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Simmental

Tal im Kanton Bern, zwischen Alpenkamm (Wildhorn, Wildstrubel) und Thunersee gelegen, durchflossen von der Simme und der Kleinen Simme, bestehend aus Teilen der Verwaltungskreise Obersimmental-Saanen sowie Frutigen-Niedersimmental.

Viehschau vor dem Nebengebäude des Hotels Bären in Zweisimmen. Fotografie von Arthur Zeller, um 1920 (Staatsarchiv Bern).
Viehschau vor dem Nebengebäude des Hotels Bären in Zweisimmen. Fotografie von Arthur Zeller, um 1920 (Staatsarchiv Bern). […]

Neolithische Abris, bronzezeitliche und römische Funde bezeugen die Begehung des Simmentals seit prähistorischer Zeit; dieses war insbesondere schon früh Durchgangsland auf dem Weg vom Aaretal über den Kaltwasserpass, den Rawilpass oder das Schnidejoch (römische Station am Iffigsee) ins Wallis. Das Tal war Teil des hochburgundischen Königreichs (Königshöfe Wimmis und Matten 994 erwähnt) und des Reichs (Reichslehen im Obersimmental) und wurde, in verschiedene Herrschaften unterteilt, von einheimischen oder aus den benachbarten Gebieten stammenden Herren (u.a. Freiherren von Strättligen, Weissenburg, Raron, Brandis, Grafen von Greyerz) regiert. Rund 20 Burgstellen zeugen von deren Wehr- und Verwaltungsbauten. Früh- und hochmittelalterliche Kirchen waren Zentren grosser Kirchspiele. Vom 14. Jahrhundert an waren die Talleute in den beiden talschaftlichen Gemeindeverbänden Obersimmental und Niedersimmental mit eigenem Landrecht und Beamten (Landesvenner als Stellvertreter der Kastlane) organisiert. Ab dem späten 14. Jahrhundert erwarb die Stadt Bern das Simmental herrschaftsweise, teils vom einheimischen Adel, teils von Bernburgern, und verwaltete es in den Kastlaneien Ober- (ab 1386) und Niedersimmental (ab 1449). Während sich das Niedersimmental bereits 1527 der Reformation zuwandte, war das Obersimmental 1528 nur mit Mühe für diese zu gewinnen. Die Talbauern gingen im 16. Jahrhundert dank gesicherter Kornmärkte allmählich auf Viehwirtschaft im Tal-, Vorsass- und Alpbetrieb über. Mastvieh wurde vor allem über die Pässe nach Italien exportiert; im 17. Jahrhundert kam der Export der Erlenbacherpferde auf. Einkäufer besuchten die Märkte in der Lenk und in Boltigen sowie ab 1644 auch in Erlenbach und Zweisimmen. Im 19. Jahrhundert verlagerte sich das Gewicht auf Viehzucht (Simmentaler Rotschecken oder Fleckvieh, ein leistungsfähiges Zweinutzungsrind), im 20. Jahrhundert auf Milchwirtschaft. 1798-1803 gehörte das Simmental zum helvetischen Kanton Oberland, in dem Ober- und Niedersimmental je einen Distrikt bildeten. Die gewachsenen Verwaltungsgrenzen wurden auch bei der Errichtung der beiden gleichnamigen Berner Oberämter 1803 beibehalten; Hauptorte der Oberämter bzw. Amtsbezirke blieben Zweisimmen und Wimmis, die diese Funktion schliesslich infolge der bei der Simmentaler Bevölkerung wenig populären Bezirksreform 2010 verloren; Saanen und Frutigen, die Hauptorte der neuen Verwaltungskreise, liegen ausserhalb des Tals. Nach 1800 entwickelte sich der im 17. Jahrhundert beginnende Bädertourismus (Bäder Weissenburg, Lenk, Rotbad, Grimmialp) zum wichtigen Erwerbszweig und Vorläufer des modernen Tourismus, der seinen Durchbruch erst nach dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur erlebte. Die Simmentalstrasse wurde 1815-1828, die Saanenstrasse 1835 und die Strasse über den Jaunpass 1874-1878 ausgebaut; die Spiez-Erlenbach-, die Erlenbach-Zweisimmen- und die Montreux-Oberland Bernois-Bahn (durchs Saanenland nach Zweisimmen) verkehren seit 1897, 1902 und 1905. Seit 1971 besteht in Wimmis der Anschluss ans Autobahnnetz. Das Projekt einer Schnellstrasse durch das Simmental und eines Tunneldurchstichs unterhalb des Rawilpasses ins Wallis scheiterten in den 1980er Jahren am Widerstand der Bevölkerung. Von den 1960er Jahren an tätigten Private und Gemeinde umfangreiche Investitionen für den Bau von Bergbahnen (u.a. Stockhorn, Rinderberg), Hotels und Ferienwohnungen sowie die Anlage von Wanderwegen, Ski- und Langlaufpisten.

Quellen und Literatur

  • Simmentaler Heimatbuch, 1938
  • D. Andrist et al., Das Simmental zur Steinzeit, 1964
  • Bärner Visite – A la rencontre des districts, 1991
  • E. Zbären, Simmental und Diemtigtal, 2009
Weblinks
Normdateien
GND
Systematik
Umwelt / Tal

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Simmental", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 28.11.2011. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/012906/2011-11-28/, konsultiert am 12.07.2024.