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AlbertBitzius

JeremiasGotthelf

Albert Bitzius als Schriftsteller. Ölgemälde von Johann Friedrich Dietler, 1843/1844 (Burgerbibliothek Bern, Neg. 4247; Fotografie Gerhard Howald).
Albert Bitzius als Schriftsteller. Ölgemälde von Johann Friedrich Dietler, 1843/1844 (Burgerbibliothek Bern, Neg. 4247; Fotografie Gerhard Howald). […]

*4.10.1797 Murten, 22.10.1854 Lützelflüh, reformiert, von Bern. Pfarrer, Sozialreformer, Publizist und einer der bedeutendsten Erzähler der Schweiz, der sich ab 1837 nach dem Protagonisten seines ersten Romans Der Bauernspiegel auch Jeremias Gotthelf nannte.

Herkunft und Werdegang

Albert Bitzius entstammte der alten Stadtberner Familie Bitzius. Sein Vater Sigmund Bitzius war Pfarrer in Murten und Utzenstorf, seine Mutter Elisabeth, eine geborene Kohler aus Büren an der Aare, war die Tochter des Spitalvogts vom Burgerspital in Bern. Bitzius pflegte enge Beziehungen zu den Verwandten seiner Mutter, deren Schwager, der Arzt Johann Ludwig Lindt, sein Pate war. Auch mit der Familie der ersten Frau seines Vaters, Maria Magdalena Studer, und seiner Halbschwester Marie Bitzius stand er in regem Austausch. 1833 heiratete er Henriette Zeender (Henriette Bitzius-Zeender), Tochter des Theologieprofessors Emanuel Jakob Zeender und der Marianne geborene Fasnacht.

Der junge Albert Bitzius. Kohlezeichnung von Jakob Becker, 1830 (Verein Gotthelf-Stube, Lützelflüh).
Der junge Albert Bitzius. Kohlezeichnung von Jakob Becker, 1830 (Verein Gotthelf-Stube, Lützelflüh). […]

Bitzius besuchte die Stadtschule in Murten und wurde ab 1805 zusammen mit seinem Bruder Friedrich Carl Bitzius vom Vater unterrichtet, nachdem dieser nach Utzenstorf versetzt worden war. Ab 1812 absolvierte er die Literarschule in Bern, ab 1814 ein Theologiestudium an der Berner Akademie. In Bern war er Mitglied der 1814 entstandenen Literarischen Gesellschaft sowie 1818 und 1819 Mitgründer des Montagsleists und des Schweizerischen Zofingervereins. Nach dem Theologieexamen 1820 wurde Bitzius Vikar beim Vater, studierte 1821-1822 an der Universität Göttingen und trat nach dem Tod des Vaters 1824 eine Vikariatsstelle in Herzogenbuchsee an. 1829-1831 bekleidete er die Vikariatsstelle an der Berner Heiliggeistkirche, an der Jakob Samuel Wyttenbach Pfarrer war. 1831 wurde er in Lützelflüh Vikar von Pfarrer Jakob Albrecht Fasnacht, dem Grossvater seiner Frau. Nach dessen Tod übernahm er die Pfarrstelle.

Pfarrhaus und Kirche von Lützelflüh. Kolorierte Aquatinta von Samuel Weibel, 1827 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, Sammlung Gugelmann, GS-GUGE-200-b-84).
Pfarrhaus und Kirche von Lützelflüh. Kolorierte Aquatinta von Samuel Weibel, 1827 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, Sammlung Gugelmann, GS-GUGE-200-b-84).

Vom Schul- zum Gesellschaftspolitiker

«Seine Wohlerwürden der Herr Pfarrer». Bleistiftzeichnung von Johann Jakob Friedrich Walthard, um 1850 (Burgerbibliothek Bern, Nachlass Friedrich Walthard, ohne Signatur).
«Seine Wohlerwürden der Herr Pfarrer». Bleistiftzeichnung von Johann Jakob Friedrich Walthard, um 1850 (Burgerbibliothek Bern, Nachlass Friedrich Walthard, ohne Signatur). […]

