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Fête des Vignerons

"Die Weinlese" von Ernest Biéler, einer von sechzehn Stichen, die das offizielle Album der Fête des Vignerons von 1905 illustrieren (Bibliothèque cantonale et universitaire Lausanne).
"Die Weinlese" von Ernest Biéler, einer von sechzehn Stichen, die das offizielle Album der Fête des Vignerons von 1905 illustrieren (Bibliothèque cantonale et universitaire Lausanne). […]

Die Fête des Vignerons von Vevey wird von der Confrérie des vignerons - der örtlichen Winzerbruderschaft - organisiert. Diese war ursprünglich ein Verbund von Grundbesitzern, der die Tätigkeit der Rebarbeiter in den Weinbergen seiner Mitglieder, der Bürgergemeinde und der bernischen Behörden kontrollierte. Die wahrscheinlich schon im Mittelalter unter dem Namen Abbaye de l'agriculture de Vevey (auch Abbaye de Saint-Urbain genannt) gegründete Bruderschaft zeichnete ihre Tätigkeiten ab 1647 auf. Das Winzerfest war damals nur eine schlichte, jährlich durchgeführte Prozession (sog. bravade oder parade) durch Vevey. Neben die kleinen, an der Spitze von Stäben getragenen Holzfiguren (marmousets) traten 1730 die Figur eines kleinen Jungen, der Bacchus darstellte, sowie 1747 eine jugendliche Person, welche die Erntegöttin Ceres verkörperte. Ab 1741 wurde der Umzug alle drei Jahre organisiert, ab 1783 alle sechs Jahre. Als die Confrérie unter dem Einfluss der Ökonomischen Gesellschaft von Bern beschloss, die Winzerarbeit mit der Krönung der besten Rebarbeiter im Rahmen einer feierlichen Zeremonie zu bestärken, wandelte sich der Umzug 1797 in ein Fest. Von einer Tribüne aus, deren Zugang kostenpflichtig war, konnte ein grosses Publikum daran teilnehmen. Der Umzug wurde nach den vier Jahreszeiten gegliedert. Ab 1819 war der thematische Reigen, der zu einer Fête des Vignerons gehört, komplett. Die Darstellung der Feldarbeit, des weidenden Viehs und der Arbeit im Weinberg, der Lobpreis des Vaterlands und Gestalten aus der griechisch-römischen (Pales, Silen) sowie aus der christlichen Mythologie gehören zum Fest. Jede Generation (1833, 1851, 1865, 1889, 1905, 1927, 1955, 1977, 1999, 2019) feierte mit dem Winzerfest die Arbeit der besten Rebarbeiter aus der Region zwischen Pully und Bex, wobei die Erinnerung und die Identität im Zentrum standen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wirken auch angesehene Musiker und Schriftsteller an dem Volksfest mit. 2016 wurde die Fête des Vignerons von der Unesco in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Quellen und Literatur

  • S. Carruzzo-Frey, P. Ferrari-Dupont, Du labeur aux honneurs, 1998, (mit Bibliografie)