de fr it

Johann JakobBodmer

Johann Jakob Bodmer im Gespräch mit Johann Heinrich Füssli (links). Öl auf Leinwand von Johann Heinrich Füssli, um 1779 (Kunsthaus Zürich).
Johann Jakob Bodmer im Gespräch mit Johann Heinrich Füssli (links). Öl auf Leinwand von Johann Heinrich Füssli, um 1779 (Kunsthaus Zürich).

19.7.1698 Greifensee, 2.1.1783 Gut Schönenberg bei Zürich, reformiert, von Zürich. Sohn des Hans Jakob, Pfarrers in Greifensee, und der Esther geborene Orell. Esther Orell, Tochter des Felix Orell zum Spiegel, Seidenfabrikanten. Vom Vater zur geistlichen Laufbahn bestimmt, besuchte Johann Jakob Bodmer vorerst die Lateinschule und das Collegium Carolinum in Zürich, wandte sich dann jedoch 1718 dem Kaufmannsberuf zu und sammelte in Genf, Lyon und Lugano Kenntnisse im Seidenhandel. Wie schon während der theologischen Ausbildung standen aber auch da seine literarischen und historischen Interessen im Vordergrund, indem er sich vor allem mit französischer, englischer und italienischer Literatur vertraut machte. Nach seiner Rückkehr arbeitete er erst in der Zürcher Staatskanzlei, ab 1725 als Verweser am Carolinum. 1731 wurde er auf den Lehrstuhl für Helvetische Geschichte daselbst berufen, ein Amt, das er bis 1775 versah. Ausdruck seiner reformerischen Bemühungen um eine Öffnung der noch stark vom orthodoxen Protestantismus geprägten Kultur Zürichs war unter anderem die Gründung der Verlagsbuchhandlung Orell & Compagnie (1734, gemeinsam mit seinem Neffen Konrad Orell und dem Landschreiber Konrad von Wyss) wie auch sein Einsitz in den Grossen Rat von 1737, wo freilich sein politisches Wirken begrenzt blieb. Bereits um 1720 begann die langjährige Zusammenarbeit mit Johann Jakob Breitinger. Nach dem Muster von Joseph Addisons moralischer Wochenzeitschrift «The Spectator» gaben die beiden die «Die Discourse der Mahlern» (1721-1723) heraus (1746 fortgeführt in «Der Mahler der Sitten»), gründeten 1720 die Gesellschaft der Mahler, 1727 die Helvetische bzw. Historische Gesellschaft und entwickelten in den 1730er und 40er Jahren ein ästhetisches und literarisches Kunstprogramm, das sie weit über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt machte und Zürich zu einem Zentrum der literarischen und kunsttheoretischen Entwicklung deutschsprachiger Kultur im 18. Jahrhundert werden liess. In ihren theoretischen Schriften stellten sie sich in einen streitbaren Gegensatz zur Leipziger Schule Johann Christoph Gottscheds und wiesen mit ihrem Plädoyer für eine erweiterte Geltung der Einbildungskraft, des Wunderbaren und der Phantasie in der Literatur neue Wege. Dabei war es vor allem Bodmer, der die literarischen und künstlerischen Talente nicht nur Zürichs, sondern Deutschlands an sich zog, so dass von 1750 bis in die 1770er Jahre sein Haus zum Oberen Schönenberg zum Sammelpunkt des geistigen Lebens wurde, wo neben vielen anderen Friedrich Gottlieb Klopstock, Christoph Martin Wieland, Ewald von Kleist, Johann Wolfgang von Goethe, Johann Heinrich Tischbein der Ältere und Wilhelm Heinse zu Gast waren. Neben seinem weltoffenen, unermüdlich regsamen Wirken als Anreger und Förderer war es Bodmers Tätigkeit als Vermittler, sei es durch die Übersetzung fremdsprachiger Literatur, unter anderem John Miltons und Homers, sei es durch die Herausgabe vergessener mittelalterlicher Texte, so vor allem der Manessischen Handschrift und von Teilen des Nibelungenlieds, aber auch etwa von Martin Opitz, was ihn zu einer der herausragenden Gestalten des 18. Jahrhunderts in der Schweiz machte. Wenig Wertschätzung haben dagegen seine zahlreichen dramatischen und epischen Dichtungen gefunden.

Quellen und Literatur

  • Crit. Abh. von dem Wunderbaren in der Poesie und dessen Verbindung mit dem Wahrscheinlichen, 1740
  • Crit. Betrachtungen über die Poet. Gemählde Der Dichter, 1741
  • Schr. zur Lit., hg. von V. Meid, 1980
  • ZBZ, Nachlass
  • W. Bender, Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger, 1973
  • H.O. Horch, G.-M. Schulz, Das Wunderbare und die Poetik der Frühaufklärung, 1988
  • Killy, Literaturlex. 2, 47-49
  • A.M. Debrunner, Das güldene schwäb. Alter: Johann Jakob Bodmer und das MA als Vorbildzeit im 18. Jh., 1996
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Michael Böhler: "Bodmer, Johann Jakob", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 30.03.2021. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011575/2021-03-30/, konsultiert am 03.07.2022.