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Wauwilermoos

Moorebene auf dem Gebiet der Gemeinden Wauwil, Egolzwil und Schötz. Im Wauwilermoos, in dem seit 1820 Torf abgebaut wurde, kamen nach der Trockenlegung des Sees um die Mitte des 19. Jahrhunderts erste steinzeitliche Siedlungen zum Vorschein. Aufgrund der bis 1929 erfolgten Grabungen wurde die Wauwilerebene als archäologische Fundregion bekannt. Eine Forschung nach wissenschaftlichen Kriterien begann jedoch erst mit den von Hans Reinerth in den frühen 1930er Jahren geleiteten Grabungen in Schötz und der jungsteinzeitlichen Fundstelle von Egolzwil E 2. Neue Forschungsimpulse gab Emil Vogt mit seinen systematischen, 1950-1966 erfolgten Ausgrabungen auf den Siedlungsstellen E 3, E 4 und E 5. Nach den Grabungen unter René Wyss 1965 und 1985-1988 waren elf jungsteinzeitliche und 30 mittelsteinzeitliche Fundstellen im Wauwilermoos, zu Beginn des 21. Jahrhunderts über 120 steinzeitliche Fundstellen in der Wauwilerebene bekannt.

Die ersten Niederlassungen von Menschen nach dem noch nicht genau datierten Rückzug des Reussgletschers lassen sich noch vor 13'000 v.Chr. an sechs Fundstellen nachweisen. Ins Spätpaläolithikum (ca. 12'000-9000 v.Chr.) gehören 46 der an einer alten erhöhten Uferlinie des ehemaligen Wauwilersees gelegenen Fundstellen, deren Artefakte - mit vielen Sticheln sowie typischen Rückenspitzen und breiten Abschlagkratzern - der Fürsteiner Kultur zugerechnet werden.

Aus dem frühen Mesolithikum (ca. 9000-6700 v.Chr.) stammen die charakteristischen kleinen Silexgeräte (Mikrolithen), die an 33 Fundorten nachgewiesen sind, Funde aus dem Spätmesolithikum (ca. 6700-5500 v. Chr.) sind an über 20 Stellen dokumentiert. In der Siedlung Schötz Station 7, Rorbelmoos ist eine verbesserte Bearbeitungstechnik beim Silexmaterial sowie das Auftreten von neuen Gerättypen festzustellen. Getreidepollen in den um 6500 v.Chr. datierten Schichten lassen auf einen möglichen Ackerbau während des Spätmesolithikums schliessen, doch reichen zwei Tongefässscherben - leider mit unklaren Fundumständen - und eine Bavansspitze an zwei verschiedenen Fundstellen als Nachweis für eine jungsteinzeitliche Bauernkultur aus dem 5. Jahrtausend v.Chr. kaum aus.

Für die gut dokumentierte Egolzwiler Kultur kurz nach 4300 v.Chr. sind neben der namengebenden Fundstelle Egolzwil E 3 vier weitere Siedlungsstellen nachgewiesen. Ein nur kurze Zeit bestehendes Dorf wurde ebenerdig in der Verlandungszone des Sees errichtet. Als Bauholz dienten Esche, Eiche und Erle; Licht und Wärme spendete eine zentral im Haus angelegte Feuerstelle. Die handgeformte Keramik bestand mehrheitlich aus rundbodigen Töpfen und Näpfen mit zwei Henkelösen und einem durchschnittlichen Volumen von 1,8 bis 2,8 l, daneben einigen Flüssigkeitsbehältern von 6 bis 8 l Inhalt sowie einzelnen Wauwilerbechern. Einzigartig sind Sicheln mit geradem Holzschaft und schräg ausladender, mit Birkenteerpech eingekitteter Silexklinge sowie Beilschäfte, Keulen, Furchenstöcke und ein textiler Schmuckbehälter mit Muscheln aus dem Mittelmeer.

3900-3500 v.Chr. entstanden die auf der Landseite mit einem Zaun abgegrenzten Seeufersiedlungen der Cortaillodkultur. Bei den übereinanderliegenden Niederlassungen in Egolzwil E 4 scheinen die jüngeren Gebäude mit einem mehrlagigen Balkenunterbau etwas vom Boden abgehoben gewesen zu sein. Ähnliches wurde auch schon in den früher ausgegrabenen Siedlungsstellen Egolzwil E 1 und E 2 beobachtet, was mit einer eventuell klimatisch bedingten Erhöhung des Seespiegels zu tun hat. Die Horgener Kultur (3500-2700 v.Chr.) ist an drei Fundorten vertreten, unter anderem auf der Mauenseeinsel. Die Kultur der Schnurkeramik (2700-2500 v.Chr.) kennen wir von vier Fundstellen.

Aus der Bronzezeit sind vorwiegend Einzelfunde bekannt. Spätbronzezeitliche Siedlungsreste sind auf der Mauenseeinsel und in Wauwil Glasi nachgewiesen. Aus der jüngeren Eisenzeit (Latènezeit, ca. 480/450-430 v.Chr.) stammt ein Depotfund von Eisengeräten, Keramikgefässen und Goldmünzen. In der Römerzeit sind in der Ebene keine Siedlungen mehr belegt.

Quellen und Literatur

  • J. Speck, «Zur Siedlungsgesch. des W.», in Die ersten Bauern 1, 1990, 255-270
  • R. Wyss, Steinzeitl. Bauern auf der Suche nach neuen Lebensformen, Egolzwil 3 und die Egolzwiler Kultur 1, 1994; 2, 1996
  • J. Bill, «Die Wauwiler Ebene als Siedlungsraum von der Jungsteinzeit bis zu den Römern», in Mitt. der Naturforschenden Ges. Luzern 36, 1999, 49-66
  • E.H. Nielsen, Paläolithikum und Mesolithikum in der Zentralschweiz, 2009
  • A. de Capitani, Egolzwil 3, 2013