Schon früh setzte sich Bitzius für Volksbildung und Armenerziehung ein, zum Beispiel als Vikar seines Vaters für den Bau eines Schulhauses in Utzenstorf, für neue Unterrichtspläne an der Volksschule oder für die Sommerschule und höhere Lehrerlöhne in Herzogenbuchsee. 1832 wurde er in die Ortsschulkommission Lützelflüh und in die Grosse Landschulkommission des Kantons Bern gewählt, die ein neues Schulgesetz ausarbeiten sollte. In dieser bekämpfte er die Versuche Philipp Emanuel Fellenbergs, das neu gegründete Lehrerseminar in seine Abhängigkeit zu bringen. Als kantonaler Experte unterstützte Bitzius die pestalozzische Lehrart Friedrich Froebels. 1835 ernannte ihn die Regierung zum Schulkommissär für die Gemeinden Lützelflüh, Rüegsau, Hasle und Oberburg. Für dieses Amt forderte Bitzius ein Pflichtenheft für die Kommissäre, von den Lehrern Unterrichtspläne und von den Gemeinden Instruktionen, um das Schulobligatorium durchzusetzen. Dabei geriet er zunehmend in Gegensatz zum Erziehungsdepartement, dessen Primarschulgesetz er wegen der Ausweitung des Fächerkanons sowie dem Fehlen von Lehrplänen und geeigneten Unterrichtsmitteln kritisierte. Das Sekundarschulgesetz lehnte er wegen der zu starken Orientierung auf Wissensstoff ebenfalls ab. Seine Kritik kulminierte 1844 im Aufsatz Zur Geschichte des Primarschulwesens im regenerirten Canton Bern, einer Generalabrechnung mit der Berner Schulpolitik, deren Publikation einer der Gründe für seine Entlassung als Schulkommissär 1845 war. 

«Wie der bernerische Staatswagen in seinem Laufe auf Hindernisse stösst». Karikatur in Der Postheiri, 1850, Nr. 10 (HLS, Privatsammlung).
«Wie der bernerische Staatswagen in seinem Laufe auf Hindernisse stösst». Karikatur in Der Postheiri, 1850, Nr. 10 (HLS, Privatsammlung). […]

Bitzius zählte 1833 zu den Gründern des Vereins für christliche Volksbildung, der – erweitert um den Bezirksverein des Amtes Trachselwald – zwei Jahre später eine Armenerziehungsanstalt eröffnete, die zunächst in Sumiswald, dann in Trachselwald untergebracht war. Für den Verein wirkte er jahrelang als Präsident, später als Vizepräsident. Seine Vorstellung der Armenerziehung stützte sich auf die pestalozzische Wohnstubenerziehung, welche die Schüler nicht mit Wissen abfülle, sondern sie lebenstüchtig mache. In der Pauperismuskrise der 1830er und 1840er Jahre gehörte Bitzius zu den Kräften in der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft, die sich an einem christlich-paternalen Gesellschaftsmodell orientierten.  

Der liberale Umsturz von 1831 in Bern hatte Bitzius politisiert. Die Berner Revolution begriff er als Fortsetzung der französischen Julirevolution, sah sie aber als überlegen an, weil sie sich im Unterschied zur französischen nicht auf die physische Kraft, sondern auf die Vernunft gestützt habe. Bitzius‘ Demokratievorstellungen basierten auf seinem Republikanismus (Republik), den er unter Rückgriff auf Johann Heinrich Pestalozzi und Johannes von Müller christlich fundierte. Daher setzte er die Staatsrevolution von 1831 in ein Folgeverhältnis zur Reformation und sah in der Berner Verfassung von 1831 nicht primär rechtliche Rahmenbedingungen, sondern den Geist von christlicher Freiheit und Gleichheit garantiert. Mit dieser Auffassung von Staat, Freiheit und Gleichheit, die er etwa in Eines Schweizers Wort an den schweizerischen Schützenverein (1842) und in Ein Wort zur Pestalozzifeier (1846) weiter ausführte, geriet er nach dem Zürcher Straussenhandel, dem Aargauer Klosterstreit, der radikalen Verfassung in der Waadt von 1844 und den Freischarenzügen (1844-1845) in Gegensatz zu den politischen Zeitströmungen (Radikalismus). Gegen den Mündigkeitsoptimismus der Radikalen verteidigte er eine patriarchale Ordnung, die seiner Ansicht nach den Zusammenhalt der Klassen und von Staat, Kirche und Familie sicherstelle. Dem Bundesstaat stand er ablehnend gegenüber, weil er ihn als Folge der Freischarenzüge und im Widerspruch zum republikanischen Bundesgedanken sah. 

