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Madonna del Sasso

Wallfahrtsort mit Kirche, Sacro Monte und Kloster oberhalb von Locarno in der Gemeinde Orselina auf einem zum Teil terrassierten Felssporn. Madonna del Sasso wurde vom Franziskaner Bartolomeo Piatti aus Ivrea an der Stelle gegründet, wo ihm der Legende nach 1480 die Muttergottes erschienen war. Schon kurze Zeit später wurde der Ort zum Ziel von Pilgerreisen, und dank zahlreicher Schenkungen konnte der Bau des Wallfahrtsorts in Angriff genommen werden. 1487 wurden die Kapellen Santa Maria Avvocata und Pietà geweiht (Letztere später ins Kloster integriert), 1502 die Kirche Santa Maria Annunziata am Fuss des Sacro Monte in der Gemeinde Muralto. Die 1616 geweihte obere Kirche Santa Maria Assunta, genannt Madonna del Sasso, entstand vermutlich aus einer Erweiterung der Avvocata-Kapelle. Das Kloster, das sich aus der im 15. Jahrhundert entstandenden „Casa del padre“ entwickelte, wurde mehrfach erweitert und umgebaut. Der im 17. Jahrhundert nach lombardischem Vorbild erbaute Sacro Monte ist nur teilweise erhalten.

Am Ende des 16. Jahrhunderts erlebte der Wallfahrtsort einen Niedergang. Nach baulichen Veränderungen und der ständigen Zunahme der Zeichen der Verehrung erfuhr Madonna del Sasso Ende des 17. Jahrhunderts seine grösste Blüte. Die abnehmende Zahl der Mönche, deren Armut und der Zerfall der Gebäude führten am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer schweren Krise. 1848 hoben die kantonalen Behörden das Kloster auf und zogen dessen Güter ein. Sie quartierten einige Kapuziner ein, denen sie 1852 die Verwaltung übertrugen. Unter deren Aufsicht entstanden um 1890 grosse Erweiterungsbauten, wobei auch die alte Struktur verändert wurde. Zu weiteren baulichen Veränderungen kam es 1912, 1920-1924 und 1974-1980. Die Zahl der Ordensbrüder (8 im Jahr 2006) wuchs wieder, und der Ort gewann als Ziel von Wallfahrten über die Kantonsgrenzen hinaus an Bedeutung. 1919 erhielt die Kirche den Titel einer Basilica minor, 1949 fand eine grosse Feier zu Ehren der Pilgermadonna statt. In Madonna del Sasso sind bedeutende Kunstwerke aufbewahrt, so Bramantinos "Flucht nach Ägypten" von ca. 1520 und Antonio Ciseris "Grablegung Christi" von 1864-1870. Zu Madonna del Sasso gehört auch ein Museum mit zahlreichen Votivbildern, eine reichhaltige Bibliothek mit alten Werken und ein Archiv.

Quellen und Literatur

  • Kdm TI 1, 1972, 418-477
  • HS V/1, 451-458; V/2, 846-850
  • La Madonna del Sasso tra storia e leggenda, hg. von G. Pozzi, 1980
  • Kunstführer durch die Schweiz 2, 2005, 591-593
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Daniela Pauli Falconi: "Madonna del Sasso", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 28.08.2008, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/012239/2008-08-28/, konsultiert am 25.04.2024.