurde nur für gemischtörtige Truppen oder Söldner üblich.

Aquarellierte Federzeichnung der ersten eidgenössischen Fahne von Carl Stauffer, 1841 (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich).
Aquarellierte Federzeichnung der ersten eidgenössischen Fahne von Carl Stauffer, 1841 (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich). […]

Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das weisse Schweizerkreuz als eidgenössisches Kreuz bezeichnet und zuweilen zivil verwendet, beispielsweise auf Patenpfennigen der eidgenössischen Orte für den französischen König. Die Unterscheidung des Schweizerkreuzes von den durchgehenden Kreuzen anderer Städte und Staaten, etwa Savoyen, ist schwierig. Ab dem 17. Jahrhundert erschien das durchgehende Schweizerkreuz auf den in den Kantonsfarben geflammten Truppenfahnen. Da jeder Kanton souverän war, besass die alte Eidgenossenschaft also kein gemeinsames Wappen. Nachdem General Niklaus Franz von Bachmann 1800 und 1815 bei seinen Truppen das weisse Kreuz auf rotem Grund als Feldzeichen eingeführt hatte, wurde es 1815 schwebend, gleichschenklig und umgeben von den Kantonswappen von der eidgenössischen Tagsatzung zum Symbol des eidgenössischen Siegels bestimmt, das beim Bundesvertrag 1815 zum ersten Mal verwendet wurde.

Auf Betreiben Guillaume Henri Dufours wurde erstmals 1840 eine gesamtschweizerische Truppenfahne mit dem frei schwebenden, weissen Schweizerkreuz im roten Feld geschaffen. 1889 präzisierte der Bundesrat, dass die vier gleich langen Arme des aufrechten, frei schwebenden Kreuzes um ein Sechstel länger als breit sein müssten. Das Grössenverhältnis zwischen Schweizerkreuz und Schild bzw. Fahne ist seit 2013 im Bundesgesetz über den Schutz des Schweizerwappens und anderer öffentlicher Zeichen festgelegt.

Quellen und Literatur

  • Liebenau, Theodor von: «Das Schweizerkreuz», in: Schweizer Archiv für Heraldik, 14, 1900, S. 121-128.
  • Borgeaud, Charles: «Die Schweizerfahne», in: Schweizer Kriegsgeschichte, 1917/10, S. 85-105.
  • Bächtiger, Franz: «Andreaskreuz und Schweizerkreuz», in: Jahrbuch des Bernischen Historischen Museums, 51/52, 1971/1972, S. 205-270.
  • Mühlemann, Louis: Wappen und Fahnen der Schweiz, 1977 (19913).
  • Marchal, Guy P.: «De la "Passion du Christ" à la "Croix suisse". Quelques réflexions sur une enseigne suisse», in: Itinera, 9, 1989, S. 108-131.
  • Sieber-Lehmann, Claudius: Spätmittelalterlicher Nationalismus. Die Burgunderkriege am Oberrhein und in der Eidgenossenschaft, 1995, S. 131-136.
Weblinks

Zitiervorschlag

F. Kopp, Peter: "Schweizerkreuz", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18.11.2020. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010104/2020-11-18/, konsultiert am 06.03.2021.