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Volkshochschule

Die Idee der V. stammt aus Dänemark, wo bereits in der Mitte des 19. Jh. die ersten Heimvolkshochschulen gegründet wurden, in welchen sich die bäuerl. Bevölkerung in mehrmonatigen Kursen weiterbilden konnte.

In der Schweiz gründete Fritz Wartenweiler Volksbildungsheime (1919 Nussbaum in Frauenfeld, 1935 Herzberg in Densbüren), doch diese setzten sich hier, nicht zuletzt wegen des fehlenden Bildungsurlaubs, nie richtig durch. Demgegenüber erlangten die Abendvolkshochschulen eine gewisse Bedeutung. Die ersten V.n wurden 1919 von bürgerl. Kreisen im Anschluss an den Generalstreik in Basel, Zürich, Bern und Luzern gegründet. In der Westschweiz, im Tessin und im romanischsprachigen Teil Graubündens entstanden sie erst nach dem 2. Weltkrieg. Eine Ausnahme bildet die in der Arbeiterbewegung verankerte, 1900 gegr. Université ouvrière de Genève.

Insbesondere die V.n von Basel und Zürich wurden als Reaktion auf die als staatsgefährdend wahrgenommene Arbeiterbewegung ins Leben gerufen. Diese V.n verstanden sich als bürgerl. Integrationsinstrumente für die Arbeiterklasse und waren einer national überhöhten Gemeinschaftsidee verpflichtet. Dementsprechend bestand das erklärte Ziel in der Stärkung der demokrat. Urteils- und Entscheidungsfähigkeit der Teilnehmenden und der Vermittlungstätigkeit zwischen Wissenschaft, Univ. und den unteren Volksschichten; die politisch und religiös neutralen V.n sollten allen Bevölkerungsgruppen zugänglich sein. Es gelang jedoch nur teilweise, das anvisierte Publikum zu erreichen. Im Kursjahr 1923-24 stammten in Basel 16% der Teilnehmenden aus der Arbeiterschaft. Dies mag nicht zuletzt auch daran liegen, dass das Wissen in universitärer Form vermittelt wurde.

Werbung für Kurse. Plakat der Volkshochschule Basel, 1920 (Staatsarchiv Basel-Stadt, Universitätsarchiv AA 18.1).
Werbung für Kurse. Plakat der Volkshochschule Basel, 1920 (Staatsarchiv Basel-Stadt, Universitätsarchiv AA 18.1). […]

Im Wintersemester 1919-20 besuchten in Basel 5'336 Personen 21 Kurse. Magistralvorlesungen mit über 500 Hörenden waren keine Seltenheit. Die Inhalte wurden von Universitätsprofessoren hauptsächlich aus den Naturwissenschaften, der Medizin, bildenden Kunst, Musik, Literatur, Psychologie und Philosophie vermittelt. Der Vergleich der Fächerbelegungen in der Schweiz zwischen 1920 und den 1990er Jahren zeigt v.a. auf, dass eine deutl. Verlagerung von den Naturwissenschaften zu den Sprachkursen stattgefunden hat. 1995-96 machten die Sprachkurse bereits gut die Hälfte der Kursstunden aus. Noch in den 1950er Jahren wurde bezweifelt, ob die einem utilitären Bildungsverständnis verpflichteten Sprachkurse überhaupt an eine V. gehörten. Erst in den 1960er Jahren integrierte man neue Themen der Persönlichkeitsbildung, der berufl. Weiterbildung und des Freizeitbereichs in die Programme der V.n.

In der Zwischenkriegszeit nahm die Zahl der V.n stetig zu. 1943 wurde der Verband der Schweiz. V.n (VSV) gegründet. Er bezweckt die Ausbreitung des Volkshochschulgedankens, den Austausch von Erfahrungen, die Unterstützung beim Ausbau bestehender und der Gründung neuer V.n und die Interessenvertretung gegenüber den Bundesbehörden. Der VSV ist Mitglied der Schweiz. Vereinigung für Erwachsenenbildung.

Die kant. und regionalen V.n sind meist privatrechtl. Vereine oder Stiftungen und erhalten in vielen Fällen kant. und kommunale Subventionen. Es gibt sie in fast allen Kt. der Schweiz, im Tessin unter dem Namen Corsi per adulti. Die V.n leben vom ehrenamtl. Engagement. Im Schuljahr 2009-10 wurden insgesamt 10'563 Kurse angeboten, die von 154'753 Hörern besucht wurden. Obwohl in den 1980er und 90er Jahren grosse Anstrengungen unternommen wurden, sowohl die Programminhalte als auch die erwachsenenbildner. Methoden der Zeit anzupassen, fällt es den V.n noch immer schwer, vom Image der elitären Bildung für ein Mittelschichtpublikum im Alter zwischen 40 und 60 Jahren wegzukommen.

Quellen und Literatur

  • H. Mattmüller, V. in Basel und Zürich, 1976
  • H. Mattmüller, A. Lindgren, V. Bern 1919-1979, 1979
  • P. Dominicé, M. Finger, L'éducation des adultes en Suisse, 1990
  • B. Montanari Häusler, Bildung als Auftrag: die Volkshochschule beider Basel im Wandel ihres Publikums und Programms (1969-2009), 2011