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Diakonissen

Der Begriff D. bezeichnet zum einem ein spätestens ab dem 3. Jh. bezeugtes Amt in den urchristl. Gem., das sich in der westl. Kirche allerdings nicht durchsetzte. Vom Bischof eingesegnet, waren die D. Helferinnen im karitativen Bereich; im Unterschied zu demjenigen des Diakons gehörte ihr Amt jedoch nicht zu den Weihesakramenten. Zum anderen meint D. in Sozial- und Krankenpflege tätige, in Gemeinschaften lebende Frauen in der ref. Kirche. Diese Schwesterngemeinschaften entstanden im 17. und 18. Jh. und widmeten sich, wie die neuen Kongregationen auf kath. Seite, primär dem Dienst an Armen, Kranken und Bedürftigen. 1745 führte die Herrnhuter Brüdergemeine das Diakonissenamt ein. Angeregt durch die Engländerin Elizabeth Fry, einer Pionierin der Gefangenenseelsorge, gründete der Pfarrer Theodor Fliedner 1836 in Kaiserswerth (heute Düsseldorf) das erste Diakonissenmutterhaus. Er ermöglichte mit der damit verbundenen Berufsausbildung und -ausübung unverheirateten Frauen, im Rahmen der Kirche eine gesellschaftlich anerkannte Rolle zu spielen und ihren Aktionsradius in der Öffentlichkeit auszuweiten. 1861 schlossen sich die Diakonissenmutterhäuser zur Kaiserswerther Generalkonferenz zusammen. Sog. Kaiserswerther-D. sind durch ein Mutterhaus, eine einheitl. Tracht, das Sendungsprinzip (Aussendung der Schwestern durch das Mutterhaus) und den Verzicht auf ein Gehalt gekennzeichnet. Unterkunft, Verpflegung und Altersversorgung ist Aufgabe des Mutterhauses.

1842 gründete der Pfarrer Louis Germond (1795-1868) nach dem Vorbild von Kaiserswerth das erste schweiz. Mutterhaus in Echallens (1852 nach Saint-Loup verlegt). In der Folge wurden div. Häuser eröffnet, die der Kaiserswerther Generalkonferenz angehören. Weitere schweiz. Gründungen erfolgten durch freikirchl. Gemeinde der Evang. Allianz. Die elf Häuser sind in der Konferenz der Schweiz. Diakonissenmutterhäuser zusammengeschlossen, ihrerseits Mitglied des Diakonia-Weltbunds. Blütezeit der D. war die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen; seither gehen die Mitgliederzahlen zurück (1960 3'085 D., 1999 1'031 D.). Berufen und eingesegnet, üben D. ihren Dienst professionell aus und bilden eine Glaubens-, Lebens- und Dienstgemeinschaft, die im Mutterhaus ihre Heimat hat. Sie sind in der Früherziehung, in Heimen, Gefängnissen, Spitälern, meist mit angegliederten Berufsschulen für Krankenpflege, sowie kirchgemeindlich und missionarisch in Entwicklungsländern tätig (Diakonie). Auf die gesellschaftl. Veränderungen reagieren die D. mit neuen Tätigkeitsfeldern und engagieren sich für Arbeitslose, Asylsuchende, allein erziehende Frauen, Betagte und Sterbende.

Quellen und Literatur

  • D.H. Schlatter, Barmherzige Kirche, 1944
  • H. Schauer, Frauen entdecken ihren Auftrag, 1960 (21962)
  • P. Philippi, Die Vorstufen des modernen Diakonissenamtes (1789-1848) als Elemente für dessen Verständnis und Kritik, 1966
  • P. Zeissig, Saint-Loup à cœur ouvert, 1967
  • LThK 3, 327 f.
  • S. Stüssi, «Das Band der Vollkommenheit ist die Liebe», in Zwischen Macht und Dienst, hg. von S. Bietenhard et al., 1991, 153-182
  • U.F.A. Heim, Leben für andere, 1998