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Saint-ImierStift

Kollegiatstift in der Gem. S. BE, vor 1177 entstanden, wahrscheinlich aus einem frühma. Kloster, 1530 aufgehoben, Diözese Lausanne. Im 7. Jh. muss am Grab des Eremiten Himerius ein Kloster entstanden sein. Himerius stammte aus dem Elsgau; er soll sich um die Wende vom 6. zum 7. Jh. ins Tal der Schüss zurückgezogen und dort eine dem hl. Martin geweihte Kapelle samt einem Hospiz gebaut haben. Eine cella wird erst 884 erwähnt, als sie von Ks. Karl III dem Kloster Moutier-Grandval übergeben wurde. Das Kloster selbst wurde 999 dem Bf. von Basel geschenkt. Die ältesten erhaltenen Mauerteile der dem hl. Himerius geweihten Stiftskirche, in welche die Gebeine des Eremiten aus der Martinskapelle transferiert wurden, stammen aus dem 11. Jh. 1146 war die Kirche (ecclesia) nicht mehr von Moutier-Grandval abhängig, 1177 wird als erster Propst und Dekan des Landkapitels S. Theodericus de Novocastro genannt. Im SpätMA geriet das Stift in den Einflussbereich der Stadt Biel, welche das Kapitel 1335 ins Burgrecht aufnahm und 1479 das Recht erwarb, die Chorherrenwahlen zu bestätigen und die Kastvogtei auszuüben. Zwei Versuche, das Stift nach Biel zu transferieren, blieben ohne Erfolg. Als die Bieler 1530 im St. Immertal die Reformation einführten, versuchten die Chorherren (mit Ausnahme von drei) Widerstand zu leisten, mussten dann aber fliehen. Nach dem Tod des Letzten von ihnen 1574 gelangten die Güter des Stifts an den Fürstbf. von Basel. Das Stift umfasste nie mehr als zwölf Chorherren, die - nach den Statuten von 1317 zu schliessen - nur selten in S. residierten. Stattdessen versahen sie die dem Kapitel zustehenden Kollaturen von Tramelan, Dombresson und Serrières. Daneben besass das Stift einige Güter im St. Immertal, am Bielersee und um Neuenburg, aber keine herrschaftl. Rechte. Die Stiftskirche, eine spätotton., dreischiffige Basilika mit niedrigem Querhaus und drei Absiden, wurde 1927-30 von Louis Bueche sowie 1982-83 restauriert.

Quellen und Literatur

  • HS II/2, 434-441; III/1, 302 f.
  • A. Beuchat et al., La collégiale de S., 1997
  • La donation de 999 et l'histoire médiévale de l'ancien évêché de Bâle, hg. von J.-C. Rebetez, 2002, 247-251, 292-298