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Illustrierte

Illustrierte sind Publikumszeitschriften mit hohem Bildanteil, die sich an eine breite, überregionale Leserschaft wenden und Unterhaltungs- sowie Informationsbedürfnisse abdecken. In der Regel erscheinen sie wöchentlich und bestehen vor allem aus Fotoreportagen, bebilderten Textbeiträgen, Unterhaltungsromanen, Wettbewerben, Rätseln und anderen Leserservice-Elementen.

Als Vorläufer der Illustrierten gelten sogenannte Wochenblätter, die in den 1830er Jahren aufkamen. Ab 1832 erschien in London wöchentlich das «Penny Magazine» und ab 1833 sein deutsches Imitat, das «Pfennig-Magazin»; beide enthielten Kurzgeschichten, Reiseberichte und Artikel über technische Erfindungen. 1853-1944 wurde in Deutschland «Die Gartenlaube» herausgegeben, eine Illustrierte mit patriotischen Geschichten und Romanen, die mit einer Auflage von bis zu 400'000 Exemplaren zum kleinbürgerlichen Leibblatt avancierte und Massstäbe für Illustrierte im deutschen Sprachraum setzte.

Nach dem Vorbild der Pariser «L'Illustration» (1843) kam als erste Illustrierte der Schweiz 1866 «L'Illustration suisse» in Genf auf den Markt. Ein «Illustrierter Familienfreund» wurde 1871 in Luzern, ein «Schweizer Familien-Wochenblatt» 1881 in Zürich lanciert. In Genf kam 1888 «L'illustration nationale suisse» und 1893 La «Patrie Suisse» auf. Am verbreitetsten waren um 1900 die 1894 von Eduard Schäubli gegründete «Illustrirte Wochenblätter», die heutige «Schweizer Familie». In Zürich folgte 1898 «Am häuslichen Herd», im Tessin 1902 die katholische «La Famiglia».

Titelbild der fünften Nummer der Schweizer Illustrierten Zeitung, 3. Februar 1912 (Schweizerische Nationalbibliothek).
Titelbild der fünften Nummer der Schweizer Illustrierten Zeitung, 3. Februar 1912 (Schweizerische Nationalbibliothek). […]

Ab 1900 entwickelten sich die Illustrierten zunehmend zu Massenmedien. Grosse Auflagen erfuhren etwa das ab 1904 im Regina-Verlag erscheinende «Schweizer Heim», ein «Unterhaltungs- und Erbauungsblatt für das christliche Volk», sowie die 1908 bzw. 1912 vom Zürcher Verlag Conzett & Huber lancierten Zeitschriften «In freien Stunden» und «Images du Monde». Paul August Ringier startete in Zofingen die bald auflagenstarken Illustrierten «Schweizer Illustrierte» (1911), L' «Illustré» (1921), «Ringiers Unterhaltungs-Blätter» (1922), «Sie und Er» (1929) und das «Blatt für Alle» (1930). Conzett & Huber wiederum konterte mit der «Zürcher Illustrierten» (1925) und den «Wochen-Blättern» (1927). Der Bucher-Verlag in Luzern gab ab 1932 «Heim und Leben» heraus.

In den 1920er Jahren tauchten da und dort konfessionelle Illustrierte auf, in Olten etwa die katholischen Zeitschriften «Der Sonntag» (1920) und «Die Woche» (1922, beide im Otto-Walter-Verlag) und in Laupen 1926 die evangelische Publikation «Leben und Glauben». Die Westschweizer Presselandschaft wurde 1925 durch «Je Vois Tout» aus den Imprimeries Populaires in Lausanne und 1930 durch «L'Echo illustré» (heute «Echo Magazine») bereichert, die Tessiner 1931 durch die «Illustrazione ticinese».

Im Zweiten Weltkrieg gab es 40 Schweizer Illustrierte mit einer Gesamtauflage von 2,5 Mio. Exemplaren. Hinzu kamen ausländische Zeitschriften, etwa das nazionalsozialistische Propagandamagazin «Signal» mit einem hiesigen Absatz von rund 70'000 Exemplaren. Nach Kriegsende expandierten die Illustrierten weiter. Mitte der 1960er Jahre existierten auf dem Schweizer Markt rund 90 Schweizer Unterhaltungsblätter mit einer Gesamtauflage von 4,6 Mio. Exemplaren und ebenso viele deutsche, italienische und französische Illustrierte. Ab den 1970er Jahren begannen jedoch das Fernsehen, Nachrichtenmagazine und sinkende Inserateeinnahmen die Illustrierten zu bedrängen, die schliesslich mehrheitlich eingingen. «Ringiers Unterhaltungs-Blätter» (ab 1979 «Das Gelbe Heft», dann «Schweizer Woche») etwa, die in den 1960er Jahren eine Auflage von 330'000 erreicht hatten, wurden 1996 bei einer Auflage von weniger als 80'000 eingestellt. Die bis Anfang des 21. Jahrhunderts überlebenden grossen Illustrierten der Verlage Ringier und Tamedia, die «Schweizer Illustrierte» (2010 213'243), «Schweizer Familie» (2010 186'098) und «L'Illustré» (2010 90'369), passten sich neuen Lese- und Fernsehgewohnheiten an.

Quellen und Literatur

  • Blaser, Bibl.
  • R. Steiner, Illustrierte und Politik, 1971
  • S. Bose, "Schweizer Illustrierte", 1991
  • P. Rössler, Moderne Illustrierte – lllustrierte Moderne, 1998
Weblinks

Zitiervorschlag

Ernst Bollinger: "Illustrierte", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 14.09.2011. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010471/2011-09-14/, konsultiert am 28.09.2022.