Vom Journalisten zum Schriftsteller

Ab 1831 verfasste Bitzius regelmässig Presseartikel. Seinen ersten Essay hatte er schon 1828 im Schweizerboten von Heinrich Zschokke veröffentlicht; die Plattform seines Schreibens wurde nun der Berner Volksfreund, das Organ der Schnellen-Partei, der sich um die Brüder Johann Ludwig, Karl und Johann Schnell in Burgdorf bildenden liberal-konservativen Gruppierung. Dort äusserte er sich zum Schulwesen, zur Armenerziehung, zum Alkoholismus, zur Behördenwillkür sowie zu ökonomischen Themen; Ende der 1830er Jahre wurde er mit seinen Leitartikeln zu einer meinungsbildenden Kraft. Journalistisch tätig war Bitzius auch als Redaktor und Herausgeber des Neuen Berner Kalenders.

Manuskript von Albert Bitzius für die Novelle Die schwarze Spinne, 1842 (Burgerbibliothek Bern, N Jeremias Gotthelf 6.7).
Manuskript von Albert Bitzius für die Novelle Die schwarze Spinne, 1842 (Burgerbibliothek Bern, N Jeremias Gotthelf 6.7). […]

Bitzius' Romane und Erzählungen reagierten auf Zeitereignisse. Bezüglich vieler seiner Themen erwiesen sich Predigt und Journalistik als eigentliche Vorschule seines Erzählwerks. Jeder seiner 13 Romane entfaltet Aspekte europäischer Modernisierungs- und Säkularisierungskrisen, die im Titel von Zeitgeist und Bernergeist (1852) auf eine Formel gebracht werden. Die soziale Frage wird nicht nur im Bauernspiegel (1837), sondern auch in der Armennot (1840), den Leiden und Freuden eines Schulmeisters (1838-1839), in Uli der Knecht (1841) und in Erlebnisse eines Schuldenbauers (1854) thematisiert. Materialistische und sozialistische Tendenzen kritisiert Bitzius etwa in Der Geltstag (1846) und Jacobs, des Handwerksgesellen, Wanderungen durch die Schweiz (1846-1847); raffgierigen Advokaten, Geschäftemachern und sozialistischen Wanderpredigern stellt er in den Erzählungen Käthi, die Grossmutter, oder der wahre Weg durch jede Not (1847) und Das Erdbeeri-Mareili (1851) im Christentum wurzelnde Gestalten gegenüber. Uli der Pächter (1849) lässt sich als eine Antwort auf den Sonderbund, die Käserei in der Vehfreude (1850) als eine Reaktion auf das Revolutionsjahr 1848 verstehen. 

Illustration von Albert Anker zur Gotthelf-Erzählung Das Erdbeeri-Mareili in Ausgewählte Werke, Illustrierte Prachtausgabe, 2. Teil, Band 4, o.J. (Privatsammlung).
Illustration von Albert Anker zur Gotthelf-Erzählung Das Erdbeeri-Mareili in Ausgewählte Werke, Illustrierte Prachtausgabe, 2. Teil, Band 4, o.J. (Privatsammlung). […]

Nachleben 

Postum stieg Bitzius gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als Freisinnige und Katholisch-Konservative sich allmählich annäherten, zum Nationaldichter auf. Für Bauerntumsideologie, Antimodernismus und Antisozialismus, die mit den Ursprungsmythen den Kitt des neuen Bauern- und Bürgerblocks bildeten, schien der Emmentaler Pfarrer eine Vorkämpferrolle einzunehmen, hatte er doch den Modernisierungsprozess in seinen unterschiedlichen Ausformungen heftig kritisiert, materialistische wie sozialistische Tendenzen noch in der Form des Handwerkerkommunismus als Feinde der christlichen Ordnung bekämpft und an die Stelle der modernen Gesellschaft das Haus und die Familie als bewahrende Elemente und Basis jeder staatlichen Gemeinschaft gesetzt.

