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Pfarrhäuser

P. sind Wohnhäuser kath. oder ref. Geistlicher, die eine Pfarrei oder eine Kirchgemeinde betreuen. Die Entwicklung der P. unterscheidet sich je nach Epoche und Region, weshalb die P. in unterschiedlichen architekton. Ausprägungen vorkommen. Wurde im MA eine Pfarrei gegründet, sicherten Schenkungen den Lebensunterhalt des Pfarrers, die meist aus einem Gut mit Wohnhaus und Ökonomiegebäuden sowie zahlreichen Grundrechten bestanden. Der Pfarrer verwaltete seine Pfründen selbst und sorgte für den Unterhalt der Gebäude. Musste ein Neubau errichtet werden, gingen diesem schwierige Verhandlungen mit den Mitgliedern der Pfarrei und dem Inhaber des Patronatsrechts voraus. Das Pfarrhaus wurde ursprünglich oft als Nebengebäude des Gotteshauses gebaut. Im MA wurde es an den Rand der Friedhöfe verlegt. Nach der Reformation behielten die kath. Kantone und die parität. Regionen diese Anordnung bei. Wie Beispiele im Wallis belegen, scheiterte manches Neubauprojekt an der Kostenaufteilung. Da die Ressourcen und die Funktionen der Pfarrer (Unterricht, Verwaltung, Seelsorge) nicht einheitlich waren und die Pfarreien über eine gewisse Unabhängigkeit verfügten, entstanden sehr unterschiedl. Gebäudekomplexe. Die Spanne reichte vom Holzhaus bis zur Patrizierresidenz. Hingegen wurden religiös genutzte Bauten immer in Kirchennähe gruppiert - dies gilt auch noch im 21. Jh. -, was die Rolle des Pfarrhauses als Sinnbild der kirchl. Gemeinschaft unterstreicht.

Südostfassade des Pfarrhauses von Yvonand, um 1980. Fotografie von Claude Bornand, Lausanne.
Südostfassade des Pfarrhauses von Yvonand, um 1980. Fotografie von Claude Bornand, Lausanne.
Grundrisse des Erdgeschosses und des ersten Stocks des Pfarrhauses von Yvonand, mit einem Erweiterungsprojekt von 1787 (Archives cantonales vaudoises, Chavannes-près-Renens, Be r/20, Foto Rémy Gindroz).
Grundrisse des Erdgeschosses und des ersten Stocks des Pfarrhauses von Yvonand, mit einem Erweiterungsprojekt von 1787 (Archives cantonales vaudoises, Chavannes-près-Renens, Be r/20, Foto Rémy Gindroz). […]

In den Stadtstaaten, die in ihren Herrschaftsgebieten die Reformation einführten und das kirchl. Leben unter Aufsicht der Regierungen stellten, scheint die Situation homogener zu sein. Da es keine umfassenden Untersuchungen gibt, sind nur punktuell Einblicke möglich. Obschon die Pfarrer in Zürich sich in der Verwaltung ihrer Pfründen eine gewisse Autonomie bewahrt hatten, konnte die Stadt ab dem 16. Jh. durch das Patronatsrecht über mehrere Pfarrämter mit dem Bau von P.n städt. Neuerungen in ländl. Gebiete einführen. In Basel schienen die P. eine Spur Modernität zu verbreiten. Dort lässt sich zumindest für das 18. Jh. zeigen, dass sich die Architekten der P. von einem bestimmten Haustypus inspirieren liessen. Bern mit seiner ab dem 16. Jh. bestehenden effizienten Bauverwaltung prägte sein weitläufiges Territorium stark. Insbesondere im Waadtland verwirklichte die Berner Regierung ihre Vorstellungen, zumal sie sich hier nicht genötigt sah, historisch Gewachsenes zu bewahren. Nachdem sie 1536 die Kirchengüter beschlagnahmt hatte, teilte sie die Pfarrkreise neu ein. Die Pfarrer erhielten fixe Einkommen in Form von Geld und Naturalien sowie einen Teil der Pfründen, die im MA zum Pfarrhaus gehört hatten (Säkularisation). Für die v.a. im 18. Jh. errichteten zahlreichen Neubauten galten klare Vorgaben: Die Architektur musste elegant und funktional sein, die Räume grosszügig und gepflegt, jedoch nicht luxuriös. Noch zu Beginn des 21. Jh. sind diese P. in ihrer Gesamtheit (rund 100 Gebäude) architekturhistorisch besonders wertvoll. Sie veranschaulichen den Willen der ref. Stände, die Religion in alle Aspekte des tägl. und persönl. Lebens einfliessen zu lassen.

Quellen und Literatur

  • Kdm
  • G. Cassina, «Témoignages sur la construction de la cure d'Orsières (1779-1787)», in Ann. val., 1979, 113-148
  • G. Cassina, «Anciennes cures du Chablais valaisan», in Monthey illustré, 1982, Nr. 66 und 69; 1983, Nr. 80
  • M. Fontannaz, Les cures vaudoises, 1986
  • R. Scheurer, «L'entretien des cures paroissiales dans le comté de Neuchâtel et la seigneurie de Valangin aux XVIe et XVIIe siècles», in MN, 1987, 175-189
  • D. Gugerli, Zwischen Pfrund und Predigt, 1988
  • AH 4, 146-150
  • "Währschafft, nuzlich und schön", Ausstellungskat. Bern, 1994, 11-15, 333-367
  • C. Weber, P. im Kt. Bern im 18. Jh., Liz. Bern, 1994

Zitiervorschlag

Fontannaz, Monique: "Pfarrhäuser", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 04.03.2010, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011000/2010-03-04/, konsultiert am 29.10.2020.