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NiklausZurkinden

31.10.1506 Bern, 20.9.1588 Bern, ref., von Bern. Sohn des Niklaus (->). 1) Appolonia Vogt, 2) 1532 Elsbeth Hugi, 3) 1536 Elsbeth Hab. Z. erwarb eine glänzende und umfassende Bildung, doch ist nur bekannt, dass er die Lateinschule in Bern besuchte und von Stadtschreiber Niklaus Schaller unterwiesen wurde. Ab 1528 war er Grossrat, Notar und Gerichtsschreiber, 1532 Vogt in Sumiswald, 1537 in Bonmont und 1544 von Nyon. Ab 1547 amtierte er als Deutschseckelschreiber, dann als Welschseckelmeister und 1551 sowie 1565-72 als Generalkommissär der Waadt. 1561-65 bekleidete er das Stadtschreiberamt in Bern. Z. war an den Verhandlungen zwischen Bern und Freiburg um die Aufteilung der Grafschaft Greyerz und zwischen Bern und den Hzg. von Savoyen im Vorfeld des Vertrags von Lausanne von 1564 beteiligt. Durch die Übersetzung jurist., liturg. und katechet. Texte trug er zum Aufbau der Kirche der Waadt bei. Er wirkte zudem als theologisch versierter Politiker in konfessionellen Konflikten, auch zwischen Bern und dem calvinist. Genf, für Frieden und Einheit der Kirche. Z. stellte Duldung auf der Grundlage christl. Humanität über dogmat. Orthodoxie (actio debet esse vita christiani hominis potius quam speculatio). Mit Johannes Calvin war er trotz Vorbehalten im Fall Michel Servet und in der Frage der Prädestination befreundet. Mit Sebastian Castellio warb er für Toleranz gegenüber religiösen Nonkonformisten. Er begegnete kath. Mitchristen mit Achtung und lehnte Gewalt als Mittel gegen religiöse Devianz ab. Den Auftrag zur Fortsetzung von Valerius Anshelms "Berner Chronik" konnte Z. nicht mehr ausführen. Sein Briefwechsel mit grossen Zeitgenossen ist von hohem Wert.

Quellen und Literatur

  • E. Bähler, «Nikolaus Z. von Bern 1506-1588», in JSG 36, 1911, 215-344; 37, 1912, 1-100
  • H. Vuilleumier, Histoire de l'Eglise réformée du Pays de Vaud sous le régime bernois 1, 1927; 4, 1933
  • Pfistern, 1996, 34 f.
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Dellsperger, Rudolf: "Zurkinden, Niklaus", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 06.12.2013. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010940/2013-12-06/, konsultiert am 23.11.2020.