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EduardHerzog

1.8.1841 Schongau, 26.3.1924 Bern, katholisch, dann christkatholisch, von Beromünster und Schongau. Sohn des Josef Leonz, Landwirts, und der Elisabeth geborene Leu. Neffe des Josef Burkard Leu. Ledig. 1863-1868 Studium der Theologie in Luzern, Tübingen, Freiburg und (nach der Priesterweihe 1867) Bonn. 1868-1872 Professor der Exegese an der theologischen Lehranstalt in Luzern. Eduard Herzogs Opposition zu den Papstdogmen des Ersten Vatikanischen Konzils – er hatte sie bereits als Mitarbeiter der Katholischen Stimmen aus den Waldstätten verlauten lassen – veranlasste ihn 1872, einen Abschiedsbrief an seinen Bischof Eugène Lachat zu schreiben. Er stellte sich der deutschen altkatholischen Bewegung zur Verfügung und war 1872-1873 Pfarrer in Krefeld (Niederrhein). Auf Betreiben Walther Munzingers kehrte er in die Schweiz zurück und hatte 1873-1876 eine Pfarrstelle in Olten inne. 1874-1924 war er Professor für Neues Testament an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Bern (1884-1885 Rektor), 1876-1884 Pfarrer in Bern und 1876-1924 erster christkatholischer Bischof der Schweiz. Insbesondere mit Hilfe des von ihm mitgeprägten jüngeren Klerus gelang es Herzog, aus einer primär politisch motivierten Bewegung eine Kirche zu formieren, die sich der altkatholischen Programmatik (Ausrichtung in Dogma und Verfassung an der Alten Kirche) verpflichtete. Das von ihm geschaffene Gebetbuch (1879, mit Messordnung), der Katechismus (1887) und die jährlichen Hirtenbriefe förderten die innere Einheit. Herzogs zahlreiche, zum Teil auch polemische Beiträge zu Themen der frühchristlichen und neueren Theologiegeschichte standen im Dienst der Profilierung einer katholischen Theologie und biblisch inspirierten Frömmigkeit. Sie führten aufklärungskatholische Traditionen fort, die im ultramontanen Katholizismus des 19. Jahrhunderts untergegangen waren. Als wichtige Figur im internationalen Altkatholizismus, den Herzog zu vernetzen suchte, engagierte er sich für Beziehungen mit anglikanischen, später auch mit orthodoxen Kirchen. 1876 Dr. h.c. der Universität Bern.

Quellen und Literatur

  • Bischöfliches Archiv, Bern
  • Christkatholisches Zentralarchiv, Bern
  • U. von Arx, «Was wird bleiben? Ein Rückblick auf ein Grundanliegen von Eduard Herzog», in Internationale Kirchliche Zeitschrift 82, 1992, 206-232 (mit Bibliografie)
  • Dictionnaire d'histoire et de géographie ecclésiastiques 24, 1993, 257-263
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Zitiervorschlag

von Arx, Urs: "Herzog, Eduard", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 24.01.2020. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010669/2020-01-24/, konsultiert am 28.10.2020.