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Stein am RheinKloster

Ehemalige Benediktinerabtei in der Gemeinde Stein am Rhein SH. 1168 Kloster Steine, Mitte 15. Jahrhundert St. Georgen. Patrone: St. Georg und St. Cyrill.

Um 970 gründeten Herzog Burchard III. von Schwaben und seine Gemahlin Hadwig ein Stift auf dem Hohentwiel bei Singen. Sie beabsichtigten von Anfang an, neben der geistlichen Stiftung eine Klosterschule zu errichten. Ihr Erbe, König Heinrich II., verlegte das gut ausgestattete Kloster 1007 nach Stein am Rhein. In güterrechtlichen Belangen unterstellte er es dem Bistum Bamberg und in kirchlichen dem Bistum Konstanz. Er förderte damit die Entwicklung des Orts Stein am Rhein zur Stadt. Der Abt unterstand schutzrechlich direkt dem deutschen König oder Kaiser und war somit reichsunmittelbar. Dem Abt gehörten Grund und Boden sowie die darauf lebenden Menschen. Vom 11. bis ins 13. Jahrhundert war er die mächtigste Person zwischen Konstanz und Schaffhausen. Die Äbte und Mönche dürften bis 1344 durchgehend adliger Herkunft gewesen sein, später kamen sie aus der Bürgerschaft. Der Konvent zählte nie mehr als zwölf Mönche. Kulturelle Leistungen erbrachte St. Georgen mit Ausnahme des «Schachzabelbuchs» (1337) von Konrad von Ammenhausen keine. Ab dem 12. Jahrhundert bildete das Kloster mit den Vögten von Hohenklingen und der Bürgerschaft ein Dreigespann, das sich Verwaltung und Rechtsprechung teilte. Im 14. Jahrhundert mehrten sich die Streitigkeiten zwischen St. Georgen, den Vögten und der Stadt. Das Kloster hatte auch zunehmend mit ökonomischen Problemen zu kämpfen. Deshalb liess es sich 1478 von Zürich ins Bürgerrecht aufnehmen; Zürich beanspruchte von da an auch die Kastvogtei.

Stein am Rhein zählt zu den besterhaltenen Klosteranlagen der Schweiz und ist reich an Kunsterzeugnissen. Die Klosterkirche (heute Stadtkirche) wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts unter dem Einfluss der Hirsauer Reform erbaut und in der Folge mehrfach, teilweise eingreifend, umgestaltet. Im Chor befinden sich Fresken aus dem 13. bzw. 15. Jahrhundert. An der nördlichen Flanke des Chors steht eine Kapelle mit der Grablege der Herren von Hohenklingen und ihrem Memorialbild (1372). Von den romanischen Klostergebäuden ist kaum Bausubstanz erhalten. Die gotische Erneuerung begann unter Abt Konrad II. Goldast (1383-1412) mit dem Sommerefektorium und setzte sich fort mit dem Kapitelsaal, dem Winterrefektorium und dem Kreuzgang, der erst 1511 abgeschlossen wurde. Unter Abt Jodokus Krum (1460-1490) wurde das die Anlage nach Süden fortsetzende Abtshaus aus Fachwerk mit Grisaillemalereien und polychromen Holzschnitzereien erbaut. Den Abschluss, Höhepunkt und zugleich Übergang zur Renaissance setzt das Haus (1515-1516) des letzten Abts und grössten Bauherrn, David von Winkelsheim, mit reicher plastischer und gemalter Innenausstattung. Dessen Prunkstück ist der Festsaal, den die Wandbilder von Thomas Schmid, Hans Holbein dem Jüngeren und eines dritten unbekannten Künstlers sowie eine Tonnendecke mit meisterhafter bunter Schnitzkunst schmücken.

Die Reformation wurde durch die beiden Steiner Pfarrer Johannes Oechsli und Erasmus Fabricius vorbereitet. Unter dem Druck der Bürgerschaft hob Zürich St. Georgen 1525 auf und erklärte sich zur Rechtsnachfolgerin. Bis 1806 wurde das Klostergut durch Zürcher Amtsleute verwaltet, danach durch Schaffhausen. Der zusammengeschrumpfte Konvent bestand noch einige Zeit weiter, zuerst auf dem Hof Bühl am Schienerberg, dann auf Schloss Steinegg, und wurde 1581 dem Kloster Petershausen eingegliedert, das bis 1802 bestand. Um die Klosteranlage zu erhalten, erwarb sie 1834 der Steiner Kaufmann Johannes Peter und vermachte sie 1842 der Stadt. Aus der Not heraus verkaufte diese die Anlage 1875 dem Pfarrer Ferdinand Vetter. Dessen gleichnamiger Sohn, Erbe und Berner Professor für Germanistik, liess sie umfassend restaurieren. Aus seinem Nachlass ging das ehemalige Kloster 1926 an die Gottfried-Keller-Stiftung, die es mit Hilfe von Stein am Rhein und Schaffhausen vor Spekulation und dem Zerfall schützte. Seit 1945 gehört die Anlage der Eidgenossenschaft, wobei der Stiftung der Betrieb des 1927 eröffneten Museums obliegt.

Quellen und Literatur

  • HS III/1, 1546-1563
  • M. Becker, M. Frehner, Das Kloster St. Georgen zu Stein am Rhein, 1998
  • E. Eugster et al., Stein am Rhein, 2007

Zitiervorschlag

Michel Guisolan: "Stein am Rhein (Kloster)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 07.11.2012. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011601/2012-11-07/, konsultiert am 09.02.2023.