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RomainmôtierKloster

Erzengel Gabriel. Wandmalerei aus dem beginnenden 14. Jahrhundert an der Westwand des Mittelschiffs der Abteikirche Romainmôtier (Fotografie Ralph Feiner, Malans).
Erzengel Gabriel. Wandmalerei aus dem beginnenden 14. Jahrhundert an der Westwand des Mittelschiffs der Abteikirche Romainmôtier (Fotografie Ralph Feiner, Malans).

Kloster in der Gemeinde Romainmôtier-Envy VD, das abgeschieden im Nozontal zwischen den ersten Ausläufern des Juras, aber nahe der Strasse von Lausanne nach Besançon liegt. Romainmôtier wurde wahrscheinlich um 450 vom heiligen Romanus gegründet. Für diese Annahme liefert Gregor von Tours in seinem "Liber Vitae patrum" einen Hinweis, wenn auch keinen expliziten Beleg. Erst eine gereimte Chronik aus dem 13. Jahrhundert und der Kommissar Aymonnet Pollens (1519) schrieben die Gründung Romanus zu. 1905-1915 durchgeführte Grabungen, die eine Kirche aus dem 5. Jahrhundert zu Tage förderten, bestätigten dieses frühe Datum. Ausserdem dürfte es sich bei Florianus, der als abbas ex monasterio de Romeno bezeugt ist, wahrscheinlich um den in der Mitte des 6. Jahrhunderts amtierenden Abt von Romainmôtier handeln. Das danach verfallene Kloster wurde von Herzog Chramnelenus wieder aufgerichtet. Er führte spätestens 642 die kolumbanische Regel ein. 649 traf der heilige Wandregisel, der zukünftige Abt von Fontenelle (Diözese Rouen), in Romainmôtier ein blühendes und vielfältiges monastisches Leben an. Die Kirche aus dem 5. Jahrhundert wurde vergrössert und im 7. Jahrhundert ein zweites Kultusgebäude mit rechteckigem Chor erstellt, das sie im Süden flankierte. Papst Stephan II. hielt sich 753 auf der Reise zu einem Treffen mit König Pippin dem Kurzen in Romainmôtier auf und weihte laut einer Überlieferung die Kirchen den heiligen Peter und Paul. Im 9. Jahrhundert erlebte Romainmôtier wiederum eine Zeit des Niedergangs.

Laienäbte bemächtigten sich des Klosters. Es kam an den Welfen König Rudolf I. von Burgund, der es 888 vollumfänglich seiner Schwester Adelheid, der Ehefrau des Herzogs von Burgund, Richard II., schenkte. Am 14. Juni 928/929 überliess Adelheid Romainmôtier der aufstrebenden Abtei Cluny, doch änderte sich für das Kloster damit nichts, weil es die burgundische Königsfamilie in ihrem Besitz behielt. Romainmôtier beherbergte zu dieser Zeit ein Chorherrenstift. Zwischen 966 und 990 verzichtete König Konrad von Burgund endgültig auf seine Rechte und übergab Romainmôtier dem Abt Maiolus von Cluny. Mit diesem dritten Neuanfang nahm Romainmôtier einen bedeutenden architektonischen Aufschwung. Abt Odilo von Cluny, der mehrmals in Romainmôtier residierte, liess Ende des 10. Jahrhunderts die heutige Kirche nach dem Vorbild der zweiten Kirche der Mutterabtei (Cluny II) errichten. Sie wurde Anfang des 12. Jahrhunderts durch einen reich verzierten Narthex und im 13. Jahrhundert durch eine Torhalle erweitert. Die letzten Umbauten an der Kirche wurden 1445 vorgenommen. Die Klosterkirche von Romainmôtier gehört zu den bedeutendsten Zeugen cluniazensisch-romanischer Kunst in der Schweiz.

