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Musikschulen

M. gelten als Kompetenzzentren für das Laienmusizieren, die es ermöglichen, in den verschiedensten Formen gemeinsam Musik zu machen. Sie bieten einen vielfältigen Fächerkatalog an, verfügen über eine qualifizierte Leitung und Lehrerschaft und arbeiten nicht gewinnorientiert. Eine optimale musikal. Bildung beginnt im Sinn der M. möglichst früh (Vorschulalter) mit der Grundausbildung und wird dann vom Instrumentalunterricht abgelöst, der durch weitere Fächer (z.B. Chorgesang) ergänzt werden kann und auch die musikal. Erwachsenenbildung beinhaltet. M. stehen somit einem breiten Spektrum von Besuchern offen.

Ab dem MA wurde insbesondere in Klöstern, Dom-, Kathedral- und Lateinschulen ein allgemeiner, auf Gesang ausgerichteter Musikunterricht durchgeführt. Die Ausbildung auf Instrumenten ging von den Spielleuten aus und lag dann z.T. bis ins 19. Jh. in den Händen von Trompeter-, Stadtpfeifer- und Geigerkompanien sowie von Militärmusikverbänden und Musikkollegien. Gesangs- und Instrumentalunterricht wurde auch vom Kantor oder im Privatunterricht erteilt.

Im 19. Jh. wuchs das Bedürfnis der Bevölkerung in den grösseren Schweizer Städten, sich musikalisch weiterzubilden. Die erste Musikschule entstand 1835 in Genf, 1858 folgten solche in Bern, 1861 Lausanne, 1866 Schaffhausen, 1867 Basel und 1876 Zürich. Lange Zeit verfügten ausschliesslich Städte über M., denen in vielen Fällen Konservatorien für die musikal. Berufsausbildung angegliedert wurden. Die Bedeutung der Musik für die Erziehung wurde zu Beginn des 20. Jh. u.a. vom Tanz- und Musikpädagogen Emile Jaques-Dalcroze postuliert. Wie in den meisten Ländern Europas entwickelte sich auch in vielen Kantonen der Schweiz nach dem 2. Weltkrieg eine eigentl. Musikschulbewegung mit entsprechenden Strukturen. 1973 wurde der Verband Musikschulen Schweiz (VMS) als nationale und die Europ. Musikschul-Union als europ. Dachorganisation gegründet. 2009 vertrat der VMS ca. 380 M. mit 242'000 Schülerinnen und Schülern sowie 12'500 Lehrkräften. In zahlreichen Kantonen sind Organisation und Subventionierung der M. gesetzlich geregelt. Die Trägerschaft liegt bei Vereinen oder Stiftungen, je nach Kanton auch bei den Gemeinden. Vergleiche zwischen einzelnen Kantonen bezüglich der Struktur der M. sind schwierig, da Überschneidungen mit instrumentalen schul. Angeboten (z.B. an Kantonsschulen) oder Musikvereinen den Auftrag der jeweiligen M. beeinflussen.

Die vertiefte Förderung des Singens kommt an vielen M. im Vergleich zum instrumentalen Unterricht zu kurz. Eine Korrektur ist jedoch ebenso spürbar wie eine Öffnung für versch. Musikstile, so dass auch der Volksmusik und Formen der Unterhaltungs- und Popmusik Platz geboten werden. Diese Entwicklung verlangt von den Lehrern eine kontinuierl. Weiterbildung, die durch Kongresse des VMS und Veranstaltungen auf kommunaler und regionaler Ebene gefördert wird. Hinzu kommen Angebote von Fachverbänden wie der European String Teachers Association. Seit der Schaffung der ersten Hochschulen für Musik in der Schweiz (1999) wird von den M. auch eine strukturierte Begabtenförderung zur Vorbereitung auf ein Musikstudium gefordert.

Quellen und Literatur

  • W. Merian, Gedenkschr. zum 50jährigen Bestehen der Allg. Musikschule in Basel, 1917
  • A.E. Cherbuliez, Gesch. der Musikpädagogik in der Schweiz, 1944
  • W. Juker, Musikschule und Konservatorium für Musik in Bern, 1958
  • H. Oesch, Die Musik-Akad. der Stadt Basel, 1967
  • Konservatorium und Musikhochschule Zürich, 1876-1976, 1976
  • J. Burdet, La musique dans le canton de Vaud, 1904-1939, 1983, 145-155
  • Luege, lose, spile; zehn Jahre Verband Bern. M., 1994
  • Musikschule in Europa, hg. von J. Frommelt et al., 1995