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Ratpert

um 855, 25.10.911 (Jahr unsicher). Nach jüngsten Forschungen legte Ratpert ca. 873 die Profess in St. Gallen ab; am 29. Mai 876 ist er erstmals und am 10. Februar 902 letztmals als Mönch und Urkundenschreiber belegt. Vier liturgische lateinische Gedichte können ihm sicher zugeschrieben werden, darunter die Allerheiligenlitanei "Ardua spes mundi" und der Eucharistiegesang "Laudes, omnipotens, ferimus", die beide weite Verbreitung fanden. Gute Gründe sprechen ausserdem für Ratpert als Autor des "Offiziums" für den Klosterpatron, der "Historia sancti Galli". Ein althochdeutsches Galluslied ist hingegen nur in der lateinischen Rückübersetzung Ekkehards IV. überliefert. In seinem im Mittelalter nicht über den Bodenseeraum hinausstrahlenden Hauptwerk, den "Casus sancti Galli", behandelt Ratpert die Geschichte seines Klosters von den Anfängen bis 884. Was lange Zeit als trockene Besitzstandsbeschreibung gedeutet wurde, ist eine kunstvolle Streitschrift für die klösterlichen Freiheiten und die Autonomie St. Gallens gegenüber dem Bischof von Konstanz. Der zweite Teil der Schrift preist die Verdienste der Äbte Grimald und Hartmut und listet insbesondere die Buchproduktion aus deren Amtszeit im Detail auf. Der Fortsetzer der "Casus sancti Galli", Ekkehard IV., zeichnet Ratpert als unbequemen, geistreich-sarkastischen Opponenten des Abts Salomo III. (890-920). Die 890 von König Arnulf dem Konvent aufgezwungene Wahl dieses Abts, der zugleich Konstanzer Bischof war, dürfte denn auch der historische Standort sein, von dem aus Ratpert mit leiser Ironie auf das wechselnde Geschick seines Klosters zurückblickt.

Quellen und Literatur

  • St. Galler Klostergeschichten = (Casus sancti Galli), hg. und übers. von H. Steiner, 2002
  • VL 7, 1032-1035
  • LThK 8, 849
  • R. Schaab, Mönch in St. Gallen, 2003
  • H. Steiner, «Buchproduktion und Bibliothekszuwachs im Kloster St. Gallen unter den Äbten Grimald und Hartmut», in Ludwig der Deutsche und seine Zeit, hg. von W. Hartmann, 2004, 161-183
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Zitiervorschlag

Hannes Steiner: "Ratpert", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 02.09.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/012209/2010-09-02/, konsultiert am 26.05.2024.