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Bischöfliche Kommissare

Im Bistum Konstanz verhörten bischöfliche Kommissare ursprünglich anstelle der bischöflichen Kurie Parteien und Zeugen in Eheprozessen (Luzern, Zürich, Teil von Bern, Schaffhausen). Im Anschluss an das Konzil von Trient erhielten sie eine neue Bedeutung, wobei Luzern Pionierarbeit leistete. Neu besassen die bischöflichen Kommissare in ihrem Gebiet Straf- und Disziplinargewalt über die Geistlichen, gewisse ehegerichtliche Befugnisse über die Laien und administrative Vollmachten über Kirchengüter. Diesem Vorbild folgten 1634 die Urkantone (1688 Auftrennung in Uri und Schwyz, 1723 Nidwalden), 1678-1696 und erneut 1815 Zug, 1797 Solothurn (Konstanzer Teil). Nur die Ehegerichtsbarkeit besassen die bischöflichen Kommissare in Rapperswil/Uznach (ab ca. 1670), Glarus (ab 1678) und Baden-Freiamt (ab 1761/1772). 1804 wurden bischöfliche Kommissare im Thurgau, 1806 in Appenzell eingesetzt. Sie amtierten zum Teil unter anderer Bezeichnung auch im Bistum Lausanne (Solothurn 1616-1814, Bourgogne 1663-1801) und im Tessin. Die Institution der bischöflichen Kommissare überdauerte die Bistumsänderungen des 19. Jahrhunderts und wurde erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil aufgegeben.

Quellen und Literatur

  • HS I/2, 673-727, 1045-1054; I/4, 313-333; I/6, 416-432
  • J. Brülisauer, «Die bischöflichen Kommissare in der Schweizer Quart», in Itinera 16, 1994, 111-119
Weblinks

Zitiervorschlag

Josef Brülisauer: "Bischöfliche Kommissare", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 31.10.2002. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011743/2002-10-31/, konsultiert am 01.02.2023.