Die Gotthelf-Stube in Lützelflüh, fotografiert im Oktober 1954 © KEYSTONE/Photopress.
Die Gotthelf-Stube in Lützelflüh, fotografiert im Oktober 1954 © KEYSTONE/Photopress. […]

Von der Jahrhundertwende über die Geistige Landesverteidigung bis in die 1950er Jahre entstand unter dem Namen Gotthelf ein Mythos, in dem jeder seine Geschichte fand und alle sich als Gemeinschaft wiedererkannten. So wurde er für die einen zum Emmentaler Bauerndichter, für die anderen zum Dichter des Hauses sowie des echten Schweizertums und für die dritten zum Künder einer liberalen Verantwortungsethik gegenüber Totalitarismus und dem «Aufstand der Massen». Bedient wurde der Mythos in den Filmen von Franz Schnyder sowie den Mundart-Hörspielen von Ernst Balzli, welche die Vorstellung einer Identität von Gotthelf-Welt und Schweizertum erfolgreich verbreiteten. Der intellektuelle Protest eines Walter Muschg gegen die Verfälschung des Gotthelf'schen Romanwerks in den Radio-Hörspielen verhallte wirkungslos. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte die Kommerzialisierung des Namens Gotthelf ein, die den Mythos zur Marke machte und bald ungewollt dessen nationalpolitischen Sinn zersetzte. Nicht zufällig ging dies mit einer stetigen Abnahme der Bedeutung seines Werks in Schule und Öffentlichkeit einher. Kreise aus der Schweizerischen Volkspartei haben versucht, Bitzius' Republikanismus für eine politische Polemik gegen die «classe politique» und die Europäische Union zu instrumentalisieren. Das Gotthelf-Zentrum im Pfarrhaus Lützelflüh hält die Erinnerung an den Schriftsteller unter anderem durch ein kleines Museum in dessen ehemaligen Wohnräumen wach.

Ausschnitt aus Franz Schnyders Spielfilm Uli der Knecht, 1954, Dialektfassung (Gloriafilm / Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich).
Ausschnitt aus Franz Schnyders Spielfilm Uli der Knecht, 1954, Dialektfassung (Gloriafilm / Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich). […]
«Grossbrand – auf Bestellung». Schweizer Filmwochenschau, Ausgabe Nr. 1122 vom 3. Juli 1964 (Schweizerisches Bundesarchiv, J2.143#1996/386#1122-1#1*) © Cinémathèque suisse, Lausanne und Schweizerisches Bundesarchiv, Bern.
«Grossbrand – auf Bestellung». Schweizer Filmwochenschau, Ausgabe Nr. 1122 vom 3. Juli 1964 (Schweizerisches Bundesarchiv, J2.143#1996/386#1122-1#1*) © Cinémathèque suisse, Lausanne und Schweizerisches Bundesarchiv, Bern. […]

Forschung 

Nach Bitzius' Tod blieb die Auseinandersetzung mit dessen Werk mit Ausnahme des Nachrufs von Gottfried Keller (1855) und der Monografie Carl Manuels bescheiden. Erst um die Jahrhundertwende setzte eine breitere Rezeption ein. Eine erste kommentierte Gesamtausgabe besorgten Rudolf Hunziker und Hans Bloesch (1911-1977) nachdem der Berner Germanist Ferdinand Vetter, Betreuer einer Gotthelf-Volksausgabe (1898-1902), am Widerstand der Familien Bitzius bzw. von Rütte gescheitert war. 

Zum Markstein der Forschung wurde Walter Muschgs Gotthelfbuch (1931). Der Basler Germanist löste sich von der Vorstellung eines biederen  Bauernschriftstellers, betonte dagegen die Welthaftigkeit eines Dichters, der mit barocker Sprachkraft die archaischen Formen menschlichen Seins blosslege. Anstelle von Muschgs mythischen und tiefenpsychologischen Kategorien forderte Werner Günther (1934) zu einer rein ästhetischen Betrachtungsweise von Gotthelfs Werk auf. Auf den 100. Todestag des Dichters hin entstand eine Fülle von Publikationen, so etwa Karl Fehrs anthropologische Interpretation Das Bild des Menschen bei Jeremias Gotthelf (1953).