Während Odilo Romainmôtier selbst verwaltete, liessen sich seine Nachfolger in der Abtei Cluny durch einen Prior vertreten. Dieses Amt war bis Ende des 12. Jahrhunderts zeitlich begrenzt und wurde danach auf Lebenszeit verliehen. Im 10. und 11. Jahrhundert kämpfte das Kloster gegen regionale Adelsfamilien (Grandson, Salins), die ebenfalls ihren Güterbesitz zu vergrössern suchten. Diese Konflikte legten sich zu Beginn des 12. Jahrhunderts. Die Pariage von 1181, in der sich Beatrix von Burgund, die Ehefrau Kaiser Friedrichs I. Barbarossa, und das Kloster Rechte teilten, scheint folgenlos geblieben zu sein. Bis ins 14. Jahrhundert stand das Priorat unter kaiserlichem Schutz. Der Kastlan von Les Clées übte die Aufsicht im Namen seiner Lehensherren, insbesondere der Savoyer, aus. Die Güter des Priorats bildeten ein geschlossenes Territorium rund um das Kloster, das La Pôté (von lateinisch potestas abgeleitet) oder Terre de Romainmôtier genannt wurde. Es bestand bereits 1050 und umfasste zwölf Dörfer. Das Priorat besass aber auch in Apples sowie in der Freigrafschaft Burgund in Bannans Güter. In 45 anderen Orten lebten ebenfalls zahlreiche Grundzinspflichtige des Klosters. Im 12. Jahrhundert entstanden in Bursins, Mollens, Vufflens-la-Ville, Vallorbe und Lay-Damvautier (Gemeinde Saint-Point-Lac, Freigrafschaft) kleine Priorate zur Verwaltung der von Romainmôtier entfernteren Güter. Sie lösten sich spätestens im 14. Jahrhundert wieder auf. Die Priorate von Bevaix und Corcelles (NE) wurden im 12. Jahrhundert Romainmôtier angegliedert, bewahrten aber bis zu ihrer Säkularisation während der Reformation eine gewisse Eigenständigkeit. Ein im 11. Jahrhundert in Orbe angesiedeltes Spital war Romainmôtier wahrscheinlich bis Mitte des 13. Jahrhunderts unterstellt.

Im 11. Jahrhundert waren die Bewohner der Pôté noch Leibeigene, 1266 wurde ihnen ein besonderer Rechtsstatus zuerkannt. Sie besassen persönliche Freiheit und durften frei über ihre Güter verfügen, waren jedoch zu Treue gegenüber dem Prior verpflichtet. Falls sie sich ausserhalb der Pôté niederliessen oder sich einem anderen Herrn unterstellten, mussten sie die Herrschaft verlassen und ihre vom Kloster zu Lehen empfangenen Güter aufgeben. Um den Prior entstand eine familia aus Laien, die für das Priorat arbeiteten. Unter ihnen befanden sich Handwerker (Bäcker, Köche, Pförtner, Küster u.a.), Amtsleute, die in den Dörfern Aufgaben in der Verwaltung oder im Bereich der niederen Polizei wahrnahmen (Meier, Weibel, Bannwarte), und Bürger der Stadt Romainmôtier. Diese Freien leisteten keinen Frondienst und kein Gemeinwerk, unterlagen aber dem Todfall.

Nach einer Finanzkrise im 14. Jahrhundert erholte sich das Kloster wieder und erweckte auf dem Höhepunkt seiner Macht Ende des 14. sowie Anfang des 15. Jahrhunderts Begehrlichkeiten. Mitte des 15. Jahrhunderts gelangte es an Angehörige der savoyischen Dynastie oder an Personen aus deren Umfeld, also in weltliche Hände. Die Einkünfte des Klosters wurden zu einem Tauschobjekt und die Klosterregeln immer weniger respektiert, so dass das Kloster zur Zeit der Reformation (1536) bereits im Niedergang begriffen war. Hatten im 14. Jahrhundert noch etwa zwanzig Mönche in Romainmôtier gelebt, waren es im 16. Jahrhundert noch etwa zehn. Trotz des Protests Freiburgs säkularisierte Bern das Kloster am 27. Januar 1537. Die Abteikirche, die nun für den reformierten Gottesdienst benutzt wurde, erlitt Beschädigungen und Umbauten. Das Haus des Priors wurde zum Schloss des bernischen Vogts in Romainmôtier umfunktioniert; die übrigen Gebäude wurden vermietet oder verkauft. Einzig die Güter in der Freigrafschaft entgingen der bernischen Einflussnahme. Einige Mönche liessen sich in Vaux-et-Chantegrue (Doubs) nieder und gründeten ein einfaches ländliches Priorat, das erst mit der Französischen Revolution aufgehoben wurde. Die Abteigebäude in Romainmôtier wurden 1899-1915 sowie 1992-2000 restauriert.

Quellen und Literatur

  • HS III/1, 289-301; III/2, 511-565
  • Romainmôtier, hg. von J.-D. Morerod, 2001
  • P. Jaton, L'abbatiale de Romainmôtier, 2007
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Germain Hausmann: "Romainmôtier (Kloster)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 12.06.2017, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011867/2017-06-12/, konsultiert am 27.06.2022.