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Dada

Dada ist eine ab 1915 in Zürich entstandene internationale literarisch-künstlerische Bewegung, die alle tradierten Kunst- und Ausdrucksformen ablehnte. Die dadaistische Geisteshaltung wurde von ihren Gründern umschrieben als ein «Narrenspiel aus dem Nichts, in das alle höheren Fragen verwickelt sind».

Drei Dadaisten in Zürich 1917/1918 (von links nach rechts): Hans Arp, Tristan Tzara und Hans Richter (Fotostiftung Schweiz, Winterthur).
Drei Dadaisten in Zürich 1917/1918 (von links nach rechts): Hans Arp, Tristan Tzara und Hans Richter (Fotostiftung Schweiz, Winterthur).

1916 eröffnete der in die Schweiz eingereiste deutsche Pazifist Hugo Ball gemeinsam mit seiner Gefährtin Emmy Hennings, dem Elsässer Hans Arp sowie den Rumänen Tristan Tzara und Marcel Janco die Zürcher Künstlerkneipe Voltaire, woraus sich das kulturkritische und experimentierfreudige Cabaret Voltaire entwickelte. Auch Richard Huelsenbeck, Sophie Taeuber und Hans Richter gehörten zum engsten Dada-Kreis, ausserdem wurden junge Künstler Zürichs zum Mitmachen eingeladen. Im gleichen Jahr wurde das Wort Dada ― eine Vokabel mit internationaler Strahlkraft ― in der Zürcher Anthologie «Cabaret Voltaire» publik. Die Dadaisten verstanden den Ersten Weltkrieg als Bankrotterklärung einer in Politik, Kirche und Kultur verlogenen bürgerlichen Gesellschaft. Sie nutzten die begrenzte Freiheit im Exil, um mit freiwilliger Torheit und Begeisterung für die Illusion einen Kontrapunkt gegen eine Welt zu setzen, «in der alles funktioniert, nur der Mensch selber nicht mehr». In provozierender Absicht poetisierten und hantierten die Dadaisten auf unkonventionelle und neue Weise, mit Anleihen beim Futurismus, beim Kubismus und bei der afrikanischen Kunst. Mit dem Laut-, Simultan- und bruitistischen Gedicht, der Collage, dem Fotogramm, der Benutzung bisher nicht verwendeten Materials in der Kunst, dem abstrakten Tanz sowie Exkursen in die atonale Musik strebten sie die absolute Freiheit und Spontaneität ihrer künstlerischen Äusserungen an. Sie versuchten, jede Einvernahme der Kunst für irgendwelche Zwecke durch den Einsatz von Ironie, Humor und Klamauk zu verhindern. Die Zürcher Dada-Bewegung dauerte bis 1919. Sie manifestierte sich vor einem kulturschaffenden und bürgerlichen Publikum im Cabaret Voltaire (Februar bis Juli 1916), in der Publikationsreihe «Collection Dada», der Galerie Dada (März bis Mai 1917) sowie den Zeitschriften «Dada» und «Der Zeltweg». Nach Kriegsende verliessen die Dadaisten Zürich. Dada fand in Genf mit Walter Serner und Christian Schad eine kurze Fortsetzung und breitete sich ― von den Dadaisten immer wieder geschickt inszeniert ― über weite Teile der Welt aus, so in Berlin, Köln, Hannover, Paris, New York, Zagreb, Russland und Japan. Die Dada-Bewegung inspirierte die moderne Kunst (Malerei, Literatur, Musik), insbesondere den Surrealismus.

Quellen und Literatur

  • Kunsthaus Zürich, umfangreiche Slg. und Dok.
  • H. Bolliger et al., Dada in Zürich, 1985, (mit Bibl.)
  • Dada Zürich in Zeitungen, hg. von R. Sheppard, 1992
  • R. Schrott, Dada 15/25, 1992
  • Dada total, hg. von K. Riha, J. Schäfer, 1994
  • R. Meyer et al., Dada global, 1994, (mit Bibl.)
  • M. Ragozzino, «Dada», in Art e dossier 90, 1994
  • H. van den Berg, Avantgarde und Anarchismus: Dada in Zürich und Berlin, 1999
Weblinks

Zitiervorschlag

Raimund Meyer: "Dada", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.03.2004. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011190/2004-03-16/, konsultiert am 13.04.2024.