Vom Manuskript zur Druckausgabe. Die Editionsarbeiten der Historisch-kritischen Gesamtausgabe anhand einer Textstelle aus der Gotthelf-Erzählung Die schwarze Spinne (Collage HLS; Bildmaterial Forschungsstelle Jeremias Gotthelf).
Vom Manuskript zur Druckausgabe. Die Editionsarbeiten der Historisch-kritischen Gesamtausgabe anhand einer Textstelle aus der Gotthelf-Erzählung Die schwarze Spinne (Collage HLS; Bildmaterial Forschungsstelle Jeremias Gotthelf). […]

Ab dem 20. Jahrhundert internationalisierte und spezialisierte sich die Gotthelf-Forschung. Schon 1913 erschien an der Sorbonne Gabriel Murets Dissertation über Leben und Werk Gotthelfs, 1979 dann Pierre Cimaz' Habilitationsschrift, die aber die wissenschaftliche Diskussion erst nach ihrer Übersetzung ins Deutsche 1998 beeinflusste. Der amerikanische Germanist Herbert Morgan Waidson untersuchte den Einfluss Gotthelfs auf die angelsächsische Welt (1948). Spezialisiert hat sich die Forschung einerseits auf den theologischen Bereich wie etwa Kurt Guggisberg mit der Studie Jeremias Gotthelf. Christentum und Leben (1939), Eduard Buess mit seiner Dissertation Jeremias Gotthelf. Sein Gottes- und Menschenverständnis (1948) sowie Ulrich Knellwolf mit seinem Versuch, das erzählerische Werk des Berners als eine Antwort auf die Predigtkrise zu begreifen. Andererseits rückte der schulisch-pädagogische Bereich in den Fokus. 1948 und 1949 publizierte und kommentierte Walter Marti in zwei Teilen den Amtsbriefwechsel Gotthelfs als Schulkommissär. Eine Studie zum Geist der Erziehung legte Hermann Levin Goldschmidt (1939) vor, eine zur Pädagogik generell Urs Küffer (1982). Roland Kuhn (1951) und Jakob Wyrsch (1954) publizierten zu Bitzius' psychologischen Anschauungen, Friedrich Weber (1945), Hans Ulrich Dürrenmatt (1947), Josef Maibaum (1960), Werner Hahl (1979) und Michael Lauener (2011) zu den Rechtsauffassungen.  

Eine neue literaturgeschichtliche Einordnung versuchte Friedrich Sengle, indem er Bitzius als Biedermeierdichter darstellte; sein Schüler Winfried Bauer (1975) verankerte ihn gar in der geistlichen Restauration, verkannte aber den grundsätzlich liberal-aufklärerischen Geist in Gotthelfs Werk. Wolfgang Braungart (1987) und Klaus Jarchow (1989) wiesen dagegen auf die bei Gotthelf fortwirkende Tradition der schweizerischen Volksaufklärung hin. Hanns Peter Holl (1985) deutete das Werk des Emmentalers primär als Reaktion auf Modernisierungskrisen. Werner Hahl (1994) hob in Bitzius‘ Ordnungsvorstellungen des Hauses die christlich-republikanischen Wurzeln hervor, die diese von der geistlichen Reaktion unterscheiden. Ab 2012 erschienen die ersten Bände einer umfassenden historisch-kritischen Gesamtausgabe, welche von der interdisziplinär arbeitenden Forschungsstelle Jeremias Gotthelf der Universität Bern besorgt wird.

