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Meilensteine

M. standen an den überregionalen röm. Strassen und hatten eine zylinderähnl. Form, die allerdings variabel war. Sie trugen meist eine Inschrift (Kaiserformular) mit Distanzangabe, im 1. Jh. in Meilen (milia passuum), vom 2. Jh. an im germ.-gall. Raum in Leugen (leugae). In der Schweiz gab es die Zählpunkte (capita viae) Forum Claudii Augusti oder Vallensium (Martigny), Colonia Equestris (Nyon), Aventicum (Avenches) und Colonia Augusta Raurica (Augst). Im schweiz. Teil Rätiens ebenso wie im heutigen Kt. Tessin fehlen die M. und ist kein Zählpunkt bekannt. Die Distanzangaben sind nicht immer vorhanden, weil sie vielleicht aufgemalt oder nicht vorgesehen waren oder vergessen gingen. Anders als die Stundensteine und die Distanzmesser des Ancien Régime oder die Schilder mit Kilometer- und Zeitangaben heutiger Autobahnen oder Wanderwege erfüllten nämlich die M. auch den Zweck, die Reisenden auf den Kaiser als Herrn über den Strassenbau hinzuweisen, und dienten mit der Inschrift als Propagandaträger für den Herrscher oder als Loyalitätsbeweis der Untertanen. Bis heute sind im schweiz. Mittelland 74 M. als Überreste oder aus der schriftl. Tradition bekannt. Von den 50, die eine Distanz angeben, messen etwa je die Hälfte in Meilen (v.a. vom Gr. St. Bernhard bis Genf) und in Leugen (v.a. von Lausanne bis Pfyn). Acht tragen keine Inschrift (anepigraph). Viele sind von ihrem angestammten Standort verschleppt und einige in Kirchen als Säulen wiederverwendet worden, was die Rekonstruktion ihrer Messfunktion erschwert.

Quellen und Literatur

  • F. Mottas, «Militaires et vestiges des voies romaines du canton de Vaud», in ArS 3, 1980, 154-168
  • G. Walser, «Bemerkungen zu den gall.-germ. M.n», in Zs.f. Papyrologie und Epigraphik 43, 1981, 385-402
  • CIL 17, Tl. 2
  • M. Rathmann, «M.», in Der Neue Pauly 7, 1999, 1156-1158
  • H.E. Herzig, «Römerstrassen in der Schweiz», in HA 37, 2006, 42-114