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Schwarzenburgerland

Die Region im Verwaltungskreis Bern-Mittelland des Kantons Bern umfasst die hügelige Voralpenzone zwischen Sense (Kantonsgrenze zu Freiburg) und Schwarzwasser von deren Zusammenfluss im Norden bis zur Stockhornkette sowie das Dorf Albligen westlich der Sense. Im Mittelalter hiess der nördliche Teil Interaquas bzw. 1306 Undernwassern, ab 1423 Vogtei oder Landschaft Grasburg, ab ca. 1575 Schwarzenburg, im 19. Jahrhundert Schwarzenburgeramt. Mit dem Ausflugstourismus der 1920er und 1930er Jahre kam die Bezeichnung Schwarzenburgerland auf, mit der Regionalplanung des 1975 mit sieben Gemeinden des Gürbetals gebildeten Regionalverbands die Bezeichnung Region Schwarzwasser.

Umschlagblatt einer Panoramakarte mit Reisehinweisen und Wandervorschlägen, erschienen bei der Polygraphischen Gesellschaft Laupen-Bern, um 1955 (Bernisches Historisches Museum).
Umschlagblatt einer Panoramakarte mit Reisehinweisen und Wandervorschlägen, erschienen bei der Polygraphischen Gesellschaft Laupen-Bern, um 1955 (Bernisches Historisches Museum). […]

Der Höhenzug Egg teilt das Gebiet in eine erst spät besiedelte Alp- und Forstwirtschaftszone im Süden und eine früh begangene, schon seit römischer und frühmittelalterlicher Zeit besiedelte Ackerbauzone im Norden. Im Hochmittelalter war das im 8.-9. Jahrhundert christianisierte Schwarzenburgerland Grenzland, wovon Wehrbauten an der Sense und die Grasburg zeugen. Im 13. Jahrhundert war es Reichsland; 1310-1423 setzte sich Savoyen als Rivale Österreichs im Schwarzenburgerland fest. 1423 suchten Freiburg und Bern den alten West-Ost-Konflikt um den Sense-Saane-Raum durch die Schaffung einer gemeinsamen Vogtei beizulegen. Typisch für die Voralpenzone des Schwarzenburgerlands sind Streusiedlungen auf 600-1200 m, nur Schwarzenburg und Albligen sind mittelalterliche Dörfer. Ähnlich wie im Alpenland waren im Schwarzenburgerland die Landleute unter dem Vorsitz von Ammännern genossenschaftlich organisiert und handelten selbstständig, so etwa im Bündnis von Guggisberg mit Bern 1330. Genossenschaftliche Strukturen lebten in den beiden Gerichtsbezirken weiter.

Anders als die Alpenregion behielt das Schwarzenburgerland den Kornbau zur Selbstversorgung bei, betrieb aber ab dem 15. Jahrhundert auch Vieh- und Milchwirtschaft. In dieser Zeit wurde im südlichen Teil gerodet und private Weiden, sogenannte Vorsassen, angelegt. 1544 schied man am Scheidwald die Vorsassenzone von der verbliebenen Landesallmend, an der das ganze Schwarzenburgerland Anteil hatte. Nicht belegt ist die Rodung der höher gelegenen Alpen. Schwarzenburg wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts überregionaler Markt für Vieh und Käse, Riffenmatt lokaler Schafmarkt. Ab dem 16. Jahrhundert wies die Vogteiverwaltung armen Leuten Siedlungsgrund auf der Landesallmend zu und begründete damit die Armendörfchen von Guggisberg-Rüschegg. Im 19. Jahrhundert sank das Schwarzenburgerland zur ärmsten Region des Kantons Bern ab. Gründe dafür waren die starke Bevölkerungszunahme, Missernten und die verfehlte Armengesetzgebung. Mit Aufhebung der alten Freizügigkeit im Schwarzenburgerland 1819 konzentrierte sich die Armennot vor allem auf Guggisberg. Die Einführung von Heimindustrie zur Wirtschaftsförderung misslang; vielen blieb nur die Abwanderung. Bern begann, den durch Schluchten abgetrennten Landesteil verkehrsmässig zu erschliessen. 1824 entstand die Fahrstrasse Bern-Schwarzenburg, 1882 eine Eisenbrücke über das Schwarzwasser, ab 1907 fuhren die Bern-Schwarzenburg-Bahn sowie ab 1922 Postautokurse nach Albligen und Rüschegg (bis 1928), 1979 folgte der Bau einer Betonhochbrücke über das Schwarzwasser. Die gewerblich-industrielle Entwicklung Schwarzenburgs ist auf die Verkehrserschliessung zurückzuführen. In Guggisberg und Rüschegg blieb die Landwirtschaft wichtigster Wirtschaftszweig. Bahn und Autokurse wurden zu Beginn des 21. Jahrhunderts heute von vielen Pendlern benützt. Der Ausbau der Strassen im Innern des Schwarzenburgerlands, vor allem der Bergregion, begünstigte im 20. Jahrhundert das Aufkommen des Tourismus; die Militärübungsplätze an der Sense, am Schwarzwasser und am Gantrisch trugen zur Bewahrung der Naturräume und Erschliessung der Naherholungsgebiete bzw. von Ski-, Wander- und Klettergeländen für die Grossregion Freiburg-Bern-Thun bei. Nach 1831 entstanden die Einwohnergemeinden Albligen, Wahlern (mit dem Dorf Schwarzenburg) und Guggisberg in den Grenzen ihrer Kirchgemeinden. 1860 trennte sich Rüschegg von der Einwohner- und von der Kirchgemeinde Guggisberg. 2011 schlossen sich die Gemeinden Wahlern und Albligen zur Gemeinde Schwarzenburg zusammen.

Quellen und Literatur

  • E.W. Stalder, Das Schwarzenburgerland, 1968
  • Planungsverband Region Schwarzwasser, Entwicklungskonzept 2005, 1991
  • W. Gilgen, Geliebtes Schwarzenburgerland, 1991
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Schwarzenburgerland", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 11.11.2016. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010297/2016-11-11/, konsultiert am 05.07.2022.