Quellen und Literatur

  • Gotthelf, Jeremias: Sämtliche Werke in 24 Bänden [und 18 Ergänzungsbänden], hg. in Verbindung mit der Familie Bitzius und mit Unterstützung des Kantons Bern von Rudolf Hunziker, Hans Bloesch, 1911-1977.
  • Gotthelf, Jeremias: Historisch-kritische Gesamtausgabe, hg. von Barbara Mahlmann-Bauer, Christian von Zimmermann, 2012-.
  • Burgerbibliothek Bern, Bern, Nachlass Jeremias Gotthelf, Handschriften von Teilen des Werks und des Briefwechsels.
  • Pfarrarchiv Lützelflüh, Lützelflüh, Teile des Amtsbriefwechsels.
  • Staatsarchiv Bern, Bern, Teile des Amtsbriefwechsels.
  • Manuel, Carl: Albert Bitzius (Jeremias Gotthelf). Sein Leben und seine Schriften, 1857.
  • Muret, Gabriel: Jérémie Gotthelf. Sa vie et ses œuvres, 1913.
  • Muschg, Walter: Gotthelf. Die Geheimnisse des Erzählers, 1931 (19672).
  • Günther, Werner: Der ewige Gotthelf, 1934.
  • Marti-Glanzmann, Walter: «Jeremias Gotthelf als Schulkommissär, 1835-1844», in: Burgdorfer Jahrbuch15, 1948, S. 11-84; Burgdorfer Jahrbuch, 16, 1949, S. 7-66.
  • Menapace, Luigi: Jeremias Gotthelf. Uno scrittore a specchio della sua terra, 1949.
  • Fehr, Karl: Das Bild des Menschen bei Jeremias Gotthelf, 1953.
  • Waidson, Herbert Morgan: Jeremias Gotthelf. An Introduction to the Swiss Novelist, 1953.
  • Martorelli, Gisela: Bibliographie zu Jeremias Gotthelf (Albert Bitzius 1797-1854), 1977.
  • Hahl, Werner: «Jeremias Gotthelf und der Rechtsstaat. Dichtung im Kontext der Rechts- und Verfassungsgeschichte am Beispiel der "Erlebnisse eines Schuldenbauers"», in: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur, 4, 1979, S. 68-99.
  • Sengle, Friedrich: «Albert Bitzius, Pseud. Jeremias Gotthelf (1797-1854)», in: Biedermeierzeit, Bd. 3, 1980, S. 888-951.
  • Juker, Bee; Martorelli, Gisela: Jeremias Gotthelf 1797-1854 (Albert Bitzius). Bibliographie 1830-1975. Gotthelfs Werk, Literatur über Gotthelf, 1983.
  • Holl, Hanns Peter: Gotthelf im Zeitgeflecht. Bauernleben, industrielle Revolution und Liberalismus in seinen Romanen, 1985.
  • Holl, Hanns Peter: Jeremias Gotthelf. Leben, Werk, Zeit, 1988.
  • Knellwolf, Ulrich: Gleichnis und allgemeines Priestertum. Zum Verhältnis von Predigtamt und erzählendem Werk bei Jeremias Gotthelf, 1990.
  • Hahl, Werner: Jeremias Gotthelf – der «Dichter des Hauses». Die christliche Familie als literarisches Modell der Gesellschaft, 1994.
  • Cimaz, Pierre: Jeremias Gotthelf (1797-1854). Der Romancier und seine Zeit, 1998 (französisch 1979).
  • Pape, Walter; Thomke, Hellmut; Tschopp, Silvia Serena (Hg.): Erzählkunst und Volkserziehung. Das literarische Werk des Jeremias Gotthelf. Mit einer Gotthelf-Bibliographie, 1999.
  • Mahlmann-Bauer, Barbara; Zimmermann, Christian von; Zwahlen, Sara Margarita (Hg.): Jeremias Gotthelf, der Querdenker und Zeitkritiker, 2006.
  • Lauener, Michael: Jeremias Gotthelf – Prediger gegen den Rechtsstaat, 2011.
  • Derron, Marianne; Zimmermann, Christian von (Hg.): Jeremias Gotthelf. Neue Studien, 2014.
  • Stuber, Martin; Gerber-Visser, Gerrendina; Derron, Marianne (Hg):  ... wie zu Gotthelfs Zeiten?, 2014 (Berner Zeitschrift für Geschichte, 76/4).
  • Heiniger, Manuela: Der mündige Bürger. Politische Anthropologie in Jeremias Gotthelfs "Bildern und Sagen aus der Schweiz", 2015.
Weblinks
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Zitiervorschlag

Graf, Ruedi: "Bitzius, Albert", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 08.04.2020. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011835/2020-04-08/, konsultiert am 11.10.2020.