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Literaturpreise

Als Literaturpreise bezeichnet man periodisch vergebene Auszeichnungen an Autorinnen und Autoren von literarischen Werken, Drehbüchern, Kinderbüchern oder Theaterstücken sowie an Journalistinnen und Journalisten, seltener an Übersetzerinnen und Übersetzer oder an Personen im Verlagswesen. Sie können national oder international (z.B. Nobelpreis für Literatur) verliehen werden. In der Schweiz sind Literaturpreise oft Teil der Kulturförderung (Kulturpolitik). Sie werden als Fixsumme (bis zu 100'000 Fr.), zur Finanzierung eines Werks oder Werkjahrs, als Ehrengabe, als Beitrag an ein Werk oder in Form von allgemeinen Unterstützungsbeiträgen (z.B. Druckkostenbeiträge) vergeben. Stifter solcher Preise sind der Bund, die Kantone, Städte, Verbände, Genossenschaften und Stiftungen (Kulturstiftungen), Verleger, der Buchhandel und die Privatwirtschaft. Die Vergabe erfolgt entweder durch öffentliche Ausschreibung mit Bewerbung oder als Auszeichnung durch eine gewählte Jury.

Der Prix littéraires des Alpes et du Jura (seit 1972), der Zürcher Kinderbuchpreis La vache qui lit (1977-2001, 4000 Fr.; Kinder- und Jugendliteratur) sowie der von der Stadt Biel und dem Kanton Bern seit 1978 alle drei Jahre ausgerichtete Robert-Walser-Preis (25'000 Fr.) werden an Autorinnen und Autoren des gesamten deutsch- bzw. französischsprachigen Raums vergeben. Mehrere Westschweizer Literaturpreise werden auf internationaler Ebene verliehen, so der Prix Jean-Jacques-Rousseau (seit 1986, 30'000 Fr.). Wichtige Auszeichnungen auf Bundesebene sind unter anderem der Prix Rambert (seit 1898), der Schillerpreis (seit 1909, seit 1979 zusätzlich der ebenfalls von der Stiftung vergebene Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank), der Gottfried-Keller-Preis (seit 1922, 25'000 Fr., heute von der Martin-Bodmer-Stiftung vergeben) – letztere beide für alle vier Landessprachen – sowie der Grand Prix C.F. Ramuz (seit 1950, 15'000 Fr.). Im Tessin rief der Circolo italiano di lettura 1942 den Premio Lugano (nur bis 1944) ins Leben. Auch bei der Gründung des Premio Libera Stampa 1946 spielten italienische Emigranten eine wichtige Rolle. Dieser Preis bestand bis 1967 und war allen italienischsprachigen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, unabhängig ihrer Nationalität, offen. Für die Mundartdichtung existierte der Preis Il Cantonetto der gleichnamigen Zeitschrift. Für die rätoromanische Literatur stiftet die Bürgergemeinde Domat/Ems seit 1990 den Publikumspreis Premi Term Bel, der an den Literaturtagen in Domat/Ems verliehen wird. Der Bündner Literaturpreis (seit 1999, 10'000 Fr., von Milly Enderlin gestiftet) berücksichtigt alle drei Sprachen des Kantons. Seit 2008 verleihen das Internationale Literaturfestival BuchBasel und der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband den Schweizer Buchpreis an deutschsprachige Autorinnen und Autoren.

Einige Literaturpreise werden nur an Personen verliehen, die sich mit dem Werk eines Autors auseinandersetzen (z.B. der Preis der Max-Geilinger-Stiftung), oder die durch Person oder Werk zum Vergabekanton bzw. zur Vergabestadt einen Bezug aufweisen. Die meisten Stiftungen und mehrere Kantone schreiben Preise für herausragende kulturelle Leistungen von Einzelpersonen und Gruppen aus, wobei die Literatur eine der ausgezeichneten Sparten darstellt (u.a. Glarner Kulturpreis, Förderpreis der Dätwyler-Stiftung, Preis der Fondation Edouard et Maurice Sandoz).

Quellen und Literatur

  • R. Junod, Guide des prix littéraires décernés en Suisse romande, 2000
  • P. Oprecht, Literaturpreise und andere Auszeichnungen literarischen Schaffens in der deutsch-, italienisch- und rätoromanischsprachigen Schweiz, 2001

Zitiervorschlag

Weber, Alexander: "Literaturpreise", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 29.04.2020. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011907/2020-04-29/, konsultiert am 22.10.2020.