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MichaelStettler

Frontispiz des ersten Bands seiner Berner Chronik von 1623 (Staatsarchiv Bern, DQ 11, Band A).
Frontispiz des ersten Bands seiner Berner Chronik von 1623 (Staatsarchiv Bern, DQ 11, Band A). […]

1580 Bern, 1642 Bern, ref., von Bern. Sohn des Hieronymus, Gerbers und Kleinrats, und der Anna Grätz. Bruder des Anton (->). 1) 1601 Maria Guldi, 2) 1604 Judith Ramuz, 3) 1632 Margaretha von Büren. Ausbildung zum Notar in Genf oder Lausanne. 1605 Chor- und Ehegerichtsschreiber in Bern, 1606 Mitglied des Gr. Rats, 1610 Deutschseckelschreiber, 1616-22 Landvogt von Oron und 1627-29 von St. Johannsen, 1629-42 Oberlehenskommissär der sog. welschen Lande. Ohne grosse Begabung verfasste S. als junger Mann Lobgedichte und u.a. ein Drama in 33 Akten ("Vom Ursprung löbl. Eidsgenossenschaft" 1605). Dann wandte er sich der Historiografie zu, sammelte Stoff, indem er Akten abschrieb, namentlich aber die noch ungedruckten früheren Chronisten Berns. 1614 übergab er dem Rat eine dreibändige, die Zeit von 1526 bis 1610 abdeckende Geschichte der Stadt, die er überarbeitete und zu einem zehnbändigen Werk erweiterte. Auf Wunsch der Burgerschaft wurde 1626 eine zweibändige Geschichte publiziert, die 1631 um einen Anhang erweitert und von der Obrigkeit zensuriert unter dem Titel "Schweitzer-Chronic" erschien. Das Werk ist von einem starken Glauben an den "allregierenden Gott" geprägt, der jedes Geschehen leitet und im Diesseits und Jenseits das Gericht vollzieht: Das Wunder von der Entstehung, Kräftigung und Ausbreitung der kleinen Eidgenossenschaft mitten unter feindl. Potentaten war für S. ohne Gottes besonderen Schutz nicht denkbar. Der Autor mass der Geschichte einen hohen Wert bei, denn aus ihr könnten die Regierenden Verhaltensmassregeln für die Gegenwart ableiten und Richtlinien für die Zukunft gewinnen. Die Aristokratie stellte für S. den goldenen Mittelweg zwischen Monarchie und Demokratie dar. Sein Interesse galt dem Staat, Kulturgeschichtliches erwähnte er nur gelegentlich. S.s Chronik hatte ein langes Nachleben.

Quellen und Literatur

  • Slg. bern. Biogr. 2, 1896, 49-58
  • H. von Greyerz, Nation und Gesch. im bern. Denken, 1953, 57-61
  • Feller/Bonjour, Geschichtsschreibung 1, 356-359
  • U.M. Zahnd, «"Wir sind willens ein kronick beschriben ze lassen"», in BZGH 67, 2005, 37-61
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