
10.8.1674 Biglen, 28.5.1750 Oberdiessbach, ref., von Bern. Sohn des Johann Jakob, Pfarrers, und der Maria Salome Fasnacht, Tochter des David Friedrich, Pfarrers, Nachfahrin des Waldenserpredigers Scipio Lentulus (16. Jh.). Theologiestud. in Bern; als Pietist 1698 zurückversetzt, 1700 ordiniert. 1702-03 aussichtsreicher Kandidat bei Lehrstuhlvakanzen der Lausanner Akademie. 1703 Pfarrer in Yverdon, 1726 in Amsoldingen, 1738 in Oberdiessbach. Gastprediger in Genf, der Ostschweiz, Basel, Frankfurt a.M. und Büdingen. Berufungen auf versch. Pfarrstellen im dt. Reich (Köthen, Zweibrücken, Büdingen und Zerbst) lehnte L. zwar ab, doch hatte er einen regen Zustrom von Pietisten verschiedenster Prägung aus dem In- und Ausland (u.a. von Hieronymus Annoni, Johann Friedrich Rock, Nikolaus Ludwig von Zinzendorf). Als Theologe stellte L. drei Themen in den Vordergrund: die Rechtfertigung und Heiligung allein durch den Glauben an Christus (1717 Edition von Luthers Kommentar zum Galaterbrief); die Hoffnung auf eine zweite Reformation; die Erwartung der Wiederkunft Christi und seines Reiches und, wie bei Philipp Jakob Spener, "besserer Zeiten" für die Kirche. L. hat als viel gelesener Autor und begehrter Prediger, als Korrespondent und Gastgeber sowie als Pfarrer, der in der Gemeindearbeit neue Wege beschritt (freie Versammlungen neben dem öffentl. Gottesdienst), einen grossen Beitrag zur kirchl. Integration des Pietismus in der ref. Schweiz geleistet. Die Heimberger Brüder sind eine indirekte Frucht seiner Wirksamkeit.