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Tschanüff

Mächtige Burgruine am Ostrand des Branclatobels am Ausgang des Val Sinestra, westlich von Ramosch in der Gemeinde Valsot GR gelegen. Anstelle der mittelalterlichen Burgbezeichnung Ramosch bürgerte sich ab dem 16. Jahrhundert der Name Tschanüff (Casa nova, neues Haus) ein.

Die zahlreichen Gebäudereste gliedern sich in Vor- und Hauptburg. Teile der Ringmauer im Vorburgareal sind erhalten. Die Kernburg besteht aus dem Bergfried (vor 1200) mit Hocheingang im 3. Geschoss, dem Südtrakt (15. Jahrhundert) mit quergeteiltem Bau und Tordurchgang sowie einer Schildmauer (um 1300) im Westen, die um 1500 durch eine Vormauer zu einem turmartigen Bollwerk verstärkt wurde. Die mehrphasige Baugeschichte von Tschanüff lässt sich ohne Bauuntersuchungen nicht genau fassen. Nannes von Ramosch dürfte die Anlage um 1250 unter Einbezug älterer Partien vergrössert haben. Nach Familienstreitigkeiten wurde sie 1367 Lehen des Ulrich von Matsch, nach der sogenannten Matscher Fehde 1421 österreichisches Lehen. Im Schwabenkrieg 1499 zündete sie der damalige Pfandherr an; anschliessend wurde sie als bischöfliches Verwaltungszentrum wieder aufgebaut. 1565 wurde die Feste während eines Volksaufstands geplündert und in Brand gesteckt; das folgende Strafgericht zwang die Verantwortlichen zur Wiederherstellung. In den Bündner Wirren wurde die Anlage 1622 von Glarner Truppen erneut angezündet und danach nur mehr notdürftig instand gesetzt. Geländerutschungen führten 1780 zur Aufgabe der Burg. Die Fundaziun Tschanüff bemüht sich seit 2001, die Ruine zu sichern.

Quellen und Literatur

  • O.P. Clavadetscher, W. Meyer, Das Burgenbuch von Graubünden, 1984, 210-214
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Zitiervorschlag

Maria-Letizia Boscardin: "Tschanüff", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 14.12.2016. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011349/2016-12-14/, konsultiert am 22.04.2024.