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Saint-UrsanneStift

Südportal der Stiftskirche aus dem späten 12. Jahrhundert (Fotografie Jacques Bélat).
Südportal der Stiftskirche aus dem späten 12. Jahrhundert (Fotografie Jacques Bélat). […]

Im 7. Jahrhundert am Grab von Ursicinus (um 610) gegründete Abtei in Saint-Ursanne (JU), später Benediktinerabtei, dann Chorherrenstift. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts zog der Bischof von Basel die weltliche (Fürstbistum Basel) und kirchliche Herrschaft (Diözese Basel) über Saint-Ursanne an sich und wandelte die Benediktinerabtei in ein weltliches Chorherrenstift um. Es wurde einem Propst unterstellt und zählte zwölf, ab 1581 sechs Chorherren. Die Priester feierten die Messe in der Stiftskirche. Die Kapläne erhielten ein Dutzend, mit kargen Einkünften dotierte Altarpfründen. Das Kapitel übte auf dem ganzen Herrschaftsgebiet der Propstei Saint-Ursanne die zugehörigen gerichtlichen und grundherrschaftlichen Rechte aus. Das Recht des Stifts, den Propst selbst zu wählen, wurde selten eingehalten. Bis ins 15. Jahrhundert machten Adlige aus der Region dem Bischof die Kontrolle über die Stiftskirche und die Propstei streitig. Nachdem der Fürstbischof 1492 die Oberhand über den Regionaladel gewonnen hatte, übernahm das Basler Domkapitel die Kontrolle über das Chorherrenstift. Für die Basler Würdenträger war die praepositura der Abtei des Ursicinus nur eine Station auf deren kirchenpolitischen Laufbahn, die manchmal ins Bischofsamt führte, etwa bei Hugo von Hasenburg (1179-1180), Imer von Ramstein (1382-1391) oder Kaspar Zu Rhein (1479-1502). Weil die Pfründen gering waren und das Fürstbistum Basel wuchs, lockerten die Bischöfe ihren Einfluss auf Saint-Ursanne. Ab Ende des 17. Jahrhunderts wurden die Pröpste vom Stift gewählt, das frankofone und jurassische Bürger vorzog. Im 18. Jahrhundert waren die Chorherren oft gebildet und zeigten sich den Ideen ihrer Zeit gegenüber offen. Während der Landestroublen (1726-1740) stellte sich das Stift gegen den Fürstbischof. 1790 sympathisierten der Propst Jean-Jacques Keller und zwei Chorherren mit der Revolution, während die anderen vier Mitbrüder auswanderten, bevor das Stift 1793 offiziell aufgehoben wurde.

Stiftskirche und Kloster von Saint-Ursanne im Jahr 1860. Fotografien von Edouard Quiquerez (Musée jurassien d’art et d’histoire, Delsberg).
Stiftskirche und Kloster von Saint-Ursanne im Jahr 1860. Fotografien von Edouard Quiquerez (Musée jurassien d’art et d’histoire, Delsberg).

Quellen und Literatur

  • Arnold, Klemens; Marchal, Guy P.: Die weltlichen Kollegiatstifte der deutsch- und französischsprachigen Schweiz, 1977, S. 442-461 (Helvetia Sacra, II/2).
  • Sennhauser, Hans Rudolf: «St-Ursanne. Archäologische Untersuchung der Kirche St-Pierre», in: Archäologie der Schweiz, 10/2, 1987, S. 91-96.
  • Prongué, Jean-Paul: La Prévôté de Saint-Ursanne du XIIIe au XVe siècle. Aspects politiques et institutionnels, 1995.
Weblinks
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