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Landwirtschaftliche Schulen

Das Bedürfnis nach einer theoret. Ausbildung der Bauern erwachte Ende des 18. Jh. im Gefolge der Physiokratie und der sich anbahnenden Verwissenschaftlichung der Landwirtschaft (Agrarwissenschaften). In der Schweiz entstanden die ersten L. im 19. Jh. nach dem Vorbild des Instituts von Hofwil. Einige waren Vollzeitschulen, wie der Strickhof (Gem. Zürich, 1853) sowie die Schulen in Rütti (Gem. Zollikofen, 1860), Cernier (1885) und Grangeneuve (Gem. Posieux, 1922). Die meisten boten jedoch nur Winterkurse von November bis März an. Manche waren auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert, wie z.B. Milch- oder Alpwirtschaft, Garten- oder Weinbau. An allen Schulen richtete sich der Unterricht nach den Bedürfnissen der für die schweiz. Bauernschaft typ. kleineren und mittleren Familienbetriebe. Der Lehrplan umfasste Allgemeinbildung (Muttersprache, Rechnen, Geschichte), Naturwissenschaften (Botanik, Zoologie, Chemie) sowie techn. und berufskundl. Fächer (Tierzucht, Obst-, Garten- und Weinbau, Agrargesetzgebung, Agrarökonomie, Buchhaltung). Die Ausbildung dauerte mindestens zwei Semester. Diese kant. Schulen (häufig mit Internat) wurden von Jugendlichen besucht, welche die obligator. Schulzeit abgeschlossen und im Familienbetrieb bereits prakt. Kenntnisse erworben hatten. 1890 gab es in der Schweiz 6 L. (218 Schüler), 1913 20 (1'329 Schüler) und 1960 40 (3'229 Schüler).

In mehreren Kantonen entstanden nach 1870 Ergänzungsschulen für Jugendliche, die nach der obligator. Schulzeit nicht weiter zur Schule gingen und keine Lehre begannen. Diese Schulen wurden von den Gem. geführt, doch erklärten einige Kantone deren Besuch für obligatorisch (wöchentlich ein paar Stunden während eines oder mehrerer Jahre). Auf dem Land wurden dort meist eine landwirtschaftl. Ausbildung für Knaben sowie Haushalts- und Landwirtschaftsunterricht für Mädchen angeboten. Für einen Grossteil der jungen Bauern bildeten diese Kurse die einzige Berufsausbildung. In den Kt. Bern, Luzern, Freiburg, Aargau und Thurgau waren solche Schulen stark verbreitet, ausserhalb der Deutschschweiz jedoch kaum vorhanden. Bis Anfang der 1960er Jahre war dieser Schultyp noch häufig anzutreffen, doch infolge der Schulreformen der letzten Jahrzehnte ist er fast völlig verschwunden oder in den Berufsschulen aufgegangen.

Die ersten eidg. Bestimmungen über die Ausbildung der Bauern wurden Ende des 19. Jh. erlassen. Das Landwirtschaftsgesetz von 1893 sah die Zahlung von Subventionen für Kantone vor, die entsprechende Schulen gründeten. Ab 1955 wurde die landwirtschaftl. Berufsbildung durch eidg. Verordnungen geregelt, welche die Rahmenbedingungen, die Ausbildungsdauer und die Anforderungen für die Verleihung der Diplome festlegten. Mit seiner Inkraftsetzung 2004 wurde die landwirtschaftl. Berufsbildung ausserhalb des Hochschulbereichs über das eidg. Berufsbildungsgesetz geregelt. Wie in den anderen Bereichen der Berufsbildung hatte sich auch in der Landwirtschaft das duale System durchgesetzt, das eine Betriebslehre und den Besuch einer Berufsschule oder einer Landwirtschaftl. Schule miteinander verbindet. 2005 absolvierten 2'902 Lehrlinge beiden Geschlechts, d.h. 1,4% der Jugendlichen in Ausbildung, eine landwirtschaftl. Berufsausbildung. Den L. ist fast immer ein landwirtschaftl. Betrieb angeschlossen. Ihr Angebot umfasst, meist unter einem Dach, Berufsschulunterricht für Lehrlinge und techn.-landwirtschaftl. Lehrgänge zur Vorbereitung auf das Studium an einer Ingenieur- bzw. Fachhochschule. Die Vollzeitausbildung wird kaum mehr angeboten. Für die landwirtschaftl. Forschung und Innovation hat der Bund eine höhere landwirtschaftl. Ausbildung eingeführt und Landwirtschaftliche Forschungsanstalten geschaffen.

Quellen und Literatur

  • HWSVw 2, 867-876
  • M. Hofer, A. Jeanrenaud, Die L. in der Schweiz, 1914
  • Lex. der Pädagogik, hg. von H. Kleinert et al., 3 Bde., 1950-52
  • Archiv für das schweiz. Unterrichtswesen 51, 1965-66
  • Bundesbl., 1996, 4, 260-265