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Verwaltungsgebäude

Als Stabsorgan der staatl. Exekutivgewalt ist Verwaltung ein Produkt der Neuzeit, das sich aus den Kanzleien der Städte und Republiken entwickelt hat. So waren die Rathäuser der alten Orte auch Sitz der Staatskanzleien (Genf) oder ihre Räume wurden an die Rathäuser angebaut (Stans, Bern, Basel, Appenzell, Solothurn). Eine Ausnahme bildet Neuenburg, wo das Schloss (älteste Teile Ende 12. Jh.) der Gf. von Neuenburg nach deren Aussterben praktisch ausschliesslich Sitz der Behörden des Fürstentums und später des Kantons war. In den ref. Orten, wo die Verwaltung der ehemals kirchl. Domänen als Staatsaufgabe anfiel, wuchsen die Verwaltungen offenbar rascher als in Kantonen ohne grossen Liegenschaftenbesitz. Dementsprechend besitzen die reformierten alten Orte meist umgebaute kirchl. Bauten als zusätzl. Verwaltungssitze (Bern: Stiftsgebäude am Münsterplatz, Zürich: Obmannamt im ehem. Barfüsserkloster).

Die Rückkehr des Generalrats am 10. Februar 1789. Kolorierte Radierung von Christian Gottlieb Geissler (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).
Die Rückkehr des Generalrats am 10. Februar 1789. Kolorierte Radierung von Christian Gottlieb Geissler (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann). […]

Zu den ältesten eigentl. V.n der Schweiz dürfte das Genfer Rathaus mit Bauteilen von 1440 gehören. Die Freiburger Staatskanzlei ist seit 1483 an der Stelle des heutigen Baus von 1734/37 bezeugt. Die Staatskanzlei in Bern datiert von 1526/41, das Generalkommissariat von ca. 1600. Die heute noch bestehenden eigentl. V. aus der Zeit der alten Eidgenossenschaft stammen aus dem 18. Jh.: das Stadthaus in Freiburg von 1730, seit 1803 Gemeindeverwaltung, das Berner Stiftsgebäude in seiner heutigen Erscheinung von 1745-48; sie enthielten immer auch die Wohnungen der Amtsvorsteher. Der Verwaltung im Sinne der Vollzugskontrolle vor Ort dienten auch die unzähligen Landvogteischlösser der alten Eidgenossenschaft. Diese beherbergten später Präfekturen, Bezirksgebäude und Statthaltereien.

Die jungen Kantone von 1803/15 hatten ihre Verwaltungen rasch zu etablieren. Dabei erhielt nur der Aargau sofort einen zentralen Sitz, der auch der Verwaltung diente (Ausbau des Gasthofs Goldener Löwen zum Regierungsgebäude mit Neubau des Grossratssaals samt Kantonsbibliothek 1811-28). Die anderen bedienten sich für ihre Verwaltungsaufgaben bestehender Bauten, so das Tessin, das sich 1848-51 in Bellinzona im ehem. Ursulinenkloster aus der Mitte des 18. Jh. einrichtete, und der Kt. Wallis, der 1848 das ehem. Ursulinenkloster in Sitten zum Regierungsgebäude umwandelte. Die freisinnigen Revolutionen weckten den Wunsch nach neuer Selbstdarstellung der betreffenden Kantone: Zürich baute 1836-39 das Obmannamt am Hirschengraben praktisch neu, St. Gallen liess durch Felix Wilhelm Kubly 1838-44 den Zeughausflügel der Pfalz neu errichten. Zug baute sich 1869 ein Regierungsgebäude, gleichzeitig mit dem Thurgau in Frauenfeld und Glarus, das sich nach dem Brand von 1861 neu einzurichten hatte.

Das Regierungsgebäude des Kantons Aargau in Aarau. Kolorierte Lithografie mit Aarauer Sehenswürdigkeiten von Rudolf Rey, 1849 (Staatsarchiv Aargau, Aarau, GS/01022-1).
Das Regierungsgebäude des Kantons Aargau in Aarau. Kolorierte Lithografie mit Aarauer Sehenswürdigkeiten von Rudolf Rey, 1849 (Staatsarchiv Aargau, Aarau, GS/01022-1). […]

In der 1. Hälfte des 20. Jh. entstanden mehrere kant. und kommunale Verwaltungskomplexe: Das zur Kaserne umgebaute Zeughaus Schaffhausen wurde 1912-14 Regierungsgebäude. In Herisau enthielt der Neubau der Kantonalbank (1912-14) von Anfang an auch den Regierungssitz und Teile der Kantonsverwaltung. Etwa gleichzeitig baute die Stadt Zürich durch ihren Stadtarchitekten Gustav Gull die Verwaltungszentren am Lindenhof (Amtshäuser I bis IV) und am Stadthausquai, die 1935 durch das Amtshaus V ergänzt wurden. Der Kt. Zürich übernahm 1920 das als Escher-Wyss-Verwaltung errichtete Caspar-Escher-Haus (1910-12) und liess 1933-35 sein Verwaltungszentrum durch die Walcheüberbauung erweitern.

Für die Verwaltung des 1848 neu geschaffenen Bundesstaates wurde aufgrund eines Wettbewerbs das Bundesrathaus ab 1852 erbaut, 1857 bezogen und 1888-1902 zum Bundeshaus erweitert. Bis zum 1. Weltkrieg erhielten einzelne Zweige der Bundesverwaltung eigene, ihren Bedürfnissen angepasste Bauten: 1870 Bundeskasse, 1898 Bundesarchiv mit Landesbibliothek, 1906 Münzstätte, 1910 Gesundheitsamt (Umbau eines Hotels), 1912 Alkoholverwaltung (Erweiterung 1994), 1914 Nationalbank und Bundeshaus Nord, 1923 Finanzdep. (Umbau des Hotels Bernerhof). Später entstanden die Schweiz. Landesbibliothek im Berner Kirchenfeld 1929-31, die Oberzolldirektion 1959 und das Amt für Mass und Gewicht in Wabern (Gem. Köniz) 1962.

Wirtschaft und öffentl. Verwaltung wandelten sich nach dem 2. Weltkrieg zu eigentl. Dienstleistungszentren und schufen ähnl. Baukonzepte. Die Entwicklung begann schon mit dem Ausbau des Hauptsitzes der Hoffmann-La-Roche AG ab 1935 in Basel durch Otto Rudolf Salvisberg. Es folgten Bauten wie die Konzernzentrale der Nestlé SA in Vevey (1956-60) von Jean Tschumi, das IBM-Gebäude in Zürich (1972) von Jacques Schader oder der Neubau der Berner Kantonsverwaltung (1984-87) von Matti Bürgi Ragaz. Auch Verwaltungen nutzen seit den 1990er Jahren vermehrt bestehende Bauten um, so etwa die Bundesverwaltung 1994-95 den Altbau der Firma Hasler AG in Bern.

Quellen und Literatur

  • Kunstführer durch die Schweiz, 3 Bde., 1971-82
  • INSA