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EduardThurneysen

10.7.1888 Walenstadt, 21.8.1974 Basel, reformiert, von Basel. Sohn des Friedrich Eduard, Pfarrers, und der Emma Elisabeth geborene Blüss. 1916 Marguerite Meyer, Tochter des Paul Gottfried, Dr. phil. und Sekundarlehrers. Nach dem frühen Tod der Mutter 1891 wuchs Eduard Thurneysen in Basel auf. Als Sechzehnjähriger begegnete er in Bad Boll Christoph Blumhardt, der ihn nachhaltig beeinflusste. Ab 1907 studierte Thurneysen vor allem bei Bernhard Duhm und Paul Wernle Theologie in Basel, dann in Marburg, wo er sich intensiv mit den Werken Ernst Troeltschs beschäftigte. In Zürich, wo er 1911-1913 Sekretär des Christlichen Vereins junger Männer war, trat er in Kontakt mit Hermann Kutter und hörte Vorlesungen bei Leonhard Ragaz. Als Pfarrer in Leutwil 1913-1920 wirkte er in engem Kontakt mit Karl Barth, dem er Zeit seines Lebens verbunden blieb. 1920 übernahm er die Pfarrstelle in St. Gallen-Bruggen, 1927 promovierte er in Basel, 1927-1959 war er Pfarrer am Basler Münster. Ab 1930 lehrte er praktische Theologie an der Universität Basel, 1941-1959 war er Extraordinarius für Homiletik, 1960-1963 gab er Gastvorlesungen in Hamburg, Wuppertal und Berlin. Thurneysen war an der Zeitschrift "Zwischen den Zeiten" beteiligt und mit Barth Herausgeber der Schriftenreihe "Theologische Existenz heute". Als wichtiger Vertreter der dialektischen Theologie, dessen Eigenständigkeit gegenüber Barth häufig unterschätzt wird, widmete er sich vornehmlich der Praxis der Kirche. Praktische Theologie war für Thurneysen nicht Anwendungswissenschaft, sondern biblisch geschulte Wahrnehmung. Ihm ging es, auch in seiner kontrovers diskutierten und gelegentlich missverstandenen "Lehre von der Seelsorge" (1946), weniger um Methodik als um theologische Programmatik. Sein offenbarungstheologischer Ansatz, dessen provozierende Innovation vor allem in seinen früheren Schriften deutlich wird, verlor zwar im Zuge der empirischen Wende der praktischen Theologie an Bedeutung, hat aber sein herausforderndes Potenzial behalten. 1927 Dr. theol. h.c. der Universität Giessen.

Quellen und Literatur

  • R. Bohren, Prophetie und Seelsorge: Eduard Thurneysen, 1982
  • Pastoraltheologie 77, 1988, 425-487
  • K. Raschzok, «Ein theol. Programm zur Praxis der Kirche. Die Bedeutung des Werkes Eduard Thurneysens für eine gegenwärtig zu verantwortende Prakt. Theologie», in Theol. Literaturztg. 120, 1995, 299-312
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Kurzinformationen
Variante(n)
Ernst Eduard Thurneysen (Taufname)
Familiäre Zugehörigkeit
Lebensdaten ∗︎ 10.7.1888 ✝︎ 21.8.1974

Zitiervorschlag

Thomas K. Kuhn: "Thurneysen, Eduard", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 11.10.2012. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010875/2012-10-11/, konsultiert am 24.05.2024.