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Zionismus

Der Z. ist eine polit. Ideologie, ein polit. Programm und eine globale Bewegung innerhalb des Judentums mit dem Ziel, das staatl. bzw. das kulturelle Selbstbestimmungsrecht des jüd. Volks in Palästina (Erez Israel) zu verwirklichen. Als polit. und kulturelle Bewegung entstand er unter dem Eindruck des modernen Nationalismus im 19. Jh., als die Juden trotz Emanzipation und Assimilation einem wachsenden Antisemitismus und Verfolgungen ausgesetzt waren. Er knüpfte an die Hoffnungen auf eine Rückkehr nach Zion (= Jerusalem) und die Wiedererstehung eines jüd. Gemeinwesens in Palästina an, die nach der ersten Vertreibung aus Israel in die babylon. Gefangenschaft (586-538 v.Chr.) und der Vertreibung durch die Römer nach der Zerstörung des 2. Tempels (70 n.Chr.) die über die ganze Welt zerstreuten Juden erfüllt hatten.

Der Begriff des Z. wurde um 1890 von Nathan Birnbaum, einem Vertreter der kulturellen Variante des Z., geprägt. Zentrale Figur war aber der Wiener Journalist Theodor Herzl. Erschüttert vom Antisemitismus in der Dreyfusaffäre, schrieb er 1896 das Buch "Der Judenstaat - Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage" und begann danach, für die Verwirklichung dieser Lösung eine polit. Organisation aufzubauen. Nachdem sowohl orthodoxe wie Reformrabbiner die Abhaltung eines Kongresses in Deutschland abgelehnt hatten, fand der erste Zionistenkongress vom 28. bis 31. Aug. 1897 unter Herzls Vorsitz in Basel statt. Die Schweiz spielte in der weiteren Entwicklung der zionist. Bewegung als Tagungsort eine wichtige Rolle. Nicht weniger als 14 von 22 Kongressen fanden bis zur Gründung des Staats Israel 1948 in der Schweiz statt: neun in Basel (1897, 1898, 1899, 1901, 1903, 1905, 1911, 1927, 1946), drei in Zürich (1929, 1931, 1937), einer in Luzern (1935) und einer in Genf (1939). Die polit. Stabilität und die Neutralität der Schweiz sowie ihre zentrale Lage waren sowohl vor dem 1. wie vor dem 2. Weltkrieg ausschlaggebend.

Wie in anderen Ländern stand die Mehrheit der jüd. Bevölkerung der Schweiz der zionist. Bewegung anfänglich skeptisch gegenüber. Die erst 1866 auf Bundesebene gleichberechtigt gewordenen Schweizer Juden sahen ihre eben erst begonnene Integration gefährdet und viele der Strenggläubigen hielten die Schaffung eines Staats in Israel vor der messian. Zeit für verfehlt. Doch es fanden sich von Anfang an auch Anhänger des zionist. Gedankens in der Schweiz, und wie in der internationalen zionist. Bewegung bildeten sich Gruppierungen unterschiedlicher polit. Ausrichtung, die ihre Abgeordneten an die Kongresse entsandten. In den 1920er Jahren entstanden zudem zionist. Jugendbewegungen. Deren Weltdachorganisation Hechaluz organisierte im 2. Weltkrieg von Genf aus Rettungsaktionen für verfolgte Juden. Bis auf Anfeindungen durch die Frontisten in den 1930er Jahren stiessen die zionist. Bewegung und ihre Kongresse in der Schweiz seitens der Behörden und der Bevölkerung auf Wohlwollen. Vermittelnd wirkten hier u.a. der sozialdemokrat. Nationalrat David Farbstein und der Publizist Veit Wyler. Für weite Teile der Bevölkerung und massgebl. Politiker erschien der Kampf des kleinen jüd. Volks für seinen Staat verwandt mit dem Kampf der alten Eidgenossen für ihre Unabhängigkeit.

Mit der Gründung des Staats Israel 1948 war das Ziel des Z. erreicht. Dieser wandelte sich zur israel. Staatsideologie, dem die bestimmenden gesellschaftl. Kräfte in Israel verpflichtet sind. Führende Schweizer Juden sahen keinen Widerspruch zwischen dem Bekenntnis zum Z. und zu einem schweiz. Patriotismus. Bestrebungen, die Verbindung zwischen Z. und israel. Staat aufzulösen und die Eigenstaatlichkeit Israels unabhängig von der Diaspora zu begründen, blieben auf kleine Intellektuellenkreise beschränkt.

Quellen und Literatur

  • G. Shimoni, The Zionist Ideology, 1995
  • Der erste Zionistenkongress von 1897, hg. von H. Haumann, 1997
  • A. Rubinstein, Gesch. des Z., 2001
  • M. Brenner, Gesch. des Z., 32008
  • R.U. Kaufmann, «Die jüd. Welt trifft sich in Luzern», in JHGL, 2008, 29-44