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Schweizerisches NationalmuseumSNM

Schweizerisches LandesmuseumSLM

«Das kantonale Käsdrücken um das schweizerische Nationalmuseum». Karikatur von Heinrich Jenny aus dem Nebelspalter vom 30. Juni 1888 (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich).
«Das kantonale Käsdrücken um das schweizerische Nationalmuseum». Karikatur von Heinrich Jenny aus dem Nebelspalter vom 30. Juni 1888 (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich). […]

Erstmals tauchte die Idee eines Nationalmuseums, das gefährdete Kulturgüter sammeln und bewahren sollte, zur Zeit der Helvetischen Republik auf. Es blieb allerdings bei einer Ideenskizze. Mit dem Ausbau kantonaler und lokaler Museen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sah sich der junge Bundesstaat vor die Notwendigkeit gestellt, seine Kulturpolitik zu klären. Der drohende Verlust wertvoller «vaterländischer Alterthümer» durch den Verkauf ins Ausland, die ungeahnte Fülle von Sachgütern, welche die stark geförderte Archäologie ans Licht brachte, und die steigende Hochschätzung der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Sachkultur zwangen den Bund zum Handeln. Ein erster Vorstoss im Parlament zur Gründung eines Landesmuseums scheiterte 1880, doch in den folgenden Jahren, vor allem aber nach dem Erfolg der Sektion Alte Kunst an der Landesausstellung von 1883 in Zürich, änderte sich die Stimmung. 1890 wurde die Errichtung eines Schweizerischen Landesmuseums beschlossen und 1891 Zürich zu seinem Sitz bestimmt. Das vom Architekten Gustav Gull errichtete «Museumsschloss» – ein Hauptwerk des Historismus mit Zitaten heimatlicher Bauweise – wurde 1898 eröffnet; erster Direktor war Heinrich Angst.

Frühe Aussenansichten des zentral gelegenen Landesmuseums in Zürich mit Tram (links) und Hauptbahnhof (rechts). Fotografien, um 1900 (Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich, BAZ_055806 und BAZ_098190).
Frühe Aussenansichten des zentral gelegenen Landesmuseums in Zürich mit Tram (links) und Hauptbahnhof (rechts). Fotografien, um 1900 (Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich, BAZ_055806 und BAZ_098190).

Die Sammlung des Landesmuseums fusste auf den kantonalen und städtischen Sammlungen Zürichs, die man planmässig ausbaute. Schwerpunkte des Konzepts bildeten die Archäologie, die Zeugnisse der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Lebenswelten (Volkskunde) sowie das Kunstgewerbe (Kunsthandwerk). 1912 wurde dem Landesmuseum die Verwaltung des der Eidgenossenschaft geschenkten Schlosses Wildegg anvertraut. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen mangels Platz weitere Ausstellungsorte hinzu. Die dort präsentierten Objekte sind seit der Errichtung des Erweiterungsbaus (2016) und dem Abschluss der Sanierungsarbeiten (2019-2020) wieder mehrheitlich im Landesmuseum in Zürich untergebracht. Das 1995 eröffnete Forum der Schweizer Geschichte in Schwyz zeigt die Landesgeschichte vom Hochmittelalter bis in die frühe Neuzeit, während im Schloss Prangins, das die Kantone Waadt und Genf der Eidgenossenschaft 1975 geschenkt hatten, seit 1998 als Zweigstelle in der Westschweiz schwergewichtig das 18. und 19. Jahrhundert ausgestellt werden. Das 2010 in Kraft getretene Bundesgesetz über die Museen und Sammlungen des Bundes fasste die drei Museen – Landesmuseum Zürich, Château de Prangins und Forum Schweizer Geschichte Schwyz – sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis unter dem neuen Namen Schweizerisches Nationalmuseum (SNM) zusammen. Das SNM ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit, die sich selbst organisiert und eine eigene Rechnung führt.

Quellen und Literatur

  • Furger, Andres: Schweizerisches Landesmuseum, Zürich & Prangins, 1998 (Museen der Schweiz, 11).
  • Draeyer, Hanspeter: Das Schweizerische Landesmuseum Zürich. Bau- und Entwicklungsgeschichte 1889-1998, 1999 (Bildband, 6).
  • Sturzenegger, Tommy: Der grosse Streit. Wie das Landesmuseum nach Zürich kam, 1999 (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 66).
  • Capitani, François de: «Das Schweizerische Landesmuseum – Gründungsidee und wechselvolle Geschichte», in: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 57/1, 2000, S. 1-16.
  • Indermühle, Joya; Sonderegger, Christina: Das Landesmuseum in Zürich. Altbau – Sanierung – Erweiterung, 2016 (Schweizerische Kunstführer, 981).
Weblinks

Zitiervorschlag

François de Capitani: "Schweizerisches Nationalmuseum (SNM)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 17.03.2022. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010350/2022-03-17/, konsultiert am 29.11.2022.