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PeterOchs

Porträt von Peter Ochs als helvetischer Senator an der Consulta in Paris. Bleistiftzeichnung mit Hervorhebungen in Pastell und Aquarell von Benjamin Bolomey, um 1802 (Bibliothèque cantonale et universitaire Lausanne, Collection iconographique vaudoise; Fotografie Claude Bornand).
Porträt von Peter Ochs als helvetischer Senator an der Consulta in Paris. Bleistiftzeichnung mit Hervorhebungen in Pastell und Aquarell von Benjamin Bolomey, um 1802 (Bibliothèque cantonale et universitaire Lausanne, Collection iconographique vaudoise; Fotografie Claude Bornand).

20.8.1752 Nantes, 19.6.1821 Basel, reformiert, von Basel. Sohn des Albrecht, Hamburger Grosskaufmanns und Basler Grossrats, und der Louise-Madeleine His, Tochter des Pierre, Hamburger Grosshandelsherrn. 1779 Salome Vischer, Tochter des Leonhard, Handelsherrn. Nach einer Lehre im Kontor des Grossvaters und Vaters in Hamburg studierte Peter Ochs ab 1774 Rechtswissenschaften in Basel und Leiden (1776 Dr. iur.). Unter dem Einfluss von Isaak Iselin begeisterte er sich für die Aufklärung und trat der Helvetischen Gesellschaft bei. Er begann seine Laufbahn in Basel 1780 als Gerichtsherr am Stadtgericht, 1782 wurde er Ratschreiber und 1790 Stadtschreiber. Von da an weilte er mehrmals als Gesandter Basels in Paris. Er galt als erfahrener Redner und gewandter Diplomat. 1794 wurde er Grossrat, 1795 vermittelte er im Frieden von Basel zwischen Preussen und Frankreich und 1796 übernahm er das Amt eines Oberstzunftmeisters. Unter dem Vorwand, er solle über das Fricktal verhandeln, holte Bonaparte Ochs 1797 nach Paris. Als das französische Direktorium eine Neuordnung der Schweiz forderte, fühlte sich Ochs berufen, in der Schweiz eine unblutige Revolution einzuleiten, was nur in Basel (Januar 1798) gelang. Im Gegensatz zu Frédéric-César de La Harpe verlangte er keine französische Invasion, sondern nur grenznahe Truppenaufmärsche, die als Katalysator wirken sollten. Die eigentlichen Absichten der französischen Machthaber durchschaute er nicht. Er entwarf eine Verfassung für die "Eine und unteilbare Helvetische Republik", die vom Auftrag gebenden Direktorium stark verändert und in der Schweiz verbreitet wurde.

Am 12. April 1798 proklamierte er in Aarau als Senatspräsident die Helvetische Republik, wurde jedoch erst durch französische Einmischung am 30. Juni 1798 helvetischer Direktor. Er versuchte, seine Regierungserfahrung und eigene finanzielle Mittel für den Aufbau des neuen Staates nutzbar zu machen. Seine Gegner warfen ihm Willfährigkeit gegenüber dem französischen Direktorium vor. Am 25. Juni 1799 wurde er von La Harpe gestürzt. Ochs hatte sein bedeutendes Vermögen verloren und galt fortan als Verantwortlicher für die französische Invasion – besonders weil die verhasste Verfassung seinen Namen ("Ochsen-Büchlein") trug –, aber auch für das Scheitern der Helvetischen Republik. Die Verfemung traf selbst seine Familie, die nach Paris auswanderte. Als Mitglied der Consulta hoffte er auf einen Neubeginn und erarbeitete Verfassungsprojekte für Basel und Solothurn, die aber nicht zur Ausführung gelangten. 1803 wurde er in Basel erneut in den Grossen Rat gewählt und versuchte bis 1821 als Mitglied der Regierung, seine aufklärerischen Überzeugungen der neuen Zeit anzupassen. Mit seiner Verwaltungserfahrung, seiner Sachkenntnis und seiner Unermüdlichkeit war er für Basel unentbehrlich. Als Führer der Liberalen förderte er die Toleranz zwischen den Konfessionen, zum Beispiel bei der Integration des katholischen Birseck und in den Verhandlungen um die Neugestaltung des Bistums Basel. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Landschulen, die Universitätsreform und als Schöpfer des baslerischen Strafgesetzbuchs. Seine "Geschichte der Stadt und Landschaft Basel" (8 Bde., 1786-1822) wird heute noch konsultiert, dagegen war seinen Dramen kein Erfolg beschieden. Nach dem Tod der Mutter 1804 kehrten seine Kinder nach Basel zurück. Wegen der Anfeindungen nahmen sie den urgrossväterlichen Namen His an. Von der Geschichtsschreibung lange negativ beurteilt, wird Peter Ochs als Historiker, Jurist und Staatsmann in neuerer Zeit positiv gewürdigt.

Quellen und Literatur

  • Korrespondenz des Peter Ochs (1752-1821), 3 Bde., hg. von G. Steiner, 1927-37
  • Reden, hg. von C. Bertin, 1998
  • Zeltner, ou, La prise de Soleure, hg. von P.F. Kopp, B. von Wartburg, 1998
  • Briefe, hg. von C. Bertin, 2002
  • A. Staehelin, Peter Ochs als Historiker, 1952
  • P.F. Kopp, Peter Ochs, 1992
  • B. von Wartburg, Musen & Menschenrechte, 1997
Weblinks
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GND
VIAF

Zitiervorschlag

F. Kopp, Peter: "Ochs, Peter", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.08.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011674/2009-08-20/, konsultiert am 26.01.2022.