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SebastianMünster

Erste Seite der Geschichte Basels in der Cosmographia, zweite Ausgabe, gedruckt in der Offizin von Heinrich Petri, Basel 1545, S. 338 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern).
Erste Seite der Geschichte Basels in der Cosmographia, zweite Ausgabe, gedruckt in der Offizin von Heinrich Petri, Basel 1545, S. 338 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern). […]

20.1.1488 Niederingelheim (Rheinland-Pfalz), 26.5.1552 Basel, katholisch, später reformiert, ab 1535 von Basel. 1530 Anna Selber, Witwe des Buchdruckers Adam Petri. Aus einer Familie der bäuerlichen Oberschicht (Spital- und Kirchenpfleger) stammend, trat Sebastian Münster 1505 dem Franziskanerorden bei und hielt sich anschliessend in den Klöstern Heidelberg, Löwen, Freiburg im Breisgau, Rufach (Oberelsass) und Pforzheim auf. Er gehört neben Konrad Pellikan und Johannes Reuchlin zu den ersten Humanisten des deutschsprachigen Raums, die sich intensiv mit dem Studium des Hebräischen beschäftigten. 1511 wurde Münster zum Priester geweiht. Im Franziskanerkloster in Tübingen, wo er 1515-1518 als Lektor für Philosophie wirkte, erhielt er eine vertiefte mathematische Ausbildung, so dass er sich fortan neben philologischen auch naturwissenschaftlichen Arbeiten widmete. 1518-1520 als Lektor für Philosophie im Barfüsserkloster in Basel, geriet er mit lutherischem Gedankengut in Kontakt. Von 1521 an war Münster Franziskanerlektor in Heidelberg, wo er zunächst eine Reihe von philologischen Untersuchungen zur hebräischen und aramäischen Sprache publizierte. Ab Mitte der 1520er Jahre beschäftigte er sich stärker mit kosmografischen Fragen und bereiste in diesem Zusammenhang intensiv den oberrheinischen Raum. Schon länger der Reformation gegenüber aufgeschlossen, trat er 1529 aus dem Orden aus und folgte einem Ruf als Hebraist nach Basel. 1536 erhielt er das Zunftrecht zu Hausgenossen. An der Universität bekleidete er verschiedene Funktionen (1547-1548 Rektor).

In Münsters umfangreichem Werk dominieren die hebraistisch-philologische Untersuchungen, die 1535 in der ersten gedruckten hebräischen Bibelausgabe gipfelten. Seinen eigentlichen Ruhm begründete jedoch erst die zweite Auflage («Kosmographey», Basel 1550) seiner erstmals 1544 erschienenen «Cosmographia». Mit ihren zahlreichen Karten und Abbildungen stellt sie, im Zeichen humanistisch-kompilatorischer Gelehrsamkeit, ein Kompendium der historisch-länderkundlichen und geografischen Kenntnisse seiner Zeit dar.

Quellen und Literatur

  • J. Bergevin, Déterminisme et géographie, 1992
  • J. Knape, «Geohistoriographie und Geoskopie bei Sebastian Franck und Sebastian Münster», in Sebastian Franck (1499-1542), hg. von J.-D. Müller, 1993, 239-292
  • K. Uhde, Ladislaus Sunthayms geogr. Werk und seine Rezeption durch Sebastian Münster, 1993
  • TRE 23, 407-409
Von der Redaktion ergänzt
  • Regenass, Noah: «Die Kartensammlung der Universitätsbibliothek Basel von ihren Anfängen bis 1916», in: Cartographica Helvetica, 63, 2021, S. 53–71, v.a. 54-56.
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Zitiervorschlag

Kaspar von Greyerz: "Münster, Sebastian", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 08.07.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010764/2008-07-08/, konsultiert am 20.05.2022.