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Beat Ludwig vonMuralt

Porträt von Beat Ludwig von Muralt. Öl auf Leinwand von Charles Le Brun, 1690 (Privatsammlung) © Fotografie Burgerbibliothek Bern, Porträtdok. 4323.
Porträt von Beat Ludwig von Muralt. Öl auf Leinwand von Charles Le Brun, 1690 (Privatsammlung) © Fotografie Burgerbibliothek Bern, Porträtdok. 4323.

9.1.1665 Bern, 20.11.1749 Colombier (NE), ref., von Bern. Sohn des Franz Ludwig (->). 1) 1699 Margarete von Wattenwyl, Tochter des Niklaus, bern. Grossrats, Herrn zu Oberdiessbach und Jegenstorf, 2) 1737 Anna Cleophea Rahn, Tochter des Hans Jakob, Zürcher Land- und Obervogts. Ab 1681 hielt sich M. für rechtl. und theol. Studien in Genf auf und trat nach 1690 als Hauptmann bei der Schweizergarde in Versailles in franz. Dienste. Auf seiner Reise 1694-95 durch Frankreich, nach London und in die Niederlande verfasste er literar. Briefe über die engl. und franz. Gesellschaft, die in überarbeiteter Form 1725 in Paris gedruckt wurden. 1698-1701 geriet er in Bern als Pietist und früher Aufklärer in Konflikt mit der Kirche, weshalb er seine philosoph. Studien ab 1702 auf dem Gut seiner Frau in Colombier (NE) weiterbetrieb.

In seinen "Lettres" billigte M. den liberalen Engländern gesunden Menschenverstand (bon sens) zu, während er den Schöngeist (bel esprit) der aristokratisch geprägten Franzosen als oberflächlich wertete. Seinen Landsleuten riet er, sich nicht durch Reisen "verbilden" zu lassen und trug damit zum Mythos der ursprünglich unabhängigen und unverdorbenen Schweiz bei. Ihm zufolge sollte das Individuum eigenverantwortlich der göttl. Vorsehung gegenüberstehen und von kirchl. und aristokrat. Auffassungen unabhängig bleiben. M.s Auseinandersetzung mit den Nationalcharakteren wurde von Pierre Carlet de Marivaux und Voltaire aufgegriffen. Überhaupt gehörten andere wichtige Aufklärer von Jean-Jacques Rousseau über Albrecht von Haller, Johann Jakob Bodmer, Johann Christoph Gottsched, Johann Gottfried Herder bis zu Gotthold Ephraim Lessing zu M.s Rezipienten. Weit weniger bekannt wurden die späteren myst.-pietist. Werke ("Lettres fanatiques" 1739, "Fables nouvelles" 1753). Eine Edition seines handschriftl. Nachlasses ist seit 2008 an der Univ. Bern in Bearbeitung.

Quellen und Literatur

  • Lettres sur les Anglois et les François et sur les voyages, 3 Bde., 1726
  • J. Riesz, Beat Ludwig von M.s Lettres sur les Anglais et les Français et sur les voyages und ihre Rezeption, 1979
  • Francillon, Littérature 1, 230-239
Weblinks
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Kurzinformationen
Lebensdaten ≈︎ 9.1.1665 ❒︎ 20.11.1749

Zitiervorschlag

Müller (2), Christian: "Muralt, Beat Ludwig von", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 02.09.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011258/2010-09-02/, konsultiert am 29.11.2020.