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Johann HeinrichFüssli

Im Garten des Pfarrers Johann Joachim Spalding in Barth (Pommern), 1763. Radierung von Eberhard Siegfried Henne nach einem Gemälde von Füssli, verlegt in Basel 1810 von Christian von Mechel (Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett).
Im Garten des Pfarrers Johann Joachim Spalding in Barth (Pommern), 1763. Radierung von Eberhard Siegfried Henne nach einem Gemälde von Füssli, verlegt in Basel 1810 von Christian von Mechel (Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett). […]

6.2.1741 Zürich, 16.4.1825 Putney Hill (heute London), Saint Paul's Cathedral (London), reformiert, von Zürich. Sohn des Johann Caspar (->). 1788 Sophia Rawlin, Modell, aus Bath Easton (die Ehe blieb kinderlos). Im musisch regen Elternhaus empfing Johann Heinrich Füssli erste künstlerische Anregungen. Während sein älterer Bruder Hans Rudolf vom Vater selbst auf die Künstlerlaufbahn vorbereitet wurde, sollte Füssli Pfarrer werden. Am Carolinum begeisterten ihn seine Lehrer Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger für Literatur und Ästhetik. 1761 wurde er ordiniert. Eine grosse Anzahl von Zeichnungen entstand nebenbei. Um den moralischen Zustand der staatlichen Institutionen zu verbessern, griff Füssli gemeinsam mit seinem Jugendfreund Johann Kaspar Lavater 1762 Felix Grebel wegen dessen schweren Verfehlungen als Landvogt von Grüningen in einem Pamphlet an. Die Anschuldigungen erwiesen sich als richtig, doch wurden die jungen Männer wegen ihres respektlosen Verhaltens gemassregelt. Darauf verliessen sie 1763 Zürich und begaben sich zunächst zu dem Pastor und Moralphilosophen Johann Joachim Spalding nach Barth (Pommern). Es entstanden Gedichte im Geiste des Sturm und Drangs. 1764 übersiedelte Füssli auf Anraten Bodmers von Berlin nach London, um dort als Vermittler zwischen englischer und schweizerischer Literatur und Wissenschaft zu wirken. Er war zunächst als Übersetzer (u.a. Johann Joachim Winckelmanns «Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke»), Publizist und Hauslehrer tätig. 1768 entschloss sich Füssli auf Anraten Joshua Reynolds, die Künstlerlaufbahn einzuschlagen. 1770-1778 hielt er sich in Rom auf, wo er sich als Autodidakt weiterbildete. Die antiken Bildwerke und Michelangelo waren seine Leitbilder.

1778 kehrte Füssli über Zürich für immer nach London zurück, wo er sich durch Bilder wie «Dido auf dem Scheiterhaufen», «Die Nachtmahr» und die schlafwandelnde «Lady Macbeth» schnell einen Namen als einer der führenden Historienmaler machte. 1790 wurde er ordentliches Mitglied der Royal Academy. 1799 und 1800 stellte er die Milton Gallery, 47 zum Teil grossformatige Gemälde mit Szenen aus verschiedenen Werken John Miltons, ohne Publikumserfolg aus. 1799 wurde Füssli zum Professor für Malerei an die Royal Academy gewählt. Teil des Lehrauftrags waren Vorlesungen zur Geschichte und Theorie der Malerei. 1804 wurde Füssli zum Keeper der Royal Academy (zweithöchstes Amt der Institution) ernannt.

Füssli hat auf seine Zeitgenossen sowohl als Künstler wie als Kunsttheoretiker stark eingewirkt. Geringe Spuren hinterliess er in der Schweiz, wo lange Zeit nur der für das Zürcher Rathaus gemalte «Rütlischwur» von seinem Schaffen öffentliches Zeugnis gab. Er ist keinem der damals geläufigen Stile (Klassizismus, Romantik) eindeutig zuzurechnen. Höchstes leistete er in der Umsetzung literarischer Vorlagen (Homer, Dante, Shakespeare, Milton). In seinen theoretischen Äusserungen argumentiert er von einem klassizistischen Fundament aus, integriert aber auch Positionen des Sturm und Drangs und der Romantik.

Quellen und Literatur

  • The Life and Writings of Henry Fuseli, hg. von J. Knowls, 3 Bde., 1831
  • Briefe, hg. von W. Muschg, 1942
  • Sämtl. Gedichte, hg. von M. Bircher, 1973
  • The Collected English Letters of Henry Fuseli, hg. von D.H. Weinglass, 1982
  • Aforismi sull'arte, 2000
  • F. Antal, Füssli-Studien, 1973 (engl. 1956)
  • G. Schiff, Johann Heinrich Füssli 1741-1825, 2 Bde., 1973
  • Johann Heinrich Füssli, Ausstellungskat. Genf, 1978
  • Füssli pittore di Shakespeare, Ausstellungskat. Mamiano di Traversetolo, 1997
  • M. Myrone, Henry Fuseli, 2001
  • M. Vogel, Johann Heinrich Füssli – Darsteller der Leidenschaft, 2001
Weblinks
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Kurzinformationen
Variante(n)
Henry Fuseli
Lebensdaten ∗︎ 6.2.1741 ✝︎ 16.4.1825

Zitiervorschlag

Matthias Vogel: "Füssli, Johann Heinrich", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.11.2006. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011809/2006-11-20/, konsultiert am 07.10.2022.